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MisterGambit 25.06.2013, 18:10 Uhr 25 45

Ich wünsche mir, wie der Sheriff zu sein... und für die Damen: The Doors

Lass es mich erklären, damit du es verstehst.

Wenn du mich fragst, was ich denke und was ich mir wünsche und wieso das Ganze, dann kann ich Dir nicht antworten, ohne Dir zuerst zu erklären wieso.

Also lass mich anfangen, wie es angefangen hat: An einem Sonntagabend.

Die Sonne war gerade untergegangen, die Außenbeleuchtung der Kneipe strahlte, durch die Fenster fiel das Licht auf die Straße, die meisten Gäste waren gegangen, es lief leichter House aus den Boxen, das dritte Bier floss - da stand er in der Tür. Großgewachsen, aufrecht, ein strenger Blick, der den Raum absuchte wie das Auge Saurons. Er sah interessant aus, mysteriös, erhaben, spannend, wie eine Mischung aus dem Zauberer Rumburak, Volker Pispers und Severus Snape - die Augen durchdringend, das Lächeln mild. Ich fragte mich, wer dieser Mann war, was dieser Mann wollte, woher er kam, was er sonst so tat und was gerade jetzt. Und ich hätte es wissen können, der Mann wollte wahrscheinlich Bier und Gesellschaft, aber er wäre nicht der Mann gewesen, der er ist, wenn er uns nicht mit einer Frage begrüßte, die da lautete: „Haben Sie auch gerade die Pink Floyd Dokumentation auf Arte gesehen?“, worauf hin wir im Chor den Kopf schüttelten und er entgegnete „Dann sind sie also unverwöhnt. Wie Schade! Nun denn…“. Er schritt an die Theke, hob seine Stimme, senkte seinen Kopf „Eeeein Hamburger Gedeck, bidde! Und was du trinkst!“. Der Korn wurde bereit gestellt, das Astra geöffnet, er nickte zufrieden, bis er den Genever sah. „Ja, ja, wer Sorgen hat, hat auch Likör!“

Zehn Minuten zog er unser aller Aufmerksamkeit auf sich, wenn er Kunstgeschichte, Musikgeschichte oder Tagespolitik anschnitt wie ein Tortenmeister, uns die Stücke um die Ohren flitschte, lachte und zum nächsten Thema ging. Wir waren fasziniert, wir hingen an seinen Lippen, aus denen kleine Seitenhiebe sprangen und bonmottierte Allgemeinplätze.

Dann ging er, wie er gekommen war, nachdem er jedem einzeln die Hand väterlich schüttelte.

Ich konnte keine Ruhe finden. „Leck mich am Arsch, wer war das denn?“, fragte ich in die Runde und bekam weitere Geschichten serviert: Wie er abends in einer anderen Kneipe auftaucht, sich aufrecht an den Tresen stellt, sich langsam umsieht, erkennt, dass nur zwei junge Studentinnen die Theke mit ihm teilen, seine Stimme hebt und sagt „Maestro, ich nehme ein kleines Kilkenny... und für die Damen The Doors.“

Das ist unser Kleinstadtbatman, der einsame Wächter, eine abgefotzte Mischung aus Oberstudienrat und Clint Eastwood. Wann immer irgendwo eine letzte Runde läutet, die Gesprächsthemen abflachen, taucht er wie der fliegende Holländer aus dem Nebel auf, bestellt sich einen Korn oder Wacholder und wiegt unsere Seelen für den Heimweg. Der Lehrer, den wir alle immer wollten und nicht bekamen, der Generationen im Alleingang durchs Abi gezogen hat, der Rebel with a thousand causes. Er konnte in einem Schloss auf dem Hügel leben, den es nicht gibt, oder in einem Sechziger-Jahre-Trailer, mühsam auf Hightech gezogen, einem Loft aus millionen Schallplatten gebaut.

Sie sagten, er sei Fensterputzer und bekannt unter dem Namen „der Sheriff“. „Der Sheriff also, unser Fensterputzer, der den Durchblick hat“, was sonst, dachte ich und stellte mir vor, wie mit einer magischen Handbewegungen ganze Fassaden auf Links wischt, während aus seinem Transporter laut „Gustav Mahler, interpretiert von Kraftwerk“ dröhnt.

Es spielt keine Rolle, was von dem stimmt, was ich über den Sheriff denke, erzähle oder weiß. Es reicht, dass er mich  genau das lässt - erzählen, träumen, aufhorchen. Dass er mich begeistert. Mir die Angst nimmt vorm Älter werden. Denn irgendwann geh ich auch an die abendlichen Theken, verwöhnt von irgendeiner Doku auf Arte, trinke mein Hamburger Gedeck und lass die Menschen zuhören. Also wenn du mich fragst, was ich gerade denke, was ich mir wünsche – ich wünsch mir das hier:

Mal ab und zu ein Sheriff sein, ein Batman der Kleinstadt, ein Fensterputzer der Herzen. Und für die Damen: The Doors.









