Ich will dich nicht als Freund.
Ich war dich schon mal los. Und habe dich erst geliebt, dann gehasst und später ignoriert. Jetzt bist du wieder da. Aber noch nicht ganz...Leider.
Wieder habe ich mir eine Auszeit von dir verordnet. Weil ich das jetzt schon nur noch „Auszeit“ nenne, weiß ich, dass es wieder kein „Schluss-Aus-Ende“ wird. Wie lange schaffe ich es diesmal, frei von dir zu sein? Ein paar Tage? Eine Woche? Du wirst es gar nicht merken.
Daran erkenne ich immer wieder schmerzhaft, dass es dir eigentlich egal ist, was ich mache.
Ich war dich schon mal los. Und habe dich erst geliebt, dann gehasst und später ignoriert. Dich gab es schon mal nicht mehr in meinem Leben, in meinen Konstrukten, wie mein Leben denn aussehen könnte, damit ich es „schön“ nennen könnte.
Und das Schlimme daran: DU hast dich wieder in mein Leben gedrängt. Einfach so, im Internet, beiläufig sollte es aussehen, du Feigling. Das war vor einem Jahr.
Wir haben wieder angefangen, als wenn nichts gewesen wäre. Freunde waren wir auf einmal. Aber immer wieder unterschwellig dieses „irgendwie mag ich dich doch mehr“. Ganz langsam kam es wieder.
Ich hab mich selbst schon für bescheuert gehalten, schließlich haben wir nur gechattet und Mails geschrieben. Treffen haben wir zwar immer wieder geplant, aber immer wieder verschoben. Dabei warst du so gutherzig. Wie oft hab ich dich versetzt? Ich glaube schon, dass du manchmal auch gemerkt hast, dass ich nach Ausreden suche. Ich wusste, wenn ich diesen einen Samstag abgesagt hätte, hätten wir nie wieder Kontakt gehabt, für mich war das ein entscheidender Punkt. Aber ich war zu neugierig.
Ich hatte aber auch Angst, dass mein Idealbild von dir an diesem Abend zerbricht. Aber ich habe gemerkt, dass es kein Bild ist, sondern eher ein Puzzle und die Teile, die ich schon kenne, richtig zu sein scheinen. Nur ein entscheidendes Stück fehlt: Warum bist du so zu mir? Das ist die Zeile, die ich zu allererst fertig puzzeln möchte. Aber ich habe noch nicht mal eine leise Ahnung, wie diese aussehen soll – also kann ich sie auch nicht puzzeln.
Gibst mir heute das Gefühl, dass du mich magst und wir da etwas versuchen sollten, ist dann morgen alles vergessen und du bist nur der S., zu dem ich aufschauen darf. Zwar hast du mir dieses Gefühl nie gegeben – vielmehr habe ich es mir genommen. Du bist so beliebt, erfolgreich und ich nur dein „Groupie“. Zwar ist das immer nur ein Witz, wenn wir so reden, aber im Prinzip bin ich es doch. Du erzählst mir von deinem Leben und ich höre anerkennend zu. Es ist mir ein Rätsel: so wie du will, aber kann ich nicht leben. Ich bin ein ganz anderer Typ Mensch. Aber vielleicht ist es gerade das, was es so schwer macht.
Es war wundervoll dich dann endlich nach über einem Jahr wieder zu sehen. Und es war, als wären als diese geschriebenen Worte zwischen uns wirklich gefallen. Alles so vertraut irgendwie. Ich war mir so sicher. Ich war so glücklich an diesem Abend. Und an den Tagen danach. Ich war im Urlaub und habe mich so gefreut auf unser nächstes Treffen, ja sogar schon auf unseren ersten Kuss. Ich weiß nicht, ob ich verliebt war.
Wir kennen uns schon lange genug, um zu wissen, dass es passen könnte, wir aber nie ein Paar werden. Zumindest denke ich so. Was du über „uns“ denkst - falls es das „uns“ bei dir, wenn überhaupt, dann auch nur im Entferntesten Theoretischen, gibt - weiß ich nicht.
Wie werde ich dich bloß los? Du machst mich kaputt. Dabei will ich gar nicht aufhören an dich zu denken. Du bist mein Vertrauter. Ich würde dir alles erzählen, wenn du es nur hören willst.
Ich hasse mich dafür, dass ich uns keine Chance gegeben habe, als wir Zeit hatten. Ich weiß, dass ich damals daran schuld war. Ich habe dir gesagt, weil ich Angst hatte, halte ich mich zurück. Ich hätte „habe“ sagen sollen. Überhaupt muss ich dir, glaube ich, alles sehr wörtlich, sehr genau sagen, weil du es vielleicht sonst nicht verstehen willst. Junge, das war ein Hilfeschrei! Wenn ich vor dir stehe, erschrecke ich zwar wie stark ich aussehe, aber innerlich bin ich so schwach wie sonst nirgends. Du könntest mit mir machen, was du willst. Ich bin die Unsicherheit in Person.
Jetzt liegen hunderte Kilometer zwischen uns. Und wenn du doch mal hier bist, bist du meist das ganze Wochenende ausgeplant. Und das Schlimme daran: Es tut dir noch nicht mal leid. Du merkst nicht mal, dass ich meine Wochenenden nach dir plane. Du willst es gar nicht wissen. Du hast mal gesagt, „ich bin froh, wenn ich bis morgen planen kann“. Das glaube ich dir auch. Vielleicht kommst du auch deshalb nicht zu Potte, weil du dich dann mal für längere Zeit verplanen müsstest. Wann hab ich mal eine Entscheidung von dir?
Ich hasse es, dass du nur so tust als wären wir nur Freunde, sag doch einfach mal was Sache ist.
Du bist der, der sich, wenn dann nur allein an einem nicht öffentlichen Ort mit mir treffen will. Und dann dort doch wieder „nur“ Freund ist.
Das alles glaube ich nicht mehr.
Das alles macht mich alle. Ich habe keine Kraft mehr.
Ich will doch nur wissen, was du über all das denkst.
Während ich das so geschrieben habe, habe ich dich wieder mal gefragt, im Chat, ganz live. Ich habe Angst, die Antwort zu lesen.
Ich werde heute oder morgen ganz viel Wein trinken und dir einfach den Link hier her schicken.
Du lachst? Du hälst mich für verrückt? Super, das habe ich dir doch schon immer gesagt! Wie lange brauchst du um zu mir zu kommen?


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