federflaum 23.11.2013, 16:31 Uhr 8 7

Im Wartesaal unseres Lebens…..

Wir verwarten das Leben!

Wir sitzen im Wartesaal des Lebens und hoffen auf den grossen Knall. Wir wollen, dass was passiert, weil einfach was passieren muss. Wir warten auf bessere Zeiten, auf den Prinzen mit dem weissen Pferd, auf die Chance unseres Lebens, die Glückssträhne, darauf, dass alles besser kommt als vermutet. Wir stecken unseren ganzen Lebenswillen in die Hoffnung, dass die Tür zu unserem Zimmer aufgeht.  Wir sind nervös und angespannt, haben uns zurecht gemacht, den es könnte ja sein, dass die Chance plötzlich im Türrahmen steht und sagt: „Hier bin ich!“, uns an der Hand nimmt und aus dem Zimmer zieht, in dem wir uns schon so lange befinden. Es ist die Vorstellung dieses Moments, die uns warten lässt. Auch wenn die Lektüre noch so schlecht ist, die Bilder zu grell und zu kitschig, das Licht zu unangenehm und das Gegenüber zu verbittert,  in unserer Phantasie vom Leben ausserhalb des Wartens wird dieses Durchhalten belohnt. Also trinken wir uns das öde Zimmer schön, warten weiter und sagen uns, dass es dies wert sein muss und dass nach allem Leiden eine Erlösung kommt. Wir reden uns ein, dass es so sein sollte denn links und rechts sitzen andere, denen es genau so geht. Und wenn einer dieser aufsteht, gerufen wird und raus geht, raus aus dem Warten, raus aus dem Zimmer, dann gucken wir ihm neidisch hinterher und beruhigen uns damit, dass wir sicher die nächsten sind.

Wenn wir ehrlich wären würden wir uns eingestehen, dass wir uns schon lange an dieses Leben gewöhnt haben, dass wir es uns hier schon gemütlich gemacht haben und es ignorieren, dass es eigentlich so viel besser sein könnte, wenn wir uns selber aufraffen würden. Wir könnten einfach aufstehen, raus aus dem Raum gehen selber was aus dem Leben machen. Doch wir sind zu eitel und zu träge dafür, wollen gerne glauben, dass das Glück zu uns kommt und warten weiter, während draussen vor dem Fenster das Leben vorbeizieht.

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8 Antworten

Kommentare

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    • 0

      Danke schön :)

      Ich als Bernerin kenne den Roman (so zu sagen Pflichtlektüre des Schauplatzes wegen) und liebe ihn genau deswegen, weil er zeigt, dass man manchmal einfach die Chance am Schopf packen kann und den gängigen Weg verlassen kann.

      11.08.2014, 23:07 von federflaum
  • 1

    Stufe Eins zur selbstgerechten Verbitterung. Wirf doch mal paar Steine in deinem Kerker aus Glas, dann kommt frische Luft rein.

    12.04.2014, 11:39 von LifeInANick
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  • 2

    Gefällt mir gut. Kann die Situation, dieses Beklemmende, gut nachvollziehen. Alles schon erlebt, wenn man das so sagen kann.
    Einfach mal aufstehen und ausbrechen, einfach mal was versuchen. Selbst wenn das Probierte dann Mist ist, ist es trotzdem gut...

    11.01.2014, 13:08 von DerWesir
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    Irgendwie klingt es wie ein bockiger Text.

    Und doch finde ich, dass ich viele Wahrheiten finde.

    Und dann, so gegen Ende, denk ich mir, dass das so nicht auf alle zutrifft. 

    Aber ich mag die bockige Schreibweise, die irgendwie frustriert klingt. 

    21.12.2013, 23:20 von paint.pastel.princess
    • 0

      Danke für die Rückmeldung  :)

      Nein klar trifft das ganz und gar nicht auf alle zu. "Wir" ist hier wahrscheinlich eine zu radikale Verallgemeinerung. Aber ich muss sagen, ich beobachte so was schon recht oft in meinem Umfeld.



      22.12.2013, 19:57 von federflaum
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