Für ein Studienfach entscheiden und das Leben planen?
Ach wie schwierig ist es doch, sich zu entscheiden! Vor einem Jahr habe ich die wohl berühmtesten Schritte auf dem Weg zum Erwachsen werden gemacht.
Nach dreizehn sagen wir durchwachsenen Jahren war es das dann auch mal mit Schule vorbei und da mich die netten Herren von der Bundeswehr glücklicherweise nicht brauchten, konnte ich mich direkt fürs studieren entscheiden und passend dazu bei den Eltern ausziehen. Und das war der einfache Teil, denn das ich studieren wollte, war lange klar. Denn das entscheiden für ein Studium fällt den meisten leicht. Wie häufig hört man, dass das Studium die schönste Zeit des Lebens sei, dass die besten Freundschaften gerade im Hörsaal entstanden sind und das nicht wenige den Mann oder die Frau fürs Leben irgendwo auf dem Campus trafen. Zwar wird studieren häufig völlig romantisiert, denn all zu oft sind die Parallelen zur Schule mehr als gegeben. Übungen abgeben, nur für die Klausur lernen und fürs Wochenende leben. Das rückwirkend nahezu uneingeschränkt toll finden, liegt sicher daran, dass man Erlebtes im Nachhinein immer höher bewertet. Welcher Schüler sagt schon, dass ihm die Schulzeit wahnsinnig gefällt und wie häufig hört man im Nachhinein, dass es doch irgendwie super war.
Trotzdem! Arbeit geht noch gar nicht und noch viel wichtiger als die Freiheiten in Zeiteinteilung und in der Menge des eigenen Engagements ist die Aussicht auf einen interessanten Beruf.
Und genau da wird es schwierig. Jetzt kommt der Teil, den wohl jeder Student mehr oder weniger gleichzeitig unglaublich interessant und ebenso völlig beängstigend fand und findet.
Mal ehrlich. Das was man in der Schule lernt ist zwar zum Teil interessant, hat aber relativ wenig mit dem zu tun, was an der Uni dann Thema ist und außerdem wird ja generell nur ein kleiner Teil der Fächer abgedeckt.
Also doch lieber Ratschläge von den Eltern? im Normalfall sind das ja zwei Personen mit zwei beruflichen Erfahrungsschätzen, also auch eher ein endlicher bis spärlicher Fundus an Informationen oder Meinungen.
Weiter geht es häufig mit Informationsveranstaltungen an den nahegelegenen Unis. Anderthalb Stunden redet ein Dozent des Faches darüber, wie wichtig das Fach heutzutage doch sei und wie nötig neue Absolventen gebraucht werden oder verdeutlicht die Schönheit des Faches mit ein paar Zitaten unantastbarer Autoritäten. Auf jeden Fall darf der Musterstundienplan nicht fehlen und auch die Bewerbungsformalitäten müssen erwähnt werden. Am Ende solcher Uni-Info-Tage geht man mit dem schönen Gefühl nach Hause, dass man jetzt zwar weiß, wohin die Bewerbung soll, allerdings keinen Schimmer hat, was einen später genau im Studium erwartet und viel wichtiger, dass man keine Ahnung hat, wie und wo und was es mit dem Beruf später auf sich hat.
Und da kann man den Organisatoren gar keinen Vorwurf machen, denn letztendlich weiß ich jetzt nach einem Jahr, zwei Semestern, zwei Prüfungsphasen, elf Klausuren und doch schon unzähligen Vorlesungen immer noch nicht was ich letztendlich gerne machen möchte oder auch nur was ich machen kann.
Spätestens nach den wunderbaren Informationsveranstaltungen werden die Freunde und Verwandten als Berater eingesetzt oder setzten sich ein.
Während Freunde häufig freiwillig dazu genommen werden, weil deren Rat wichtig ist und in diesem Kontext in den letzten Jahren alles bewertet wurde, glänzen Verwandte bei jeder Gelegenheit, jedem Familienfest und jedem Café mit der tollen und kreativen Frage, was man denn jetzt vor hätte, wo einem doch jetzt die Welt offen stände. Erzählt man dann in einigen Sätzen und viel häufiger noch in ein paar Wörtern a la Studium, Berlin, Technische Uni gibt es je nach Fach entweder Reaktionen, die ein gewisses Entsetzen mit der Bekundung, dass die lieben Verwandten selbst sowas nie studiert hätten, weil es ihnen zu schwer wäre oder weil man damit ja keine Familie ernähren könne oder manchmal gibt es natürlich auch zureden bis keine großartige Reaktion.
