Njuscha 30.11.-0001, 00:00 Uhr 75 28

Hoffnung

Hoffnung ist furchtlos. Und leider auch endlos.

Ich meine, seien wir mal ehrlich. Zeig mir eine einzige Person auf der ganzen Welt welche sofort loslassen kann. Sogar die härtesten und die kältesten Menschen hoffen, irgendwo tief drinnen, wo ihr Unterbewusstsein das gut vor ihnen selber verstecken kann. Sogar wenn du es beendet hast, wenn du dem den Rücken gekehrt hast - du hörst nie wirklich auf daran zu glauben, dass es sich noch ändern könnte. Warum erzählen wir Kindern, dass die tote Katze bloß weggerannt ist, alles gut wird oder, dass Mama und Papa nur eine Pause machen? Nicht nur um ihren naiven Glauben and as Gute zu füttern, sondern auch um uns selber zu beruhigen. Ansonsten würden wir viel zu schnell brechen.

Ich denke, eine unserer größten Ängste ist das Loslassen. Loslassen von unseren Träumen, unseren Vorstellungen, loslassen von Geschichten, Gefühlen, Erinnerungen und vor allem Menschen. Wir können den Gedanken nicht ertragen, etwas für immer zu verlieren. Also müssen wir uns unseren Arsch weghoffen um sorgenlos zu bleiben. Natürlich gilt das für alles im Allgemeinen, aber nehmen wir einmal das einfachste Bespiel - Liebe.

Da gibt's Menschen die einfach nicht an die Liebe glauben. Meistens sind sie zynisch oder bitter, also müssen sie etwas Schlechtes erlebt haben. Sie erzählen anderen und sich selber, dass Liebe nicht existiert. Aber wir wissen alle ganz genau, dass das nicht wirklich wahr sein kann. Und am besten werden es diese bitteren Menschen wissen, denn sie müssen Liebe gesehen haben um so frustriert deswegen sein zu können. Jedenfalls ist das auch Hoffnung. Ziemlich abgefuckte Hoffnung, aber immerhin. Sie verleugnen Liebe und erwarten nichts, sodass wenn es doch mal passiert, sie positiv überrascht sind und nicht mehr enttäuscht werden können.

Da gibt's Menschen, die sind herzgebrochen. Und sie machen weiter, finden ein paar Trostpflaster, haben Spaß und überwinden es. Aber nie vollkommen. Sie wissen es selber nicht bis sie ihre ehemalige zweite Hälfte wieder zu Gesicht bekommen. Da gibt's Menschen welche Schluss gemacht haben aber Freunde geblieben sind. Oder einfach so gegangen sind. Oder gerannt. Egal wie, jeder der einmal verliebt war kennt diesen Stich wenn man derjenigen Person wieder gegenüber steht. Und es schleicht sind in den Kopf. Was wenn er/sie sich geändert hat? Was wenn ich mich verändert hab? Was wenn es jetzt funktioniert? Aber das tut es nicht. Und trotzdem hören wir nicht auf zu hoffen.

Da gibt's Menschen, die sind immer noch zusammen obwohl sie einander hassen. Hoffnung. Menschen, die befreundet sind und heimlich füreinander brennen. Offensichtlich Hoffnung. Menschen, die so gebrochen und fucked up sind, dass es sich nicht mal lohnt für sie zu kämpfen. Trotzdem, Hoffnung, dass genau wir diejenigen sind, die sie verändern können.

Da gibt's so viele Probleme in der Welt, so viel Armut, so viel Krieg, so viel Gewalt und zu viel Liebe zu Geld. Und trotzdem hat jeder dieses Gefühl von das wird schon wieder. Wirklich? Wird es? Wir wissen, dass manches einfach nicht besser werden kann.

Und trotzdem - Hoffnung.


Tags: Hoffnung, Gefühle, Psychologie, Gedanken
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75 Antworten

Kommentare

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    "Da gibt's Menschen, die sind herzgebrochen." - was für ein toller Satz :)

    02.03.2019, 21:50 von .cloudy.
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    Da fällt mir nur ein Satz ein, den mir eine Freundin mal zuspielte und vollkommen ernst meint:
    Du kannst sie nicht alle retten!

