GirlsWhateverCatsForever 30.11.-0001, 00:00 Uhr 2 2

Hormongesteuert.

Ich kann mich nicht aufraffen etwas Produktives zu tun, liege auf dem Sofa. Resignation. Ich brauche Kaffee. Und Liebe. Ich schenke mir nach.

Es ist Dienstagmorgen. Ich war heute viel zu früh wach. 9:30, nicht meine Zeit.

Mein Uterus macht sich bemerkbar. Ich fühle mich als würde ich verbluten. Ein Alienbaby in meiner Gebärmutter. Schmerzen, Blut. Ich habe meine Tage.

Die Gesichtsmaske von gestern Nacht bröckelt aus meinem Gesicht. Ich hab sie mal wieder nicht abgewaschen.Ich starre auf mein Handy, keine Nachrichten. Niemand, der mir etwas mitzuteilen hat. 
Ich drehe mich auf den Rücken. Atme tief durch. Die Bettdecke hat sich um meinen Körper gewickelt, ich kann mich kaum befreien, trete unkontrolliert, um sie loszuwerden.

Mir kommt eine Idee, eine Bescheuerte. Ich fühle mich allein und ich will Kaffee. Ich schreibe IHR. Sie hat bestimmt Frühschicht und ist allein im Cafe. Wir könnten mal reden. Ich möchte sie nur kurz sehen. Mein Herz klopft wie wild.
„Hey.“. Mein Finger drückt auf den „Senden“-Button. Im selben Moment erwachte meine Vernunft und protestiert lautstark. Mir wird klar, was ich grade getan habe. Mist, mist. Scheiße.
Egal, sie antwortet eh nicht, ich habe IHR erst vor ein paar Tagen verdeutlicht, dass ich nichts von IHR hören will.

Der erste Gang geht ins Bad. Ab unter die Dusche. Eine rosa Eule grinst mir von meinem Duschgel entgegen. Ja, sie grinst. Ich nicht. Ich suche nach bequemen Klamotten. Die meisten sind dreckig. Ich schaue mal im „Geht noch“- Stapel.
Nur kurz gucken, ob SIE geantwortet hat. Nein. Aussetzer Nummer zwei: „Sorry, war nur schon wach und dachte ich komm mal vorbei. Aber egal.“. Oh, ja. Hervorragende Nachricht, Cat. Das macht es besser. Pling. Eine neue Nachricht. Von IHR. „Hab mich schon gewundert.“. Ich bin ein Idiot.

Ich trage meinen aufgeblähten Bauch vor mir in die Küche. Kaffee kochen. Wider erwarten verschütte ich diesmal weder Kaffeepulver, noch das Endprodukt. Ich klopfe meinem „Ich“ von gestern auf die Schulter, ich habe an Milch gedacht.

Ich höre eine Tür, Schritte im Flur. Alex oder Dino?
Dino kommt in die Küche geschlichen. Sie reibt sich die Augen, ihre roten Haare stehen vom Kopf ab, ihr Gesichtsausdruck erinnert an Grumpy Cat. „Guten Morgen“, knurrt sie. „Guten Morgen, ich bin hormongesteuert und hab IHR geschrieben.“. ich erkläre die Situation. Dino schaut mich an und geht ins Bad. Ich suche nach den zwei unreudigsten Tassen, wasche sie ab und gieße uns Kaffee ein.

Sie erscheint wieder. „Ich hab Lust Amaretto in den Kaffee zu kippen“, sagt sie. Ich nicke zustimmend. Sie räumt das Sofa frei, das seit der letzten Party in unserer Küche steht.
Wir nehmen Platz. Jeder eine Tasse Kaffee in der Hand, Zigaretten am Start.
Emotionale Gespräche, Ok Kid läuft, wir singen leise mit. Unsere Füße zucken zum Beat.

Ein toter Schneider klebt über dem Waschbecken, ich finde es faszinierend, dass sie einfach so kleben bleiben.

Fazit des Morgens: Es ist okay. Egal was. Dino muss zur Arbeit. Ich hab noch ein paar Stunden Zeit. Spätschicht ist ein Fluch und ein Segen.

Ich kann mich nicht aufraffen etwas Produktives zu tun, liege auf dem Sofa. Resignation.
Ich brauche Kaffee. Und Liebe. Ich schenke mir nach. Keine Liebe weit und breit.
Ich sprühe meine Kapuzenjacke mit IHREM Parfum ein. Ja, ich habe mir IHR Parfum gekauft. Das mag verrückt klingen, aber ich nenne es die „Dufttherapie“. Ich trage es seit 3 Wochen. Es riecht toll. Mit leichter Honignote, glaube ich. Dabei mag SIE Honig nicht mal wirklich. Die Kapuzenjacke hatte SIE mal an, daher trage ich sie gern, wenn ich an einem emotionalen Tiefpunkt bin.

Ich inhaliere es, schließe die Augen und stelle mir IHR Gesicht vor. IHRE Augen. Wunderschön, blau. IHR Lachen klingt in meinen Ohren, ich muss lächeln. Wir waren so perfekt. Nur, dass es da nie ein richtiges „Wir“ gab.
Wir waren ein Trümmerhaufen, manchmal schien die Sonne und dann sahen wir aus wie ein Palast. Das ist vorbei. Das muss in meinen Kopf. Doch er wehrt sich.

Wir sind untergegangen. Ein großes Erdbeben. Hohe Wellen, ein Sturm. Wir wurden überschwemmt, doch noch immer schlagen mir die Wellen ins Gesicht.
Hart und erbarmungslos. Ich greife nach den Trümmern, versuche die Reste zusammenzuhalten. Doch es gelingt mir nicht.

Ich hab Lust einen zu drehen. Kopf ausschalten. Immer wenn ich denke, dass ich klarkomme, dann ist es garantiert nicht so.
Ich höre emotionale Musik und schäme mich dafür. Benebelt von ihrem Duft. Ich rauche noch eine.

Ich hab mich für Freitag mit jemandem verabredet. Einer Frau. Sie scheint cool zu sein.
Sie ist in meinem Alter, mag Katzen, hat sogar eine.

Ich hoffe sie mag IHREN Duft.


Tags: Frauenprobleme, Hormone, emotional instabil, Herz gegen Verstand
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2 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Schön geschrieben. Selbst morgens um halb drei gut lesbar :) gib IHR nen Küsschen und ich wünsche noch schönes We

    30.08.2015, 02:38 von SteffenFitlus
    • 0

      SIE bekommt kein Küsschen mehr. Aber dankeschön! :)

      08.09.2015, 17:28 von GirlsWhateverCatsForever
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