Jetzt bloß nicht mut(t)ieren
Deutschland ist nun kinderfreundlich per Erlass. Doch junge Eltern besaufen sich und reden über nichts weniger gern, als über ihren Nachwuchs.
Im Jahr 2005 gab es in Deutschland fast 16 Millionen Menschen, die älter als 65 Jahre waren. Insgesamt knapp 37 Millionen hatten ihren 45sten Geburtstag bereits hinter sich gebracht. Unter 15 Jahren waren hingegen nur knappe 12 Millionen. Das sind 14 Prozent der Bevölkerung gewesen. Diese Zahlen nur, um zu verdeutlichen, wie das Panikwort „Kindermangel“ statistisch gesehen aussieht: Auf einen Menschen unter 15 Jahren kommen drei über 45.
Gebärdruck fatale
Da fühlen sich einige unter Druck gesetzt. Dabei sind sie doch erst Ende zwanzig, haben gerade erst ihre Uni beendet, das zweite Praktikum aufgenommen, dem letzten Partner nach einjähriger Beziehung aus Mangel an persönlicher Freiheit den Laufpass gegeben und fühlen sich einfach noch nicht reif für so eine große Aufgabe, für ein Kind und die ganze Verantwortung die damit zusammenhängt. Alle liegen ihnen in den Ohren: die Großeltern, Eltern, der Staat. Am schlimmsten sind für sie: Gleichaltrige, die Eltern werden oder sind. Müssen diese Gutmenschen einem immer unter die Nase reiben, dass es geht? Dass es auch mit Mitte zwanzig schon machbar ist, Kinder in die Welt zu setzen und verantwortungsvoll mit dieser Aufgabe umzugehen?
Kinderfreundlich per Erlass
Es ist noch nicht lange her, da hatten Anti-Kinder-Pamphlete aus der Ecke dieser verunsicherten Endzwanziger/Anfangdreißiger hohe Konjunktur. Selbstbewusst wurde über zu militanten Nichtrauchern mutierte Eltern hergezogen, die ihre Kinder nicht im Griff hätten, Spaßbremsen geworden seien, die kein anderes Gesprächsthema mehr kannten, als „Lisa“, „Kevin“, „Laura“ oder „Finn“. Angriff ist eben die beste Verteidigung. Heute herrscht Totenstille in diesem Lager. Niemand traut sich mehr, den Mund in diese Richtung aufzumachen, zu sagen, was er wirklich von Kindern, frischgebackenen Jungeltern und dem Gebärdruck hält. Denn Deutschland ist nun kinderfreundlich per Erlass, da gibt es keine Widerworte. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Ausrufezeichen.
Deutschlands neue Spießigkeit? Familie vor Spaß? Kinderfreundlichkeit vor Rauchvergnügen überall? Nervös zuckenden Auges betrachten die Verfechter eines ewig junggebliebenen, sich des Erwachsenseins verweigernden, nur sich selbst Rechenschaft schuldenden Lebensstils voller Partys, unnötiger Luxusartikel, qualmigen Bars und oberflächlichen Fickbeziehungen ohne Verbindlichkeiten diese Entwicklungen. Ihren Senf zum Thema geben sie nicht mehr. Doch ihre Pamphlete haben Nachwirkungen. Zum Beispiel auf junge Eltern in diesem Land.
Bloß nicht mut(t)ieren
Bloß nicht seltsam werden, heißt die Parole. Das geht dann schon in der Schwangerschaft beim Treffen in einem Café los, wenn die werdende Mutti, die sich sonst einen Cappuccino nach dem anderen ins Gesicht schüttete, plötzlich einen Fencheltee bestellt. Das ist einfach seltsam. Fencheltee also nur heimlich und im Café mit der Freundin: am Tresen einen Cappuccino bestellen – Sabine muss ja nicht mitkriegen, dass der ohne Koffein ist!
