Ich hätte gern mal kein Kind
Früher habe ich mir auch Kinder gewünscht, sogar ganze drei. Da war ich zehn. Aber da wollte ich nur prahlen.
Große neugierige Augen, kleine, leichte speckige Körper, grobmotorische, winzige Hände. Süß anzuschauen. "Magste mal halten?" - "Ja, klar" - "Aber vorsichtig!" - "Mh." Dann hält man das kleine Leben in den Armen. Ja, nicht fallen lassen, Kopf halten. Es zappelt, schreit. "Oh" - "Ist ja guuuut". Besorgte Mütter entreißen das Kind mit einer Gier und trotzdem so vorsichtig, dass es fast schon krank wirkt.
Klar, ich versteh diese Liebe. Das kleine Etwas kommt meist schließlich aus dem eigenen Körper, erbt vielleicht deine Augen oder Haare, die Nase, das Kinn, die Ohren. Man opfert sich zwar selbst auf, gibt alles und mehr, aber bekommt natürlich auch ganz viel zurück, ganz viel Liebe nämlich. Und später, ja später, da wird es einen ganz furchtbar stolz machen, vielleicht die eigenen unerfüllten Wünsche leben und natürlich wir es sich um einen kümmern, wenn man alt ist.
Das laute Schreien, die Scheiße, die Sorge, die Angst. Ob es vielleicht auch die eigene Kurzsichtigkeit erbt, oder den Herzfehler des Opas. Mh. Eine Überlegung wert. Mh, egal. Erstmal machen. Und dann halt gesund ernähren, oder so.
Aber was ist, wenn genau das passiert. Das Kind wird krank geboren. Geistig oder körperlich behindert? Oder vielleicht braucht es auch nur eine Brille? Im Kleinkindalter kennen viele Kinder keinen Respekt , vor egal wem und erst recht nicht, wenn sie allein sind. Dann wird es gehänselt, denn einschließen und verstecken oder gar immer da sein kann man natürlich nicht. Aber das wird ja vorbeigehen. Das eventuelle Hänseln der anderen. Hauptsache man erzieht sein Kind richtig.
Aber, wie macht man das eigentlich? Das Kind richtig erziehen? Jeder hat seine eigene Methode oder Vorstellung. Jeder will sein Kind mit genau dieser Mathode gut erziehen. Manche wollen, auch wenn sie den Hass der Pubertät überstanden haben, nicht so erziehen wie ihre Eltern es getan haben. Das klappt am Anfang meist auch gut. Hier ein Elternratgeber, da ein Tipp aus dem Internet und noch ein bisschen Intuition. Jedoch klappt das selten auf Dauer, dann greift man doch auf die Erziehung der Eltern zurück. Schließlich ist auch aus einem selbst etwas geworden.
Dann wächst es auf, alle fanden es total süß, und es ist andauernd ja 'schon so groß geworden'. Dann kommt es in die Zeit, in der wir unsere Eltern und uns selbst wahrscheinlich am meisten gehasst haben. In der die Eltern am wenigsten von uns wussten, in der wir die mutigsten, lustigsten, klügsten und traurigsten Menschen der ganzen Welt waren. in der wir so viel ausprobiert, bereut, geliebt, gehasst haben, dass wir oft gar nicht wussten, wer wir sind, und es heute noch manchmal nicht wissen. Wenn das Kind in diese Zeit kommt, muss man beginnen, loszulassen, Stück für Stück. Manche Eltern schaffen es nicht. Dann wehren sie sich, wie wir es getan haben.
Und, was machen, wenn sie das machen, was auch wir gemacht haben. Auch wenn man sich an früher erinnert, wird man eine andere Einstellung dazu haben, da es jetzt die eigenen Kinder sind. Und was ist, wenn die Freunde, von denen man meist nicht viel mitbekommt, falsche Freunde sind. Wenn das Kind 'abrutscht', das Wort, was so gern benutzt wird. Umgang verbieten? Pah, interessiert doch niemanden. Dann eben heimlich. Und heimlich ist selten gut.
Egal wie es sich dann entwickelt hat, wenn es nach seiner Ansicht wirklich groß ist und alles allein bestimmen kann, geht es. Wahrscheinlich nicht für immer, aber es geht. Zieht weg, manchmal weiter und plötzlicher als gedacht. Dann willst du telefonieren, oder besucht werden wollen. Und dann steckt es da fest, wo du damals warst, endlich raus, keine nervigen Eltern mehr. 'Auf eigenen Beinen stehen' und trotzdem keinen Plan haben. Hauptsache erstmal raus.
