Fluglaerm 19.01.2014, 19:45 Uhr 1 3

Kein Astronaut

Es ist der Moment im Büro, in dem einem plötzlich klar wird, dass man niemals Astronaut sein wird.

Es ist der Moment im Büro, in dem einem plötzlich klar wird, dass man niemals Astronaut sein wird. Niemals Fußballprofi. Es trifft dich hart und unvorbereitet, ein fallendes Klavier aus dem fünften Stock, haut dich um, so absurd und doch so schmerzhaft real.
Das Leben hat dich eingenommen, es ist einfach so passiert.
Im Büro ist es warm, der Kaffee verströhmt den Geruch wohliger Vertrautheit. Eigentlich ist alles gut aber eigentlich ist mir heute nicht genug.

Als Kind waren die Träume groß, die Erwartungen noch größer und vor allem garnichts unmöglich. Die Welt breitete den roten Teppich vor uns aus, lud uns ein auf die Party des Lebens. Wir waren begeistert, rannten los, wollten Türen öffnen, wollten Möglichkeiten entdecken und dachten über garnichts nach. Der Weg ein Tunnel an dessen Ende ein goldenes Licht lockte, es gab kein links und rechts, nur das ungewisse aber immer großartige Ziel.
Das Leben passierte, wie liefen gradeaus und irgendwann war das Licht nicht mehr golden sondern gelb - eine immer noch schöne Farbe, schön genug um weiter zu laufen, so dachten wir und stolperten vorwärts.

Irgendwann blicken wir zurück und stellen uns die Frage an welchem Punkt die Bankausbildung auf dem Dorf attraktiver schien als all das was wir früher für cool hielten. Wir blicken zurück und sind verblüfft dass sich ohne es zu bemerken unser Weg geändert hat. Wir sind abgebogen wo wir nicht hätten abbiegen müssen. Wir haben uns nie bewusst gegen etwas entschieden, haben nie direkt gemerkt, dass wir selbst in der Kreisliga nur Mittelmaß sind. Für einen Moment haben wir nicht hingeguckt, es kam schleichend und stand irgendwann einfach fest.

Heute ist der Kaffee warm und das Weltall ganz weit weg.
Meine Träume sind vergraben in der Sockenschublade meines IKEA-Schranks. Sie waren niemals weg, und trotzdem wurden sie zur Seite geschoben wie ein schmutziger Lappen.
Mein 10-jähriges Ich würde mich ohrfeigen. Ich bitte darum.

Das Klavier spielt das Lied des Erwachsenwerdens und trifft mich hart am Kopf. Mir wird klar dass irgendwann nicht mehr alles geht. Die Träume mit den Löchern können in den Müll. Man wird sie nicht mehr anziehen.

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Kommentare

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    Den letzten Absatz mag ich besonders gern!


    19.01.2014, 23:25 von woertermaedchen
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