Nicht zu Spaßbremsen mutieren. Keinen hysterischen Anfall bekommen, wenn jemand in der Nähe des Kindes raucht. Denn solche militanten Nichtraucher sind nicht nur spießig und kleinkariert, sie sind näher am Faschismus, als die Raucher. Wenn man sich mit Freunden trifft, dann besser ohne Kind (denn das schreit, muss gestillt, gewickelt und unterhalten werden, steht immer im Mittelpunkt, in dem doch der lange nicht besuchte Bekannte stehen sollte) und ohne viel über das Kind zu reden. „Er ist ein halbes Jahr, krabbelt und verhält sich auch sonst wie jedes normale andere Kind.“ – Solche Sätze wollen sie hören, die lieben Freunde. Ein Beweisfoto muss genügen. Kinderlose Menschen fühlen sich sonst schnell mit dem Kinderthema überschüttet und reagieren passiv-aggressiv. Man sollte sich mindestens einmal im Monat ordentlich besaufen gehen (was besonders glaubwürdig wirkt, wenn man davon kotzen muss), sich nie, niemals beim Kaufen von Babyklamotten im Prenzlauer Berg erwischen lassen und immer wieder betonen, dass man natürlich nicht normal ist, weil man ja schon mit Mitte zwanzig seinen Nachwuchs in die Welt gesetzt hat. Den übel auf den Schultern der anderen lastenden Druck wenigstens ein bisschen mildern.
Dass man dabei selbst in Passiv-Aggresivistan landet und unter Umständen noch zur augenzuckenden Königin dieses Landes mutiert, ist nicht ausgeschlossen. Während sich die lieben Freunde und Bekannten in Sachen Anti-Kinder-Ideologien selbst zensieren, schluckt die junge Mutti auch so einige, ihr auf der Zunge liegenden Gedanken missmutig herunter. Denn eigentlich nervt einen die verbreitete Einstellung Endlosjugendlicher: Bloß nichts Verbindliches eingehen und von Verantwortung schön fernhalten, wenn sie nicht beruflicher Art ist. Unverbindlichkeit ist für Eltern ein Graus. Mit Kind muss man anfangen zu planen, sich zu organisieren und abzusprechen. Spontaneität ist toll, aber leider mit „Ronja“, „Leo“ oder „Mia“ am Hals nicht mehr ganz so leicht umzusetzen. Weggehen wird Wochen im Voraus geplant. Natürlich ohne jegliche Zusage aus dem Freundeskreis, denn man kann sich da ja noch nicht festlegen, das geht maximal eine Stunde vor Beginn der entsprechenden Party.
Gespaltene Generation
Und so geht es weiter wie gehabt, nur heimlich still und leise. Die Republik bleibt in die Lager getrennt, nur dass man sich heute gegenseitig eben zähneknirschend erträgt, anstatt aufeinander rumzuhacken. Eltern gegen Kinderlose: ein Streit von gestern, eine passiv-aggressives Showlaufen heute. Man sucht sich gegenseitig an Toleranz gegenüber der anderen Seite zu übertreffen. Sagt vordergründig: „Nein, nein – natürlich rauche ich in Gegenwart von Lucas nicht!“ und denkt sich leise hinterher, nicht mehr so oft zu Besuch zu kommen. Oder eben nur noch, wenn Lucas bei seinen Großeltern ist. Dass Kinder eine Seltenheit geworden sind, „menschliche Trüffel“, die man mit der Lupe suchen gehen muss, dass sie es sind, die diese Gesellschaft jung halten können – nicht die Endlosjugendlichen, dass ihre Bedürfnisse und Qualitäten im Showlaufen der Elterngeneration untergehen – steht auf einem anderen Blatt.





Kommentare
unverbindlichkeit ist für eltern ein graus, wunderbar wenn einem jemand mal so aus der seele spricht.seeeeehr schöner text!
18.04.2007, 21:30 von miafia(sorry,falls das jetzt hier mehrmals gepostet wird,ich kann nix dafür...)
Du bist ordentlich emotional zur Zeit hab ich das Gefuehl.
16.03.2007, 08:32 von que_cheDu solltest Dich fragen warum die eine "passiv aggressiv", ergo introvertiert gewaltaetig ist und Augenzucken bekommt und wiederum eine andere zum Nichtraucherfaschisten "muttiert". Beides hat Gruende und man sollte darauf reagieren, denn so ist man von den gleichen Gewaltformen in den anderen Lebensfacetten nicht weit weg.
Doch Faschist ist hier etwas zu ueberzogen dargestellt.
Ich hoffe nicht das die Kinder das Nicht-zu-etwas-stehen, in dem fall dem Kind gegenueber, beigebracht wird. Waere schade und fatal
gruss que.
"Dass Kinder eine Seltenheit geworden sind, „menschliche Trüffel“, die man mit der Lupe suchen gehen muss, dass sie es sind, die diese Gesellschaft jung halten können – nicht die Endlosjugendlichen, dass ihre Bedürfnisse und Qualitäten im Showlaufen der Elterngeneration untergehen – steht auf einem anderen Blatt."