"Jaja, besuchen. Mh, klar. Jaja, ich vermiss euch auch. Mh. Du Mutti ich muss jetzt aber auch. Mh. Ja. Jaja, morgen wieder vielleicht. Ich dich auch. Ja ciao." Dein Kind wird wiederkommen, manchmal für längere Zeit nicht, aber es kommt. Meistens.
Ich frage mich, was ich damit erreicht hätte. Ein Kind oder zwei großgezogen. Aber was fängt man damit an? Will ich mir selbst damit was beweisen? Mit der verdammten Verantwortung für ein Lebewesen, was nicht einmal gefragt wurde, ob es das alles überhaupt will. Nein. Erstmal mein eigenes Leben leben. Und dann vielleicht 'nen Hund.


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Kommentare
30.05.2011, 13:01 von LudwigMartinDer Artikel siehlt sich in Oberflächlichkeiten und Unreife, so daß man der Schlußfolgerung der Autorin, besser kein Kind zu wollen, ganz bestimmt zustimmen muß.
Einen Rat am Rande: es ist trotzdem wesentlich ansprechender, wenn man über Dinge schreibt, mit denen man sich wirklich auseinandersetzen mußte. Dann haben nämlich andere auch einen Gewinn im Gegensatz zu dem hier...
Den Text finde ich ansatzweise okay aber doch etwas arg pessimistisch.
27.05.2011, 11:28 von lexi.neuIch wollte nie Kinder. Nicht als Kind (ja, ich hab mit Puppen „Familie“ gespielt), nicht als Teenie, nicht als Twen und auch jetzt noch nicht, bestimmt auch nicht in den noch verbleibenden fruchtbaren Jahren und ich werd mir auch nie denken, hätt ich doch nur damals...!
Und nein, ich hatte keine schlimme Kindheit. Mein Bruder ist seit 20 Jahren mit ein und derselben Frau zusammen, seit mittlerweile fast 10 Jahren verheiratet und Vater von einer Vier- und einem Einjährigen.
Mir gehts gut, meinem Bruder gehts gut. Der eine will der andere nicht. Und das ist auch gut so aber ich denke jeder, egal wofür er sich entscheidet, soll nicht behaupten, dass seine Art zu leben die einzig wahre und richtige Art zu leben sei.
(Ich hab kein Haustier als Kindersatz und Kakteen hab ich auch keine. Aber Zimmerpflanzen schon...)
Der Text ist sehr pessimistisch. Natürlich sind Kinder schwierig und ich weiß das, ich war auch mal ein Kind und bin es wahrscheinlich immer noch, aber wenn ich all die glücklichen Mütter sehe und wie sie unaufgefordert von der schmerzhaften Geburt reden (immer und immer wieder, auch wenn man die Story schon 10x gehört hat) und am liebsten alles 16:9 noch einmal auf DVD anzugucken und zu prahlen, was sie, wie alle anderen Mütter bei der Geburt aushalten mussten...dann weiß ich jetzt schon, dass ich mal ein Kind haben will, denn ein Hund kann mir ein Kind nicht ersetzten.
27.05.2011, 01:20 von snatznVorweg:
26.05.2011, 17:30 von NealaOb der Autor des Textes ein Kind will oder nicht, ist mir persönlich völlig schnuppe.
Warum der Autor kein Kind will, ist mir persönlich völlig schnuppe.
Daher nur zum Text an sich:
Die Argumente selbst sind selten schlüssig und nicht konsequent ausgeführt - also nur eine bloße Aneinanderreihung von Behauptungen, die teilweise auch völlig unzusammenhängend wirken (geistige/körperliche Behinderung in einem Atemzug mit einer Brille? Bitte!).
Der Text insgesamt ist irgendwie holprig und nicht flüssig lesbar (Vielleicht mal die Verwendung der Satzschlusszeichen überdenken). Und dann: der "Und dann"-Stil fällt unangenehm auf - mir zumindest.
Ich kanns verstehen... deine Gedanken.
26.05.2011, 10:32 von SabS03Mit dem Hund... den hab ich jetzt. Und ich finde es teilweise schlimm, anstrengend und bin froh, dass es nicht mein Kind ist. Das arme Kind. Erst mal selbst klar kommen. Aber umso mehr bewundere ich meine Mutter, die noch jünger war als ich jetzt, als sie mich bekam. Man bekommt Respekt vor der Leistung.
Es gibt viel zu viele Eltern auf dieser Welt, die keine hätten werden sollen. Teilweise geben die Kommentare das Bild ab, als müsste man ein Kind wollen. Schade, ich dachte wir wären weiter. Müsste dann nicht die Fremdgeh-Ausrede "Ich bin halt ein Mann." dann auch akzeptiert werden? Immerhin haben wir uns alle kein Stück weiter entwickelt. Männer zerstreuen ihre Samen und Frauen setzen Kinder in die Welt. Und das -anscheinend- ob sie nun wollen oder nicht.
