the_dandelion 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 2

Himmelhoch betrübt

Besser himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, als ein Leben als Segelflieger.

Manchmal wünsche ich mir einen handfesten Skandal, einen großen Streit, eine unerwartete Katastrophe. Ja, manchmal, wenn ich drohe, an dem zähen Nebel aus Vernunft und Sicherheit zu ersticken, aus monotoner Lethargie, dann wünsche ich mir sogar sowas wie einen plötzlichen Todesfall (natürlich nichts allzu Schlimmes, niemand allzu Wichtiges).

Damit endlich was los ist, Action, Spannung, pam pam PAM!! Endlich mal Gefühle. Die aus mehr bestehen als gemäßigter Freude, angemessener Trauer und freundlicher Höflichkeit. Mehr als nur Durchschnitt. Dann will ich mich rebellisch fühlen, ausbrechen aus meinem gutbürgerlichen Häuschen aus Frieden und Harmonie. Weg von all der Normalität, raus! Was erleben!

Nicht brav sein, nicht als revoluzerischste Tat von allen nachts um sechs allein nach Hause kommen und mir völlig betrunken eine von Mamas Zigaretten anzünden, die mir gar nicht schmeckt. Aber das machen Rebellen doch so? Ich will nicht immer nur nichts fühlen, nichts als das, was ich fühlen sollte. Ich gleite schon mein ganzes Leben wie ein Segelflieger durch die Lüfte, beständig, ohne große Störungen, geradeaus, vielleicht ein kleines Luftloch, bald vergessen, wo ich doch steigen will, blitzschnell, in riskante Höhen, mit der Aussicht auf einen lebensgefährlichen Sturzflug in unbekannte Tiefen.

Wo sind die Emotionen? Früher hatte ich noch welche, ganz klar. Man kann nicht sagen, dass ich nicht mit offenen Augen durch die Welt laufe, begierig auf die Chance, die verdammt nochmal doch irgendwann kommen muss. In immerwährendem Warten auf den einen Augenblick der mich wachrüttelt und schüttelt, bis mir die Augen aufgehen, die Augen übergehen am strahlenden Licht der Welt. Ich will lieben! Einen Menschen mit meiner Liebe ertränken, der sie verdient. Mit einem Funken entzünden, ihn züchten zu einem lodernden Feuer, das mich ausfüllt, die Leere mit heißen Flammen vertreibt.

Mit einem Magnet im Bauch, der mich nach draußen zieht, aber der sein Gegenstück nicht findet, habe ich die einzige Revolution, die ich kenne, in meinem Kopf. 

Ich will himmelhoch jauchzen, ich will zu Tode betrübt..

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