Frau-brandt 30.11.-0001, 00:00 Uhr 27 10

Jetzt bin ich arbeitslos

Ich werde nicht jammern.

Ich bin zwischen den Jahren stecken geblieben. Im Dezember noch war ich gestresster und unbezahlter Praktikant der, nach eigener Aussage, größten Zeitung Berlins. Heute in der ersten Januarwoche bin ich zu Hause und erkenne wie lange ein Tag ist.

Ich frühstücke nur spärlich, denn jeder weiß, dass alleine frühstücken dick macht. Außerdem werde ich den ganzen Tag über essen, Tee kochen, aus dem dreckigen Fenster starren und mich doch nicht aufraffen, es endlich zu putzen. Ich werde zum Sportstudio gegenüber gehen, mich von MTV Clips betäuben lassen und wenigstens meine Körperteile bewegen, wenn schon nicht den Kopf.

Mindestens zwei Bewerbungen am Tag will ich schreiben. Und gestern, als die liebsten Freunde die Küche bevölkerten, erschien mir das auch nicht schwierig. Heute aber, in einer stummern Wohnung in der nur der Weihnachtsbaum glänzt, ist es unmöglich. Stattdessen habe ich alle meine Artikel säuberlich aufgeklebt, es sind 12 in zwei Monaten gewesen. Ein guter Schnitt. Aber sie sind alt und ich möchte neue schreiben.

Heute ist Freitag, mein Held wird sich auf sein Ross schwingen und aus der Stadt an der Elbe zu mir eilen. Er ist sehr fleißig dort an der Elbe, hat viel zu tun. Wir führen eine Fernbeziehung, auch wenn er da ist in letzter Zeit. Ich habe mich eingeigelt, komme nicht raus aus dieser Höhle, die Selbstmitleid und Zukunftsangst heißt. Jeder muss seinen Platz finden, ich fühle mich an meinem Platz nicht wohl. Ich möchte an einen anderen Platz gehen.

Wochenenden sind für Singles die Hölle, man hört vom berüchtigten Sonntagmorgen, für Arbeitslose sind sie ein Paradies. Alle anderen haben auch nichts zu tun, sie ruhen sich aus, unternehmen schöne Dinge, frühstücken gemeinsam. Sie haben sich das kurze Durchschnaufen verdient. Ich nicht. Ich habe die ganze Woche durchgeschnauft.

Deswegen verfalle ich am Wochenende in einen unangenehmen Aktionismus, diese zwei Tage müssen mich fit für die nächste Woche machen. Sie müssen mir das Gefühl geben, dass ich etwas kann, dass ich wer bin, dass mich wer will, und dass das was ich tue, gut genug ist.

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27 Antworten

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    Wisst Ihr, das ist sehr grandios zu sehen, wie viele irgendwie an dem Thema knabbern, wie viele es sind die gute Ideen haben, und der Unbekannten Mut machen.
    Wir fassen zusammen: Arbeit ist Scheiße, weil keine Zeit bleibt, keine Arbeit ist Scheiße weil zuviel Zeit bleibt, dazwischen ist es manchmal gut. Manchmal aber auch sehr schlecht.
    Ach Jott, jeden Tag issset anders, auch gut - manchmal. Danke für die guten Wünsche, ich wünsch zurück - für alle die's grad besonders brauchen.
    Sehr Liebe Grüße an alle Arbeitslosen : ) La Hilde.

    08.01.2007, 19:13 von Frau-brandt
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    Der Text spricht mir aus der Seele.
    Auch ich wünsche Dir viel Glück und eine erfolgreiche Suche.

    08.01.2007, 19:03 von Individualistin
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    Hallo,
    ich bin auch arbeitslos, seit sep. letzten Jahres und ich kenne das Gefühl, nichts mit sich anfangen zu können. Das schlimmste ist, dass man nicht weiß wann es zu Ende ist, wie bei urlaub oder ferien. Nebejobs sind ja schön und gut, aber die muss man auch erstmal finden, vor allem, wenn man nicht in der großen Stadt wohnt. Ich will Gärtnerin werden, und da ist es echt schwierig mit abi was zu finden und praktika kann man sich den winter über schon mal komplett abschminken, also bleibt nur Bewerbungen schreiben und hoffen und natürlich bei Vater Staat um Geld betteln. Aber es wird auch wieder besser, hoffe ich. Viel Glück bei der Jobsuche

    08.01.2007, 15:43 von Merli
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    Zu den Leistungen vom Arbeitsamt: Für jede nachweislich abgeschickte Bewerbung erhält man 5 Euro für den Aufwand (Porto, Bewerbungsbilder, Mappen etc.). Man muß halt mit Kopien belegen, daß sie auch abgeschickt wurden.
    Wichtig: Auch für Bewerbungen per Mail gibt es 5 Euro. Also Mail samt abgeschicktem Anhang beim AA vorlegen. Das reicht für die Erstattung.
    Es gibt zwar eine Grenze für diese Erstattungen, die ich gerade nicht weiß, aber die erfährt man auch dort. Auf jeden Fall muß man für das Erreichen des Limits so einige Bewerbungen schreiben.

    Viel Erfolg bei der Jobsuche!

