Ceci.de.la.Provence 14.04.2013, 06:57 Uhr 3 1

Heute Nacht

mir is schlecht

Ich bin nervös. So nervös. Und gleichzeitig müde. Mein Herz rennt, während ich in meiner Höhle bewegungslos auf dem Bett sinniere und mir eine "Downton Abbey" Folge nach der anderen reinziehe um vom Speed runter zu kommen. Die zweite Runde wäre nicht nötig gewesen..

Es war eine lange Nacht im Club, die zwei Tage ohne Unterbrechung miteinander verflochten hat. Jetzt ist es 12.12 Uhr, meine Augen brennen und die Welt um mich herum dreht sich. I feel unreal.
Ich bin ein Wrack aus zittrigen Knien und flauem Magen, das die Gleisen für die schweren Atemzüge auf der ohne hin schon pappigen Zunge hat - eindeutig Folgen meiner letzten Erkältung (und zu vieler Zigaretten in den dunklen Stunden).

Endlose Gedankenpirouetten drehend, spüre ich jetzt wieder seine intensiven, besser als Durchschnitt, ja auch tatsächlich animierenden Küsse auf meinen Lippen. Ich durchlebe meinen schwachen Moment ein zweites mal interschädal; mit dem bitteren Unterschied, dass es mir beim ersten Mal gelang mich einfach von mir selbst weg zu denken.

So humorvoll er auch ist, dieser geliebte Freund der Familie macht mich nicht an. Kein Stück hat er meinen gewöhnlichen Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht gebracht als wir uns küssten. Und wenn er so betrunken ist, hat er nicht mal mehr die leicht ungelenke, doch markabere Lustigkeit eines Matrosen. Es bleibt ein Häufchen "leicht ungelenk." Ein gescheiterter Versuch die selbst geschaffene Opfer-Verzweiflung eines erfolglosen, vor Sehnsucht fast ertrinkendem Freier, zu kaschieren. Das zu formulieren, scheint mir so richtig fieß. Ich miese, blöde Kuh.

Im Nachhinein fühlt es sich so falsch an. So falsch. Und mich in die ganze Situation auch noch selbst rein geritten. blääääähblubladfghjkliuugotiures2345t6sadsc. Scheiße.

Mein Körper ist hungrig, steht auf und bewegt sich Richtung Küche, macht Müsli, isst auf dem Sofa und gibt eine Runde übermüdete Selbstkritiks-Kotze von sich. Danke Cousin, fürs zuhören. Und tschuldigung noch mal, dass ich so dumm dumm dumm wie ich bin, deinen besten Freund geknutscht habe und ers einfach nicht verkraften konnte, dass es dann auch wieder vorbei war als ich weiter feiern wollte. Mit meinen anderen Freunden.

Nur das unangenehme Ganze auf rücksichtsvolle Weise klarifizieren, wenn du dann aus deinem Dornröschenschlaf aufwachst, muss ich wohl. An meinem Vorletzten Tag meines Lückenjahrs. Am anderen Ende der Welt. Außer du hast alles vergessen.

Ha! und ich dachte ich wäre simpel. Fürchterlich (verstrickt) bin ich. Kannst du dich nicht einfach verziehen Gewissen? und mir auf dem Weg noch schnell eine Packung frischen Selbstrespekt einkaufen und bei mir vorbeibringen. Bin in letzer Zeit ein bisschen verschwenderisch damit umgegangen.

Selbstgenügsamkeit macht für gewöhnlich dumm. Zeit einen Gang runter zu schalten. Zurück nach Deutschland fliehen und mich gesund-ehrgeizig um essenzielle Dinge bemühen. Gap-Year schön und gut um aus dem inneren "Käfig" auszubrechen und wie eine Löwin Frischfleisch zu schmausen, neue Gedankenwanderwege zu entdecken, erforschen und selbst anzulegen.

Aus dem dichten Buschland, scheint mir der, aus alt und neu geflochterne, rote Wertefaden jetzt äußerst fein. Und den gibts Mittwoch im Angebot zuhause, zurück in Deutschland.

13.44 Uhr - vielleicht kann ich ja jetzt schlafen - noch kurz, bevor meine Abschiedsparty beginnt.


Tags: Gewissen
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3 Antworten

Kommentare

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  • 2

    "interschädal" find ich super.

    Ansonsten feelte ich mich beim Readen n büscherl unreal.

    14.04.2013, 12:56 von Juliie
    • 0

      Versteh ich nicht so ganz. Was war beim lesen? 

      15.04.2013, 02:49 von Ceci.de.la.Provence
    • 0

      Ich hatte jetzt einfach eine Textstelle von dir dazu verwendet, um auszudrücken, dass mir das Ganze ein wenig wirr und unzusammenhängend beim Lesen erschien. Also mir war letztlich nicht ganz klar, worauf du eigentlich hinaus wolltest.

      15.04.2013, 21:09 von Juliie
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