HettyCoedwig 02.07.2014, 02:19 Uhr 0 0

Herbst im Juni

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Ich laufe durch Beilstein. Es ist kalt. Montage sind gute Tage für einen Anfang. Gute Tage um etwas Neues anzufangen. Heute ist Montag. Ich pfriemle den Filter aus meinen Mund und lege ihn ins Ende des Papes.  Die Autos fahren an mir vorbei und ich schaue den Fahrern stier ins Gesicht während ich in meiner Tasche nach meinem Feuer krame. Es ist Juni. Meine Klamotten lassen auf Ende Oktober schließen. Audio88 hat Recht. Die Erde ist wirklich eine Scheide. An der Bushaltestelle sitzt Jacky. Jacky ist bestimmt schon siebzig. Er ist klein und macht im Imbiss sauber. Er arbeitet sonst für Ulli, unseren Metzger. Wenn er redet verstehe ich kein Wort. Er sieht immer traurig aus. Sein Blick ist wie immer auf den Boden gerichtet. Ich habe keine Lust ihn oder irgendwen zu grüßen also schaue ich ebenfalls auf den schmutzigen Bürgersteig. Da liegen ungefähr eine Millionen Kippenstummel und alte, ausgespuckte Kaugummis schmiegen sich an die Kanten der Kopfsteine. Ich hab auch eigentlich keine Lust heute Theke zu machen. Bin viel zu müde. Seit ich mit der Schule fertig bin mache ich einfach nichts. Ich schlafe bis eins oder zwei, stapfe dann durch mein spärlich beleuchtetes Messi-Zimmer aufs Klo. Wenn ich meinen Darm geleert habe, krieche ich in die Küche um mir irgendwas zu essen zu machen. Meistens ist es irgendwie eklig. Ich esse einfach alles. Am liebsten zusammen. Auf Brot. Oder im Wrap. Je nach dem was mir als erstes ins Auge springt. Ich schnipse meine zu ende gerauchte Kippe auf die Straße. Beilsteiner Urgesteine Sitzen draußen, vor dem griechischen Italiener, essen ihre griechische Spezial-Pizza und trinken ihre Weinschorlen. Sie beobachten mich jeden Tag wie ich an ihnen vorbeilaufe. Sie verurteilen mich. Bestimmt. Auf der Bank vor dem Brunnen an dem wir früher die Kois belästigt haben sitzen, wie jeden Abend, ein kleiner, dicklicher Mann mit Brille und seine Frau. Aus Angst sie grüßen zu müssen, krame ich nach meinem Drehzeug. Ich rauche zu viel. Während ich durch die Orgelgasse laufe höre ich Kinder spielen. Sie kreischen und lachen und schreien sich an. Bald bin ich da. Dann kann ich Musik hören und mich mit anderen Nichtsnutzen und Taugenichtsen unterhalten. Ich denke an Moritz.

 

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