nichtkompatibel. 19.11.2015, 22:15 Uhr 27 5

Grauzone.

Nicht das Eine, nicht das Andere. Ich kann mich nicht entscheiden, in einer Gesellschaft, die jenes verlangt und dann nicht damit umgehen kann.

Ich scheiße auf die Welt, denn sie geht den Bach runter. Es lohnt sich nicht für sie zu kämpfen. Dreh mir erstmal einen. Bin Serienjunkie und verurteile das Fernsehen, wann begreift ihr, das ist Lügenpresse und Manipulation? Prahle mir Netflix and chill. Ich bin eine, die nicht jedes Wochenende feiern geht, keine dieser billigen Bitches, die nächtlich ihre Würde verlieren. Ziehe einen Freund vor, der mir Pizza statt Rosen schenkt und meinen Verlobungsring in einem Cheeseburger versteckt. Bin unkompliziert, bin anders, liebe einen guten Mittagsschlaf. Verbringe Nachmittage im Netz, vor YouTube-Videos und in sozialen Netzwerken. Führe fleißig meinen tumblr-blog und instagram-Account, fülle ihn mit gefilterten Fotos meines Kaffees und mir in übergroßen Sweater, den Rücken zur Kamera, auf verlassenen Bahngleisen im Schneidersitz sitzend. Bin ein Punk des Internets, like Anonymous-Posts und pöble auf social media rum, kommentiere was das Zeug hält.


Ich bin nicht einer dieser Technikverblendeten. Ich lebe den Moment, genieße jeden Augenblick aus vollen Zügen. Man lebt nur einmal. Tue was du liebst. Lass dir ein Tattoo stechen, wenn dir danach ist. Vielleicht was von Casper, er versteht mich. Lass dir auch eins stechen, wenn dir nicht danach ist. Sei stolz auf deine Jugendsünden und deine Narben. Nur Menschen mit einer Geschichte sind interessant. 
Ich bin eine, die in ihrer Kindheit noch mit aufgeschlagenen Knien nach Hause kam. Bei meinem Work and Travel nach dem Abitur in Australien hab ich mich selbst gefunden, herausgefunden wer ich bin. Rebellion gegen die Leistungsgesellschaft, in der nur gute Noten und Diplom zählen. Natürlich musste ich meine Erfahrungen teilen, habe Land und Leute fleißig auf Fotos festgehalten und direkt geteilt, man muss schließlich die Möglichkeiten der heutigen Technik zu nutzen wissen. Ich bin politisch interessiert, gehe auf Demos und unterschreibe Petitionen gegen Rassismus und Tierquälerei und setze mich für die Einführung des veganen Gerichts im Wochenplan der Studentenmensa ein. Der IS ist schlimm, das Attentat in Paris erst Recht. Ich ändere mein Profilbild auf Facebook in die Farben Frankreichs tricolore. Klar bringt das nichts und überall passieren schlimme Dinge, doch das ist angebrachte Anteilnahme. Bitte was? Achso, nein, beim gemeinsamen Gedenken in der Innenstadt an die Opfer in Paris war ich nicht anwesend, aber ich hab die Veranstaltung geteilt. Naja, hat man die Jogginghose erstmal an, zieht man sie halt nicht mehr aus.

Ich feiere gern exzessiv. Breche in Clubtoiletten und spiele Bierpong, genieße meine junges Dasein. Bin dabei aber nicht so wie die anderen, finde "Atemlos" zwar furchtbar und verbraucht, aber ein paar Shots später lässt sich der Text einfach zu gut mitgrölen. Das ist ein Lebensstil. Wer Montagmorgens gut aussieht, hatte ein mieses und langweiliges Wochenende. Man muss auch mal leben! Aber in die Uni muss ich trotzdem. Bin ja schließlich kein Versager, eskaliere nur an Wochenenden, den Rest der Woche bei Vorlesungen am Arbeiten an meiner vielversprechenden Karriere. RTL-Mittagspause als Ego-Streichelei und Negativbeispiel.

Also entscheide dich, wer bist du? 

Ich kanns nicht. Bin weder Pessimist, noch Optimist, kein Misanthrop, kein Gesellschaftsmensch. Kein Partygirl, keine Couch-Potato. Kein Hipster, kein Punk, kein Karrieremensch. Nicht gleichgültig, kein Zuschauer, doch nicht aktiv. Gerne verrückt, doch nicht für jeden Spaß zu haben. Nicht schwarz und nicht weiß. Bin ich schuldig? Gesichtslos? Ist das erlaubt?

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27 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Ich paff dir mit dem Joint nen Ring an Finger.

    23.11.2015, 09:02 von Sir_Tobi
    • 0

      na von dem hab ich aber nicht lange was. ^^

      23.11.2015, 16:34 von nichtkompatibel.
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    kiffen ist schon einmal ein anfang. vom ende. aber das kommt eh, also was solls.

    23.11.2015, 00:12 von libido
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  • 2

    Vielleicht voller Widersprüche, aber keiner davon dämlich. Das ist genau die Mitte, die unsere Gesellschaft zusammenhält.
    Gefällt:
    "Das ist ein Lebensstil. Wer Montagmorgens gut aussieht, hatte ein mieses und langweiliges Wochenende. Man muss auch mal leben."