    08.01.2007, 13:20 von Lotus
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    Das schlimmste ist, wenn leute den Mut verlieren und zu früh aufgeben. Du packst das schon, braucht alles seine Zeit, aber wenn du ans Schicksaal glaubst, wird das schon.
    Viel glück

    08.01.2007, 10:46 von StilleQuelle
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    ich habe grade mein studium abgeschlossen, d.h. warte noch auf mein ergebnis, bin in der zwischenzeit schonmal zu meinem freund gezogen, da ich optimistisch bin, in dieser gegend einen job zu finden, werde ab morgen bis sonntag für meinen alten studijob-arbeitgeber auf ne messe fahren und mich ab danach dann mal in ruhe um nen job kümmern (am besten erstmal nebenjob, um was zum haushalt beisteuern zu können und dann neben dem nebenjob nen richtigen job suchen).
    die neverending-praktikum-story würde ich gerne vermeiden.
    man könne also durch aus sagen, dass ich zurzeit auch sowas wie arbeitslos bin. aber das tut grad mal richtig gut nach der diplomarbeit. bin auch schon ganz gespannt, was mir bei der jobsuche über den weg laufen wird und freue mich, ansonsten endlich mal ganz viel lesen zu können, kontakte zu pflegen etc.
    also zusammenfassend: ich freu mich über diese umbruchphase, da ich mal zeit für mich habe und ganz viel erledigen kann, was ich schon lange vor mir herschiebe!

    08.01.2007, 10:39 von Frene
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    ich hab in der woche vor weihnachten die kündigung in die hand gedrückt bekommen. ohne richtigen grund. zuerst war ich absolut geschockt und hatte mich damit abgefunden. jetzt werd ich klagen.

    ansonsten grauts mir auch schon vor den nächsten wochen und monaten (bin bis 31.3. beurlaubt). ich hatte das schon ein paar mal inzwischen, und mich kotzt es immer an :( insofern verstehe ich dich wirklich gut.

    07.01.2007, 23:13 von jacksgirl
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    Ich kann dir schmerzlich nachfühlen! Ichhabe den ganzen "Spaß" über ein Jahr mitgemacht...
    und ich kann dir nur sagen, eine Weile einigeln muss vermutlich sein! ABER laß es nicht zu lange werden, irgendwann mußt du raus unter Leute, es ist gerade heute (eigentlich leider) keine Schande, aber eine große Scheisse keinen Job zu haben!
    Wenn die Trauer- und Selbstmitleidphase durch ist, bekommst du von selbst oder durch Freunde Arschtritte (entschuldige die explizite Ausdrucksweise) und dann hängst du dich rein und - auch wenn das eine eile dauern KANN nicht muss - irgendwann gehts wieder los!
    Also laß dich ruhig eine Weile hängen, nur dann raff dich auf und los!

    Ich drück dich! Du bist wichtig, gut, klasse und es gibt viele, die dich brauchen!
    Liebe Grüße Uli

    07.01.2007, 23:11 von lucky_uli
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    Geht mir fast jedesmal so wenn ich Ferien habe - ich dein Gefühl also nachvollziehen. Aber Angst davor nichts zu können musst du nicht haben. Das hast du mit diesem Artikel bewiesen!
    Schönen Gruß und viel Glück bei der Jobsuche!

    07.01.2007, 22:54 von Don-negro
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    Sorry aber Du hast jetzt zu tun:

    Schritt 1 Kohle sichern
    Arbeitslos melden so schnell wie möglich um Sperrfristen zu vermeiden ,Wohngeld, Sozialgeld beantragen Achtzung vorher Bedingungen lesen und dann Angaben machen. GEZ Befreiung prüfen
    Tafel anmelden..... Das geld was Du jetzt hast ist schneller weg als Du denkst
    KRANKENKASSE unbedingt über AA ist sonst sehr teuer aber lieber selbstbezahlen als gar nicht
    Und Arbeitslosenforen lesen und informieren!!!!

    Schritt 2
    Mach was Dir Spass macht. ZB steuerfrei Nachhilfe geben als Volunter Artikel schreiben

    Schritt 3
    Kohle für Kopien für Bewerbungsmappe ausgeben
    Neue Fotos vom Profifotographgen
    Briefumschläge kaufen kurz dein Bewerberbüro aufbauen vielleicht neunen Drucker mit Scanner kaufen
    Ist die Kohle sehr knapp kannst Du bei AA Zuschüsse für diese Sachen VORHER beantragen

    Schritt 4 intelligent Sparen
    Tafel ausfindig machen
    billige Studentenkneipen mit Nachschlag oder unimensa suchen
    Zeit zum Smartshoppen nutzen
    Netzwerk für Fahrgemeinschaft etc aufbauen
    und wichtig AUSGEHEN !!! Ohne Vitamin B läuftz heutzutage nix mehr. Es ist wahrscheinlicher nachts in einer Kneipe einen Job zu kriegen als mit 50 Anschreiben am Tage!


    07.01.2007, 22:43 von ulf
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      @ulf Ausgehen, wenn man kaum Geld für Essen hat? Ich frage mich wie man so Menschen treffen kann die einem was vermitteln. Und das ist nicht sarkastisch gemeint - könntest du das mal erläutern?

      08.01.2007, 02:59 von Frederik_Jurk
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      @Frederik_Jurk total witzig. Mir wurde mein Mini-job als Kellner am Montag letzter Woche gekündigt. Letzten Freitag wurde ich von der Konkurenzfirma eingeladen zu einem Vorstellungsgespräch. Wenn alles gut geht habe ich diese Woche schon meinen nächsten Arbeitsvertrag in der Tasche. Aber alles nur, weil mein Mitbewohner in der Konkurrenzfirma arbeitet - das nenne ich Vitamin B

      16.02.2009, 12:11 von psycheplayer
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