08.03.2007, 11:55 von freddieGenau, und ich kann dich nur ermuntern weiter zu schreiben, trotz Baby :-) oder kauf dir ein Diktaphon und sammle Gedanken..........
@freddie danke, ich werde weiter schreiben :)
08.03.2007, 13:31 von KaddinskyGenialer Artikel. War kurz davon, hier in meinem Büro aufzustehen und Beifall zu klatschen. =)
07.03.2007, 17:47 von MickeyWerte Kaddinsky,
07.03.2007, 02:42 von pliniusda ich bislang keine anderen Artikel von dir gelesen habe (angesichts der unüberschaubaren Menge lasse ich bei der Auswahl den Zufall walten), kann ich schwer beurteilen, ob er in deinem üblichen Stil verfasst ist, oder ob du dich bei der Behandlung des erwählten Themas spezifisch und also wahrhaftig derart ereiferst. Ersteres hielte für provokativ (was natürlich nicht unbedingt auch immer mit konstruktiv und hilfreich gleichzusetzen ist) und für schätzenswert (da ich glaube, meine Feder in ähnlicher Weise zu führen); Letzteres fände ich bedauerlich.
Mit meinen 32 Jahren zähle ich mich noch nicht zur älteren Generation. Dennoch blicke ich bereits auf einige Erlebnisse, auf einige Erfahrungen zurück. Als eine der bedeutsamsten ordne ich die Geburt meiner Tochter vor neun Jahren ein. Wie du leicht errechnen können wirst, war ich damals jünger, als du es heute bist und als es die Personengruppe (von Karriere-orientierten, lebenssüchtigen Akademikerfrischlingen, der du offenbar selbst angehörst) im Schnitt ist, der du unterstellst, sie sei mit der Aufzucht ihrer Brut überfordert. War ich es ebenfalls? Ich bin es noch.
Klar, ich hatte meine Disco-, Spaß- und Partyphase – und liebe es im Übrigen noch immer, gelegentlich das vor allem Techno-sensible Tanzbein zu schwingen. Bei der Geburt meines Kindes waren dahingehende Bedürfnisse aber bereits weitestgehend befriedigt. Ja, die Geburt. – Wenn ich höre, wie andere Väter unisono davon schwärmen, wie großartig, wie einzigartig und überwältigend dieses Ereignis für sie war, komme ich ins Grübeln, ob ich mir womöglich ein schlechtes Gewissen machen muss: Ich fühlte nämlich nichts (Erhebendes), als ich vom Parkplatz kommend, den Wochen vorher gepackten Not-Koffer unter dem Arm, in den Kreißsaal stürmte und Sekunden später einen deutlich erkennbaren – und gar nicht mal so abstoßenden (weil schleimfreien, übertragenen) - kleinen Menschen in den Armen hielt, den ich zuvor buchstäblich und höchstpersönlich (die Frauen scheinen Wert darauf zu legen – vermutlich, um uns Männer später ggf. leichter als Verursacher jedweden Übels, jedweder Disharmonie im Leben des Kindes brandmarken zu können) von seiner alten Existenz abgeschnitten hatte. Das Einzige, was mir in dem Moment durch den Kopf ging, war, welch große Verantwortung nun auf mir laste.
Die Unmengen von Zeitschriften, Magazinen, Büchern, Ratgebern, Studien und freundlich gesonnen Menschen, die alle präzise (doch voneinander erstaunlich divergierende) Auskunft darüber erteilen, wie bei der Erziehung am geeignetsten zu verfahren sei, habe ich (und haben wir) geflissentlich ignoriert. Da mag es also empirische Untersuchungen geben, die besagen, man schade dem Kind nicht, wenn man es Einjährig in fremde Obhut gebe. Mag wohl sein, dass es als Erwachsener denselben Beitrag zum Bruttosozialprodukt leistet wie seine Nesthocker-Kollegen. Dennoch hielten wir es für wichtig, unsere Tochter drei Jahre lang bei UNS zu behalten und sie erst nach dieser Zeit relativ selbständig, kommunikationsfähig, windellos und mit einem verfestigten Heimat- (i.e. Zuhause) und Familiensinn - also dem Wissen, gewollt, geliebt, willkommen zu sein - ausgestattet, mit der größeren Gemeinschaft vertraut zu machen. So nahe wie in diesem Lebensabschnitt waren wir uns nie wieder – und werden es wohl nicht mehr sein.