    01.12.2017, 11:32 von TrustYourself
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    'Menschen, die so gebrochen und fucked up sind, dass es sich nicht mal lohnt für sie zu kämpfen. Trotzdem, Hoffnung, dass genau wirdiejenigen sind, die sie verändern können.


    Früher wollte ich auch solchen Menschen helfen und mein Herz für sie geben. Heute bin ich selbst fucked up und gebrochen dadurch. Wie das Leben nunmal spielt.

    Frü

    20.05.2017, 20:25 von LiedvonEisundFeuer
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  • 2

    Haha find ich toll deinen Ansatz. Eine meiner Lieblingsüberzeugungen ist nämlich: "Es wird alles gut." und dieses Gefühl begleitet mich irgendwie auch durch die tiefsten Schluchten. Aber ganz überzeugt bin ich wohl doch nicht, sondern würde ich wohl nicht solche Texte lesen ;-)

    03.02.2017, 14:39 von SarahOoh
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    • 1

      Ich mag die Schönheit deiner Gedanken...
      :)

      18.12.2016, 12:14 von sailor
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    • 1

      Hoffnung bedeutet fuer mich Schwaeche und Hilflosigkeit.  Etwas nicht beeinflussen zu koennen, kann unertraeglich werden. 

      18.12.2016, 15:28 von Dr_Lapsus
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    • 0

      Es unerträglich zu finden, was man nicht beeinflussen kann ist für mich ein Zeichen von 'Schwäche' und Hilflosigkeit.
      Oder meinst du damit vielleicht, keine Handlungsalternativen zu haben?

      18.12.2016, 15:56 von sailor
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      Labskaus...

      18.12.2016, 16:08 von sailor
    • 2

      Handlungsalternativen.


      Wenn man sich auf Hoffnung verlassen muss,   sieht es mit dem  Beinflussen von Dingen, die einem persoenlich wichtig erscheinen, schlecht bestellt aus.
      Und nur darum geht es mir.  
      Viele verlassen sich  "gern"  auf das Prinzip Hoffnung.  Das liegt mir ueberhaupt nicht.  Die Situation selbst beeinflussen koennen, heisst das Gebot.!

      18.12.2016, 16:45 von Dr_Lapsus
    • 1

      Handlungsfähig bleiben und Autonomie erfahren, keine Frage...

      Wieder so basale Bedürfnisse... Gleich derer zwei...
      :D

      18.12.2016, 16:48 von sailor
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      Das nur schwer zu ertragene Gefuehl beginnt bei mir schon,  dass ich von vielen anderen Menschen abhaengig bin. 


      Auch wenn ich das gesamte Geld der Welt besaesse :-((

      18.12.2016, 17:55 von Dr_Lapsus
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      Ich bin ja der Auffassung, dass man nicht abhängig ist, sondern sich abhängig macht...

      19.12.2016, 06:22 von sailor
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    Das trifft mich, in meiner jetzigen Situation, mitten ins Herz. Und es ist so wahr.

    18.12.2016, 06:17 von fsocietytxt
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  • 1

    Wie wahr- du hast mich voll getroffen, mich und meine Welt und ich weiß, dass es nicht mehr besser wird und hoffe trotzdem...das Dilemma der Liebe und des Lebens.
    Danke für die Zeilen!

    09.12.2016, 18:57 von violett84
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    ein feiner, nachdenklicher text. hoffnung nicht als überzeugung, dass es gut ausgeht, sondern dass es sinn hat, egal wie es ausgeht. das leben hat den sinn, dass es ist. 

    03.10.2016, 02:26 von EC_Lino
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    Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Es ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas SInn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.

    29.09.2016, 09:00 von Itoll
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  • 1

    Hoffnung ...ist erstmal nur ein Gedanke. Nicht mehr, nicht weniger. 

    Was man mit seinen Gedanken macht, obliegt jedem selbst.

    09.09.2016, 13:22 von Hattori-Hanzo
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