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25 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Hey, den mag ich!

    01.07.2013, 18:03 von Wortbegehrerin
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  • 0

    The Doors.
    Inbetween.
    *zwischhauch*

    30.06.2013, 21:07 von JackBlack
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  • 1

    Es wär schön gewesen ein Bonmot von ihm zu kennen.
    Diese und andere Trink(er)sprüche hab ich von Volker Pispers-Alkis schon oft gehört und auch das drumherum kommt mir so vertraut vor (Großeltern haben ne Kneipe) - aber so Originale kommen mir nicht so richtig cool Sheriffmäßig rüber.
    Aber ich bin sicher, dass dein Sheriff ein cooler Hund sein muss - ansonsten hättste bestümmt keinen Artikel geschriebn.

    Ich glaub manche Sachen, Leute kann man nicht adäquat beschreiben - die muss man erleben.
    Wie den Kleinstadt-Batman.

    27.06.2013, 00:30 von Dalek
    • 0

      Ich meinte ein Bonmot das nicht als Eröffnungscherz dient.*

      27.06.2013, 00:35 von Dalek
    • 0



      Ich hatte das Kneipenquiz ein Jahr geschmissen und dann die Führung abgegeben, weil mir keine Fragen mehr eingefallen sind. Ich bekam zum Abschluss so ein Lebkuchenherz, auf dem "Schnucki" stand.

      Er tauchte natürlich kurz nach dem Quiz auf, sieht mich an, fragt "Ach, Sie tragen ein Herz, auf dem Sulki steht. Haben Sie eine Sulki in Ihrer Garage?"

      "Nein. Auf dem Herz steht eigentlich Schnucki... Was ist eine Sulki?" 
      -(an dieser Stelle erklärt er mir die Sulki inkl. historischer Details, die ich nicht zusammen kriege)
      Aber da steht ja Schnucki... das ist ja entzückend. Wissen Sie, wenn ich 70 wäre, würde ich sicher auf mit einem Lebkuchenherz um den Hals herkommen, nun bin ich aber leider erst 60."

      27.06.2013, 00:42 von MisterGambit
    • 1

      Erstmal: Danke. (du schläfst wohl auch nie, was?)

      Und ja, Mischung aus Oberstudienrat und Eastwood ist wohl ganz zutreffend.

      27.06.2013, 00:47 von Dalek
    • 0

      Ist eine Sulki so ein Zweispänner für Pferde?

      27.06.2013, 00:50 von Dalek
    • 0

      korrekt

      27.06.2013, 00:54 von MisterGambit
    • 0

      Bevor hier einer klugscheißt - Nein, Gambit!
      Es ist ein Einspänner... (ich hab nur ein Bild mit zwei Sitzplätzen gesehen und in meinem Gehirn haben sich zwei Drähte versehentlich berührt)

      27.06.2013, 00:59 von Dalek
    • 0

      Ja, ich hab mir nur Wagen mit Pferden gemerkt, ist auch schon 7 Monate her :D


      Danke, dass du das richtigstellst :D

      27.06.2013, 01:06 von MisterGambit
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  • 2

    Ich weiß nicht genau, wieso, aber erinnert mich stark an "The Big Lebowski" und den Erzähler am Tresen.

    26.06.2013, 22:12 von Freulein_Taktlos
    • 1

      Hatte ich auch im Kopf!

      26.06.2013, 22:40 von bozton
    • 0

      aber den sheriff gibts halt wirklich. er ist 61, glaub ich.

      26.06.2013, 22:58 von MisterGambit
    • 1

      Ich hab auch nie an ihm gezweifelt ;)

      26.06.2013, 22:59 von Freulein_Taktlos
    • 1

      der dude macht das

      05.07.2013, 08:39 von RAZim
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  • 2

    Text groß, Musiklink groß, Profilbild furchtbar.

    26.06.2013, 21:27 von Fieseise
    • 0

      ich hab ein weniger uterales gefunden

      26.06.2013, 21:49 von MisterGambit
    • 0

      Und ein weniger verpykeseltes.

      26.06.2013, 21:53 von Fieseise
    • 0

      ich verpiksel dich gleich!

      26.06.2013, 21:56 von MisterGambit
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  • 2

    Hurra Hurra, ein Text über mich!

    26.06.2013, 17:27 von Boahmaschine
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  • 0

    Der Typ scheint ein unerträglich aalglatter Schwätzer zu sein.

     

    Deine Beschreibung ist ganz cool, die Sprüche aber....neee.

    26.06.2013, 11:02 von Pixie_Destructo
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Irgendwie gefällt mir der Text, auch wenn er ein bisschen prätentiös ist.

    25.06.2013, 18:49 von EliasRafael
    • 0

      Ja... den Sheriff gibt es wirklich und er ist auch so ein prätentiöser Typ. Da bin ich dem Ganzen wohl verfallen im Versuch einer Hommage.

      25.06.2013, 18:50 von MisterGambit
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