Hallo, Fremder. Tschüß, Freund. Oh, hallo!
Ich denke an dich. In spätestens 2 Jahren werde ich dir wieder in die Augen sehen können. Mit so ganz anderen Gedanken und Gefühlen.
Ich habe mich entschlossen, Leute wieder zutreffen, die ich seit etwa 1620 Tagen nicht mehr gesehen habe. Nicht nur nicht gesehen- ich hatte keinerlei Kontakt mit ihnen. Na ja. Ich habe die Meisten nie gekannt.
Wir erkannten uns nicht und erkennen uns noch immer nicht. Ich habe dich gesehen. Du bist nicht mein Typ. Ich war interessiert. Anfangs nicht richtig ernsthaft, später immer mehr.
Als ich mit ein paar Leuten abseits saß, während du mit deiner neuen Flamme Fußball spieltest, kamst du immer wieder kurz zu mir. Wie du gelächelt hast, will mir nicht aus dem Kopf.
Als wir ums Feuer saßen und ich allein war, standest du auf und hast mir Gesellschaft geleistet. Du hast mich fasziniert. Als du gingst verspürte ich keine Lust mehr, länger da zu blieben. Mit meiner Handynummer in der Tasche hast du mich eingeladen, morgen ist eine Party bei irgendeinem, der auch beim Feuer saß.
Ich war dann da. Als ich unsicher in die Diele stakste, wurde schon nach dir gebrüllt, ich sei da. Du kamst die Treppe runtergepoltert und lächeltest schelmisch-schüchtern, auf deine Art. Wurdest ziemlich rot, was den Anderen nicht entging.
Ich habe an diesem Abend nicht viel Zeit mit dir verbracht- du hast diese Schöne geküsst, die schon ewig etwas von dir wollte und du von ihr. Du meintest später, du würdest bereuen, mich so spät kennengelernt zu haben. Eure Beziehung hat 2 Wochen gehalten. Wegen mir, beteuern gemeinsamen Freunde. Du streitest das ab.
Ich habe ewig lange und schöne Gespräche mit dir geführt- über Freiheit, Toleranz, Wahrnehmung, Freundschaft, Definitionen, Liebe, Gut und Böse und allem, was uns irgendwie erfahrenswert erschien. Im Nachhinein frage ich mich, ob ich in dir gesehen habe, was ich sehen wollte.
Du hast mich eingeladen, mitzukommen, ins Kino, in „Die Welle“, mit den anderen. Natürlich war ich da. Natürlich war ich ein bisschen zu spät.
Ihr saßt in der letzten Reihe- was ich mit meinen weniger als 80% Sehkraft nicht erkannt hätte, wenn du nicht wie für dich typisch einfach mal beide Arme in die Luft gerissen hättest. Eine Eigenart, die ich an jedem anderen verflucht hätte. Wie erleichtert ich war- und wie nervös. Du saßest natürlich als letzter der Reihe, meine Ankunft wird also hübsch dadurch unterstrichen, dass ich ungeschickt vor allen her zu dir stolpere. Trete auf ihre Sachen, was mir keiner übel nimmt, stammle Entschuldigungen und werd ein bisschen angegrinst, er und du, hm? Endlich in meinem Sitz vergesse ich völlig, dass ich verlegen sein könnte dich zu begrüßen. Ich pule mich einfach wahnsinnig schwerfällig aus meinen Sachen.
Vorschau. Ich bin panisch aufgeregt. Wir reden über total belangloses Zeug. Du bietest mir Schokolade an. Ich muss tasten, sehe fast nichts.
Film. Ich habe Zitterkrämpfe. Wir reden ab und an wieder über Belanglosigkeiten, passen aber auf. Dein Gesicht manchmal so nah an meinem.
Irgendwann fangen wir an, Händchen zu halten. Dein Arm liegt auf der Lehne. Ich lege meinen dazu. Unsere Hände berühren sich. Nebeneinander. Beide ein ganz klein wenig verschwitzt. Ich lege meine Hand immer mal ein paar Mikrometer höher und komme mir dabei wahnsinnig blöd vor.
Kleiner und unwichtiger Einschub: Deiner linken Hand –du sitzt rechts von mir- fehlen die Finger. Ein Drittel kleiner Finger. Es ist einfach eine Selbstverständlichkeit.
Irgendwann schiebst du deine Hand unter meine, dein kleiner, sehr weicher, Finger gleitet langsam –sehr langsam- an meiner Handinnenfläche entlang. Ich umgreife deine Hand. Sie ist weich und warm. Und ein bisschen schwitzig. Nicht unangenehm. Du nimmst unsere Hände hinüber auf deinen Schoß und berührst sie vorsichtig und zärtlich mit deiner Rechten. Ziehst irgendwann die Linke weg.
Streichelst meine Finger.
Als sich einer der Darsteller selbst umbringt, zucke ich zusammen.
Das ist jetzt einen Monat her. Und ich merke mal wieder, nichts ist für die Ewigkeit.




Kommentare
Ein sehr schöner Text. Du beschreibst das alles einfach bezaubernd wundervoll. Schade, dass einfach nichts für die Ewigkeit ist. :(
22.05.2008, 21:51 von NurSo...