26.05.2011, 00:40 von Maria-MaxiDanke für den schönen Text! Und bitte bitte setze kein Kind in die Welt, weil einige User es subtil -mehr oder weniger- verlangen. Das richtet das wahre Unheil an.
Das laute Schreien, die Scheiße, die Sorge, die Angst. Ob es vielleicht auch die eigene Kurzsichtigkeit erbt, oder den Herzfehler des Opas.Mh.Eine Überlegung wert. Mh, egal.Erstmal machen. Und dann halt gesund ernähren, oder so. ??? Total egal ob jetzt die Scheiße vererbt wird, man vor lauter Kurzsichtigkeit laut schreien muss oder man überlegt, ob der Opa sich schlecht ernährt hat...selbst die Formulierung fällt hier negativ aus. Vielleicht reimt sich das auch nur in meinem Kopf so zusammen, aber insgesamt finde ich den ganzen Text ziemlich verwirrend und Deine Argumente schlecht nachvollziehbar. Da kann man ja nur auf den Hund kommen ;)
25.05.2011, 23:44 von lolaparabolaBesser auch kein Hund für dich. Für den müsstest du nämlich auch Verantwortung übernehmen / sorgen.
25.05.2011, 17:04 von justanotherpictureIch verstehe noch nicht ganz, was daran unreif sein soll? All das ist wahr. Eltern können ihre Kinder vor der Geburt nicht fragen was sie wollen. Kinder sind erst unheimlich anstrengend, dann gibt es irgendwo in der Grundschulzeit eine kurze Entspannungsphase - wenn schulisch alles einigermaßen läuft natürlich - und dann kommt die Pubertät. Und danach, wenn sie endlich einigermaßen umgänglich und die sorgenvollen Jahre vorbei sind, ziehen sie aus und leben ihr eigenes Leben.
25.05.2011, 14:17 von FaldarellRational betrachtet gibt es keinen Grund Kinder zu bekommen. Das wirklich magische ist, wenn man es trotzdem tut.
@Faldarell Zum Glück denkt nicht jeder soviel über rationale Gründe dabei nach...sonst gäbe es mich nicht....dich nicht....und dich nicht...dich auch nicht....und.....
25.05.2011, 19:22 von SheheraWie schön, wenn man von einem Artikel nicht viel mehr als die Überschrift lesen muss, um den Inhalt der folgenden Kommentare punktgenau vorhersagen zu können...
25.05.2011, 13:16 von fraukopfsalatDass gewollte Kinderlosigkeit (oder auch nur das Hinterfragen eines vorhandenen oder nicht vorhandenen Kinderwunsches) im Jahr 2011 ein solches Reizthema ist, erstaunt mich immer wieder. Wer Kinder hat, fühlt sich angegriffen, wer keine hat und keine will, wird flott der Unreife oder des Egoismus verdächtigt.
Dann noch ein Verweis auf die Natur des Menschen (insbesondere der Frau) und fertig ist die fruchtlose Diskussion über das Thema Lebensentwurf mit und ohne Nachwuchs. Von Akzeptanz keine Spur. Ganz schön traurig.
@fraukopfsalat Das es ein Reizthema ist, ist mir selbst nicht so sehr aufgefallen, für mich steht das schon jahrelang fest und mit der Sache mit dem Lebensentwurf hast du recht. Es ist schließlich meine Sache und es sind meine Gedanken. Selbst wenn es egoistisch ist, soll ich deswegen einfach ein Kind zeugen, das dann eine Mutter hat, die mit ihm garnichts anzufangen weiß. Bzw, eine die es eigentlich nicht wollte.
25.05.2011, 20:18 von soitis@soitis Dass es ein Reizthema ist, sieht man schon an der Zahl der Kommentare. Ich bin noch nicht so recht dahinter gekommen, warum das so ist. Möglicherweise, weil viele Menschen Lebensentwürfe, die ihren eigenen entgegen stehen, als Infragestellen ihre eigenen Entwürfe empfinden.
26.05.2011, 13:04 von fraukopfsalatÜbersehen wird dabei tatsächlich vielfach, was auch Jackie sagt: JEDE Entscheidung, egal ob für oder gegen Kinder, entspringt aus Egoismus. Wer Kinder bekommt, tut das in der Regel einfach deshalb, weil er es möchte. Also aus seinem eigenen Bedürfnis heraus. Trotzdem ist die Egoismus-Anklage einfach nicht kaputt zu kriegen...