lafillelea 05.12.2017, 16:04 Uhr 4 2

Für Lena

Die Melancholie des Abschiedes, oder auch eine Liebeserklärung an die Freundschaft


Ich werfe meinen grauen Hoodie über und nehme nichts mit außer mein Handy, Schlüssel und Kopfhörer. Werde eh nicht lange bleiben denke ich, will das ganze eigentlich nur schnell hinter mich bringen - ich hasse Abschiede. Die Tür fällt ins Schloss, und mir prasselt der Regen direkt schonungslos ins Gesicht. Das „Scheiß Sommer“ was ich während dessen von mir gebe verliert sich im Geräusch des Regens, genau so wie meine letzte Hoffnung auf ein paar warme Tage, also starte ich meinen Parkour zwischen Regenpfützen, Hundehaufen und Kaugummis. Sie wartet gerade extra nur noch auf mich, hat eigentlich gar keine Zeit um in irgendeiner Bar zu chillen, vier Kieze weiter als von ihrem eigenen. Mein schlechtes Gewissen ist mein Antrieb, ich renne, bin endlich da. Über die Dielen, die wie gierige, ausgehungerte Raubtiere knarzen schaffe ich es nun endlich mich auf den alten Sessel neben ihr fallen zu lassen. Smalltalk. Wie beim PingPong spielen wir uns zu fünft mit Schiedsrichter gegenseitig die Sätze zu. Der Versuch irgendwie das alles hier normal wirken zu lassen. Der Versuch zu verdrängen, dass wir uns so in dieser Konstellation frühestens in einem halben Jahr wiedersehen werden. Es gelingt kurz, doch während die anderen such weiter den Ball zu spielen, bemerke ich wie sie nervös an ihrem Kleid hin und her zuppelt. Wie sie ihre blonden Haare zwischen ihren Fingern zwirbelt, bis sie letztendlich das Spiel unterbrich und sich geschlagen gibt. „Ich muss jetzt echt reinhauen Leute“, sagt sie mit ihrem typischen Grinsen, dass dieses mal aber einen Touch von Traurigkeit inne hat. Während das aufprallen des Balls auf der Tischplatte noch weiter zu hören ist gehen wir zu dritt vor die Tür. 

Das ist er, der erste Abschied von vielen, die uns bevor stehen werden. Wir stehen zu dritt in einem Kreis der Vertrautheit, der Liebe für einander und der Dankbarkeit für jede einzelne Sekunde, die wir in den letzten zwei Jahren miteinander teilen durften. Es folgt eine lange, enge, und ehrliche  Dreierumarmung, die so viele Erinnerungen hervorruft. Erinnerungen an Abende, an denen wir uns genauso trunken vor Glück - und Weißwein, in den Armen gehalten haben. Umarmungen bevor sie mir stolz ihren neusten, knallbunten Flohmarkt Fund präsentiert hat. Umarmungen in ihren Chaoszimmer, zwischen Kabeln, bergen von Wäsche, Unitexten und Glitzerstaub. Umarmungen nach langen Gesprächen in irgendwelchen Neuköllner Hinterhöfen, bei denen sie mir was zurückgegeben hat, was mit jemand anderes genommen hat. Umarmungen, wenn sie mal wieder dreißig Minuten zu spät gekommen ist.

Unweigerlich laufen ihr aus den mit Kajal bemalten Augen Tränen hinunter „Fuck, dass ist gerade einfach nur der Übergang ins Ungewisse. Ich weiß selber, dass sobald sich die Kurze neigt, die Spannung ein wenig nachlässt… ich voll… glücklich werde“. Sie wischt sich die Tränen weg, und genau in diesem Augenblick wird es auch mit selber das erste mal bewusst. Was bis jetzt immer nur ferngesteuert und mechanisch, dennoch durchaus euphorisch aus meinem Mund geflossen ist, wird Realität. Genau in vier Wochen werde ich hier irgendwo stehen und das alles zurücklassen, um mich in was ganz neues zu stürzen. „Ok, komm eine letzte Umarmung und dann hauen wir alle rein“, sage ich mit belegter Stimme, und öffne meine Arme, Der braune Lockenkopf links neben mir drückt unsere Hände fest. Die Menschen laufen irritiert an uns vorbei. „Wir zählen jetzt bis drei, und dann verziehen wir uns jeder in die unterschiedlichen Himmelsrichtungen“, führe ich fort. Und so geschieht es. Wir zählen zusammen runter, lösen unsere Hände. Während sich der Lockenkopf umdreht und wehmütig zurück in die Bar trottet drehe ich mich rechts um Richtung Zuhause.


Ich laufe einige Schritte und drehe mich noch einmal um und sehe wie  sie in die entgegengesetzte Richtung läuft, geradewegs in ihr Abenteuer hinein. 



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4 Antworten

Kommentare

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    Ich fand den letzten Text besser, vielleicht auch weil dieser hier eine ähnliche Thematik hat, aber nicht für diese Emotionen sorgt, die der andere geschafft hat, hervorzuholen, da hier gerade in den Beschreibungen des Abschieds etwas fehlt, was mich im letzten Text gepackt hat. Dafür sind die Vergleiche sehr schön gewählt.


    Es scheint ein Thema zu sein, welches dich gegenwärtig sehr beschäftigt. Würde gerne lesen, wie es weitergeht, wie du fühlst, wenn du alleine bist.

    08.12.2017, 21:22 von remydesilva
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    ROMANTIK! 

    08.12.2017, 08:38 von sailor
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    Ehm....

    07.12.2017, 09:41 von TrustYourself
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      Ähh?

      08.12.2017, 00:10 von Freyr
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