Von den unzähligen Auseinandersetzungen, die es in der Beziehung gab (und letztlich zu deren Bruch führten), möchte ich gar nicht sprechen. Sie verdeutlichen lediglich, dass es selbst auf der untersten Ebene des subsidiären Prinzips nicht zwangsläufig zur dialektischen Versöhnung unterschiedlicher Auffassungen kommen muss. Wie wenig können wir es da von den Mitgliedern politischer Ausschüsse oder anderen Gesellschaftsvertretern erwarten? Wir sollten es nicht. Die Entscheidung, einen Abkömmling in die Welt zu setzen, darf nicht von äußeren Einflüssen oder gar der momentan Popularität eines solchen Schrittes bestimmt werden. Das alles wären Ausflüchte oder Kompromisse. In Deutschland wird kein Kind verhungern (es sei denn, überforderte Eltern arbeiteten bewusst darauf hin); Karriereleitern stehen nicht unverrückbar an geheiligten, zölibatären Orten; in der Gesellschaft, bei abendlichen Vergnügungen müssen Alleinerziehende keinen Stern am Revers tragen; die Welt ist heute nicht gemeiner, böser, lebensfeindlicher, als sie es von jeher war: sie ist lediglich desinteressiert. Umso entscheidender ist der persönliche Wille, das eigene Potenzial: ob emotional oder intellektuell. Wer glaubt – nein, wer sich sicher ist, seinem Kind etwas Wertvolles, Erhaltens- und Liebenswertes mit auf den Weg geben zu können und die Welt dadurch - ungeachtet aller Unkenrufe - um einen lebensfreundlichen Menschen bereichern zu können, möge dieses Unternehmen wagen – und sich ja von niemandem davon abhalten lassen!
Kaddinsky, wenn ich auf deine persönliche Situation eingehen darf: Lass dich nicht deines Wesens berauben. Nicht von Meinungen, Medien, Fremden, Freunden, Verwandten, Eltern, Partnern – und insbesondere nicht von deinem Kind! Ihr seid Individuen: mit eigenen Empfindungen, Wünschen, Trieben, Hoffnungen, Ängsten, Eigenschaften, Fertigkeiten, Stärken und Schwächen. Niemand darf glauben, den anderen wirklich zu kennen, in seinem Namen zu handeln. Handle in deinem! Tu, was du für richtig hältst, weil du es für richtig hältst – nicht weil du meinst, dein Kind könne es wollen. Handle in Eigenverantwortung, mit Rücksichtnahme auf deine Interessen! Ihr werdet euch später keine wechselseitigen Vorwürfe machen müssen. Respektiere die Eigenständigkeit auch der Allerjüngsten. Begib dich auf ihre Ebene. Nimm sie ernst! Nimm sie nicht in Besitz. Mach sie nicht abhängig. Vertrau ihnen, und sie werden dir vertrauen. Bürde ihnen keine Partnerrolle auf. Und mach dir stets bewusst, du definierst dich nicht allein über dein Kind!
Große Worte von einem, der eingesteht, als Vater ungeeignet zu sein. Und warum? Wenn ich alles auf die konterkarierende Mütter schöbe, wäre das vermutlich zu einfach, oder? Nein, tatsächlich bin ich wohl eine jener unglückseligen Kreaturen, die ihre Autonomie für so unantastbar, für so unveränderlich halten, dass sie de facto in einer diogenischen Tonne leben müssten, um ihrem Ideal zu genügen. Doch das ist ein separater Artikel.
Ach, aber wenn mir doch noch ein Wort zum Faschismus erlaubt ist? Jede Form eines Dogmatismus, der Andersartigkeit verurteilt, unterdrückt und bekämpft, ist stets Ursache von Unzufriedenheit und Leid. Wahre Freiheit erlangt man erst durch Toleranz des eigentlich Unerträglichen. Dann gäbe es auch keinen Grund mehr, zwischen Rauchern/Nichtrauchern, Eltern/Kinderlosen, Jungen/Alten, Linken/Rechten, Schwarz/Weiß, Schwarz/Rot, Gold/Gelb, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu müssen: Alles wäre Eins.
@plinius hallo plinius,
07.03.2007, 16:21 von Kaddinskywow, was für ein langer Kommentar. Aber ich werde trotzdem versuchen, mich kurz zu fassen. Zu deiner Eingangsfrage: der Text ist schon als Provokation gemeint.