    22.11.2015, 10:42 von FruechteMuesli
    • 2

      Und was ist an dem Widerspruch jetzt nicht dämlich? Erholung ist kein Leben? Nur wer säuft, darf Montags scheiße aussehen?

      22.11.2015, 15:33 von quatzat
    • 0

      Nein, so natürlich auf keinen Fall. Hab mich wahrscheinlich zu persönlich ertappt gefühlt, weil ich zu viele Jahre nicht wirklich gelebt/gefeiert habe. Trotzdem hast du recht: Ein für mich perfekt verbrachtes Wochenende endet definitiv nicht betrunken! Sondern vielleicht erholt auf einem Berggipfel oder mit Freunden beim Brunch. :)

      22.11.2015, 15:52 von FruechteMuesli
    • 1

      Ok. Gut.

      Dann hätte ich gerne zwei Körbchen Heidelbeeren.

      22.11.2015, 16:01 von quatzat
    • 0

      Wird gebongt! Werden auf dem Weg zu dir nur wahrscheinlich schock-gefrostet.

      22.11.2015, 16:03 von FruechteMuesli
    • 0

      Das ist doch super.

      22.11.2015, 16:04 von quatzat
    • 1

      @quatzat: genau das ist es ja. erholung ist leben, ob nun mit feiern oder sonst wie, das darf jeder für sich entscheiden. dass man allerdings in manchen kreisen nicht das wochenende glücklich mit sich allein zu hauseverbringen darf, ohne als langweiler dazustehen, ist lächerlich, und das wollte ich mit dem satz darstellen.

      22.11.2015, 18:23 von nichtkompatibel.
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    • 0

      Bierpong gabs in Dänemark in der Hafenkneipe. Ganz obskurer Sport...
      :D

      20.11.2015, 11:06 von sailor
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    • 1

      Ich war auch ganz vom Söckchen...

      20.11.2015, 11:55 von sailor
    • 0

      Bei uns ist das weitverbreiteter Mannschaftssport :D

      20.11.2015, 12:48 von nichtkompatibel.
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  • 1

    War das Motto in der Textwerkstatt: bringe so viele dämliche Widersprüche wie möglich in einem Text unter?

    20.11.2015, 09:14 von quatzat
    • 0

      Neon in einem Text zusammengefasst

      20.11.2015, 10:30 von chiral
    • 0

      ein bisschen, ja.

      20.11.2015, 12:47 von nichtkompatibel.
    • 0

      ok 

      20.11.2015, 13:05 von quatzat
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    • 2

      Mir gefällt es, kleine Kinder aufzuschlitzen und mit ihren Eingeweiden ihre Mütter zu füttern.

      Voll erlaubt!

      20.11.2015, 09:16 von quatzat
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    • 1

      Nee, bei der katholischen Kirche.

      20.11.2015, 12:02 von quatzat
    • 1

      Bei der katholischen Kirche ? Aber doch nicht als Pfarrer, wie er in der folgenden Geschichte auftritt, oder ?

      Immer häufiger kommt ein fremder Mann zu Mami und die beiden verschwinden im Schlafzimmer.
      Eines Tages versteckt sich der 8-jährige Sohn im Kleiderschrank, um zu beobachten, was die beiden so machen. Auf einmal kommt der Ehemann überraschend nach Hause.
      Vor Schreck versteckt die Frau den Liebhaber ebenfalls im Schrank.
      Der Sohn: "Dunkel hier drin."
      Der Mann flüstert: "Stimmt."
      Der Sohn: "Ich habe einen Fußball."
      Der Mann: "Schön für dich."
      Der Sohn: "Willst du den kaufen?"
      Der Mann: "Nee, vielen Dank."
      Der Sohn: "Mein Vater ist draußen."
      Der Mann: "OK, wie viel?"
      Der Sohn: "250 EUR."
      In den nächsten Wochen passiert es noch mal, dass der Sohn und der Liebhaber im gleichen Schrank enden.
      Der Sohn: "Dunkel hier drin."
      Der Mann: "Stimmt."
      Der Sohn: "Ich habe Turnschuhe."
      Der Mann (in Erinnerung gedanklich seufzend): "Wie viel?"
      Der Sohn: "500 EUR."
      Nach ein paar Tagen sagt der Vater zu seinem Sohn: "Nimm deine
      Fuáballsachen und lass uns eine Runde spielen."
      Der Sohn: "Geht nicht, habe alles verkauft."
      Der Vater: "Für wie viel?"
      Der Sohn: "750 EUR."
      Der Vater: "Es ist unglaublich, wie du deine Freunde betrügst. Das ist viel mehr, als die Sachen jemals gekostet haben. Ich werde dich zum Beichten in die Kirche bringen."
      Der Vater bringt seinen Sohn in die Kirche zur Beichte, setzt ihn in den Beichtstuhl und schließt die Tür.
      Der Sohn: "Dunkel hier drin."
      Der Pfarrer: "Hör auf mit der Scheiße!"

      23.11.2015, 15:22 von Cyro

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