smillalotte 08.01.2019, 23:33 Uhr 0 3

Gedankenflut und Himmelsdecke

Heftig atmend stößt er die Tür auf und stolpert nach draußen, sinkt in den Schlamm. - Was mache ich hier eigentlich?

Tschüß!

Da lacht diese Frau ihn doch tatsächlich aus, weil er breit gefächerte Interessen habe. Zugegebenermaßen ziemlich breit; (zwischen Arbeitsrecht, Sozialmanagement und Kinderbuchautor ist die Schnittmenge nicht besonders groß). Ja nun.

Was macht der kluge Mensch jetzt mit diesen Informationen? Er brainstormt.

Gesagt, getan.

Vier DINA 4 Seiten mit Wörtern und Kringeln, Linien und Pfeilen später ist er immer noch ratlos. Der Kopf zwar leerer, die Worte nun auf dem Papier, dennoch bleiben Fragen.

Antworten? Fehlanzeige. Erstmal schlafen.

Kaffee, Zigarette, nochmal dransetzen.

Der Alltag mit seinen Unwägbarkeiten schlägt sich auf sein Gemüt nieder, er fährt mit dem Auto durch die Gegend und sinniert bei zu lauter Musik und seinem Gebrüll, welches ein Singen sein könnte, krampfhaft über etwas anderes nach. Wieder und wieder schweifen seine Gedanken ab, er fährt schneller, dreht die Anlage lauter. Jetzt auch noch aggressive schrille Musik, die seine Gedanken rasen lassen.

Das Auto brettert in halsbrecherischer Geschwindigkeit über einen Feldweg, er verreißt das Lenkrad und kommt nach fünf Meter langem Bremsweg im Matsch zum Stehen.

Heftig atmend stößt er die Tür auf und stolpert nach draußen, sinkt in den Schlamm.

- Was mache ich hier eigentlich?

Der Gedanke setzt erst ein, nachdem er sich einige Minuten ausgekeucht hat. Er steht auf, streift die Matschklumpen von seinen Händen und geht los. Wohin?

Mal sehen. Nur in dieses Fahrzeug bringen ihn keine zehn Pferde mehr. Auch nicht elf.

Sein sonst so geschultes Auge beachtet weder die Landschaft noch die weißen Fetzen, die sich nun durch die graue Himmelsdecke drängen. Er marschiert. Zuerst noch angemessen, dann wird er schneller und schließlich läuft er, rennt um sein Leben.

Welches Leben?

Das beschauliche, ruhige, welches er gerade noch zu haben gewähnt hatte?

Das wilde, zügel- und rastlose Leben mit dem schlammigen verbeulten Auto?

Er kann nicht mehr und wird langsamer, keucht, hustet, stoppt abrupt ab.


- Was genau passiert hier?

Eine dunkle Eichenwand, fahles Licht, besorgte Stimmen. Seine Augen klappen auf, wieder zu,auf und sehen. Die rundliche Frau beugt sich über ihn und er denkt - schöne Locke, die da hinter dem Ohr heraus lugt.

Sollte er nicht besorgt sein, sich fragen, wo er ist? Wer die Leute sind, deren Stimmen inzwischen lauter zu ihm durch dringen?

„Wie heißen Sie? Können Sie mich HÖREN?“

Schrei ihn doch nicht so an! Er muss ja Angst bekommen!“

Mühsam rappelt er sich hoch, stützt sich auf schmerzende Ellenbogen und sieht sich um. Gaststätte, 80er Jahre Interieur, fremde fragende Gesichter.

- Ich geh' dann jetzt mal. Danke. Tschüß.

„So können Sie doch nicht gehen, wer sind Sie und wo wohnen Sie? Was ist passiert?“

- Ich gehe.

So drängelt er sich durch die Menschen und ihre Worte zur Tür und findet sich auf einer dunklen Straße wieder.

Türenklappen, zweimal.

"Warten Sie doch, wir wollen doch nur helfen!“

Scheu blickt er sich noch einmal um und geht. Wackelig zwar, aber es funktioniert.

Geht. Einfach so. Zurück in sein Leben. In seine Gedankenflut.

Die Antworten sind verschwunden, die Fragen warten.

Nur nicht auf ihn.


Tags: Aha, und dann?, zu laute Musik, Gedankenflut, Himmelsdecke, zurück, Tschüß
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