Jegliche Urteile, welcher Gruppe von Menschen ich deiner Meinung nach angehöre, sind wohl etwas vermessen. Auch glaube ich weniger, dass du aus dem Artikel meine persönliche Situation beurteilen kannst, oder mein Wesen oder sonst etwas... es sei denn, du bist Hellseher.
ich unterstelle niemandem, er sei mit der Aufzucht seiner Brut überfordert, auch brauche ich keine Ratschläge, wie ich die meine aufzuziehen habe - nicht böse gemeint.
Vielleicht interpretierst du ein bisschen viel in den Artikel hinein (und in mich). Andere haben schon ganz richtig erkannt: er ist überspitzt, bissig. Natürlich soll er auf bestehende Konflikte aufmerksam machen. Er stellt Fragen, die er nicht beantworten kann...
nun, er scheint dich animiert zu haben, dir so einiges von der Seele zu schreiben und das ist okay, vielleicht gut und wichtig für dich. Verzeih aber, dass ich mich nicht wirklich angesprochen fühle bei vielem, was du sagst.
@Kaddinsky Entschuldige, Kaddinsky, aber dein Artikel sowie die nachfolgenden Kommentare geben dem Leser nicht nur Raum für Spekulation und Auspizium, sondern sie enthalten konkrete Informationen: wie beispielsweise die deiner Schwangerschaft, deiner momentanen Neigung zum Fencheltee-Trinken oder eben deiner Empfindlichkeit gegenüber Rat spendenden Gutmenschen, vor denen ja auch ich dich gewarnt habe. ;-) Ich gebe zu, den Akademikergrad erahne ich nur hinter deiner Intellektualität – dass sich die jungen Studienabsolventen aber u.U. selbst nicht für reif genug für Kind „und die ganze Verantwortung“ hielten, war deine Aussage. Vor diesem Hintergrund und eingedenk der „besonderen Umstände“ (welch ein Unwort eigentlich, oder?), in denen du dich zur Zeit befindest, hatte ich einfach den Eindruck, du schreibest nicht ausschließlich, um mit einem provokativen Text zu unterhalten, sondern auch aus persönlichen Gründen – ähnlichen vielleicht, wie du sie mir unterstellst. Wenn jemand die Gespaltenheit der Gesellschaft (die ich übrigens nicht erlebe)- wie hier in Familienfragen - beklagt, kann ich nicht glauben, er fühle sich davon nicht betroffen. - Doch niemals erlaubte ich mir, einen Menschen zu kategorisieren oder zu behaupten, ich kenne sein Wesen. Ich dachte, soviel wäre in meinem Kommentar deutlich geworden. Ich beobachte, nehme wahr und reflektiere dieses auf seinen Ursprung zurück. Falls du das für illegitim hältst, sollest du dich womöglich nicht mit so sensiblen Themen auf öffentlichen Foren exponieren, die gegenüber herkömmlichen unilateralen Medien doch gerade den Vorteil und Anreiz bieten, sich mit echten Menschen über Aktualitäten und Erlebtes auszutauschen und nicht lediglich Politikerzitate und Forschungsergebnisse in Monologform als vorgekaute Schonkost vorgesetzt zu bekommen. Wollte ich das, könnte ich ebenso gut den Fernseher einschalten. Jedenfalls versichere ich dir, Kaddinsky, dass ich dich mit meinen Äußerungen weder kränken noch belehren wollte. Betrachte sie einfach wie eine Tüte „Haribo-Colorado“, aus der sich jeder das herauspicken kann, was er begehrt. Und wer nichts begehrt, ist ohnehin glücklich. ;-)
08.03.2007, 00:02 von pliniusDa isses wieder: Kaddinsky pur! ;-)
05.03.2007, 20:09 von LudwigMartinLebensnahe Beispiele, schöne Spitzen - aber auf Grundlage glaubhafter Beobachtungen.
Sehr schönes Wort "Passiv-Aggresivistan"
Und ein Zusammenhang, dessen Beobachtung ich teile: Die Berührung der Themen Kinder, Rauchen und Spaß.
Denn das Kinder cool sein können, nimmt man vielleicht Franzosen und Italienern ab, aber nicht den Deutschen. Das überlagert sich durchaus mit der Raucher-Debatte, denn nichts ist in öffentlichen Räumen und Gaststätten und Einrichtungen kinderfeindlicher als das Rauchen.
Vielen fehlt heute die Erfahrung, daß ein Verzicht auf Privilegien (wie das der totalen Unverbindlichkeit) Freude und Spaß nicht ausschließt.
Wer kann uns diese Erfahrung noch zugänglich machen, wenn nicht Kinder?
Müssen nicht mal die eigenen sein.