Tina_Hubi 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Haltet die Welt an, ich bin noch nicht so weit!

Vielleicht sollte ich meinen Körper dem Wasser einfach hingeben. Vielleicht sollte ich einfach abtauchen und und nie wieder Richtung Luft zurückrudern

Ich schwebe rücklings im Wasser des Pools. Meine Arme sind weit ausgestreckt, der Kopf blickt in den blauen Himmel. Keine Wolke ist heute zu sehen. Sonnenstrahlen kitzeln mein Gesicht. Immer wieder muss ich blinzen. Ein wohliges Gefühl umgibt mich, eines von denen, das man nicht loswerden möchte. Die laute Musik kann ich mit meinen Ohren unter Wasser wahrnehmen, doch sie klingt so weit weg. Die einzelnen Töne lassen sich nicht mehr voneinander unterscheiden, alles fließt zusammen in eine nicht enden wollende Melodie. Verliert sich im Wasser.

Das Kiffen und Trinken haben mich den ganzen Tag nicht nüchtern werden lassen. Immer wieder paddle an den Beckenrand, um einen weiteren Schluck von der großen Flasche mit dem braunen Rum zu nehmen. Der pure Alkohol fließt in meinen Mund und verteilt sich Sekunden später in meinen ganzen Körper. Beflügelt vom Rausch lasse ich mich zurück in die Mitte des Pools treiben und harre in dieser Stellung aus. Die Zeit scheint stehen zu bleiben. Manchmal zuckt mein Finger oder eine kleine Welle schwabt über mein Gesicht. Manchmal drehe ich mich automatisch sogar ein Stückchen.

Ich bin nicht wirklich anwesend, befinde mich in einem Zustand irgendwo zwischen Wachsein und Schlafen. Die Welt um mich herum bewegt sich, doch ich bin nicht mit meinem vollen Bewusstsein da, merke, dass ich immer wieder abdrifte und dass sich meine Gedanken wie hypnotisiert im Kreis drehen. Ich lasse alles an mir vorbeiziehen, verliere jegliches Zeitgefühl. Ab und an erschrecke ich, wenn ich merke, wie zugedröhnt ich bin und wie wenig ich meinen Körper und mein Denken gerade unter Kontrolle habe. Doch es ist egal. Kurz darauf verfalle ich wieder in einen Rausch; benebelt von schönen Gefühlen, betäubt von einer Schwerelosigkeit, die nie zu enden scheint.

So schwebe ich alleine in dem warmen Wasser, das meinen gesamten Körper umarmt und einen Schleier auf der ganzen Haut überlässt. Ich weiß nicht, warum ich das alles mache, aber ich tue es. Ich dachte, ich werde erwachsen, doch ich bin es lange nicht. Ich lasse mich tragen von einer Stille, die mich krank macht. Betrinke und bekiffe mich, und das Ganze wieder von vorne. Nur hinein mit dem guten Zeug, nur hinein mit dem guten Stoff, der mich auf eine merkwürdige Art und Weise zufrieden stellt. Mich ausgeglichen zu machen scheint.

Nur für eine kleine Weile möchte ich entfliehen, apathisch und doch euphorisch auf einer federleichten Wolke schweben und von einem Hauch von Nichts umgeben sein. Ich bin müde und doch rastlos. Möchte wegrennen. Ich bin noch nicht bereit für die Welt da draußen. Ich kann das alles nicht. Verzweifle an mir selbst und meinen Fähigkeiten. Immer wieder. Weiß nicht, wie es weiter gehen soll und ob es weiter geht. Es geht im Leben immer weiter, oder? Manchmal weiß man nur nicht, wie.

Ich schiebe mit einem gekonnten Tritt das Wasser von mir weg und rotiere meinen Arm, um zurück an den Beckenrand zu gelangen. Einen weiteren Schluck vom braunen Rum, der mittlerweile eine Raumtemperatur angenommen hat und sich dadurch noch sanfter seinen Weg in meinen Körper bahnt und dort gleichmäßig auf alle Sinne verteilt.

Vielleicht sollte ich meinen Körper dem Wasser einfach hingeben; loslassen; vom Strudel nach unten ziehen lassen; um nicht ständig auf der Flucht zu sein. Vielleicht sollte ich einfach abtauchen und nie wieder Richtung Luft zurückrudern. Um sicher zu gehen, dass ich nichts Falsches tuen werde. Nur ein einziges Mal wissen, wohin es geht, bevor alles genau diesen Weg einschlägt. Nur ein einziges Mal wissen, dass einen dieser Weg zu irgendeinem Ziel führen wird.

Ich dachte immer, man weiß irgendwann, was man möchte. Ich habe immer geglaubt, es gibt einen Moment, in dem man sich sicher ist, das genau das das Richtige für einen ist. Ich aber weiß es nicht. Vielmehr schwebe ich im Wasser, um eine Zeit anzuhalten, die nicht zu stoppen ist. Der Zeiger dreht sich weiter, die Musik ist mittlerweile zu einem einzigen rauschenden Wirbel im Hintergrund geworden, eine kleine Wolke schiebt sich vor die Sonne. Haltet die Welt an, ich bin noch nicht so weit!

 

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