Da sitzt man dann also. Kann sich entscheiden für eine Stadt, eine Universität, einen Studiengang. In welcher Reihenfolge auch immer.
Dabei gibt es dann auch nur wenig in dem Moment beneidenswerte Menschen, die nur einen Wunsch haben. Von denen man hört, dass sie schon immer und von Kindesbeinen an Fächer wie Medizin studieren wollten. Ein bis zwei Fragen später kommt dann raus, dass die Eltern diesen Weg gegangen sind oder das der angehende Medizinstudent der absolut größte Dr. House-Fan ist.
Die meisten haben dann (leider) doch entscheidend mehr Interessen.
Lieben Literatur, malen gerne, träumen vom Filmgeschäft, würden gleichzeitig auch gerne einmal ein Auto entwerfen oder die Welt durch umweltschonende Energiegewinnung besser machen. Letztendlich hat man auch den Anspruch, dass das eigene Gehalt später nicht geringer ist, als das der Eltern. Allein schon weil man den eigenen Kindern später auch wieder ein eigenes Auto, den Führerschein oder eine eigene Wohnung bieten möchte. Spätestens jetzt kommen weitere Kriterien zur Berufswahl und damit ja doch auch irgendwie Lebenswahl, denn der Beruf prägt ja immer auch den Menschen, selbst wenn dies vielleicht nur indirekt durch die neuen Umstände, wie Krawatte tragen, im Ausland oder einer anderen Stadt arbeiten, geschieht.
Diese weiteren Kriterien erfragen dann neben dem Interesse auch die Tauglichkeit. Bin ich körperlich in der Lage Arzt zu werden oder macht mir mein Rücken so schon nach vier Stunden stehen das Leben zum K(r)ampf? Habe ich den Notendurchschnitt den das Wunschstudium benötigt? Nimmt mich die Kunsthochschule obwohl ich nicht seit 12 Jahren alles von Beethoven bis Wagner spielen kann? Schaffe ich den Matheteil eines naturwissenschaftlichen Studiums? Kann ich mir die Studiengebühren in Hamburg oder gar an der privaten Wirtschafts- oder Eliteuni leisten? Kommt meine Freundin mit nach München?
Stundenlang sitzt man rum und denkt über sich, die Zukunft und das bisherige Leben nach. Das kann unheimlich Spaß machen, ist allerdings häufig auch ziemlich unproduktiv und ein klares Ergebnis hält ja doch selten länger als eine Nacht.
Man ist also nüchtern betrachtet schon ahnunglos und soll doch eine Entscheidung treffen, die wie man immer wieder hört, dass eigene Leben bestimmen.
Wie habe ich mich also entschieden?
Für Berlin hatte ich mich entschieden. Ich war erst wenige Jahre vorher aus Hamburg gekommen und wollte einmal wirklich in Berlin drin statt draußen vor der Stadt leben. Dann habe ich irgendwie eine von drei Bewerbungen unabsichtlich falsch ausgefüllt, so dass ich statt Berlin in Kiel das Fach hätte studieren sollen. also blieben noch zwei von drei Studienplätzen, die ich beide erhalten habe, da ich gerade in den Prüfungen des Abiturs viel Glück hatte. Da eine Bewerbung aber mehr eine Sicherheits- bis Alibibewerbung war, war mir die Entscheidung abgenommen und ich immatrikulierte mich für das letzte Fach.
Das fühlte sich irgendwie schon komisch nach dem ganzen nachdenken an, aber noch ein Semester warten wollte ich nicht und hätte mir auch nichts gebracht. Bei dem Fach ist es trotz anfänglichem Wechselgedankenspielen auch geblieben. Und da ich gerade die zweite Prüfungsphase und damit eine Menge trockene Grundlagen hinter mich gebracht habe, wird es wohl auch dieses Fach und damit Berufsgebiet bleiben. Mittlerweile denke ich, dass man sich zu viele Gedanken macht, dass man sowieso nur einen wirklich geringen Teil des Lebens und des Berufes beeinflussen kann. Dabei glaube ich nicht an Schicksal oder so etwas entlastendes und abstraktes, aber auch der Zufall bedingt das eigene Leben doch erheblich. Wichtig ist doch auch, ob man sich dann in der Uni wohl fühlt. Findet man guten Anschluss zu den neuen einen umgebenen Menschen? Kann man in und mit der Wohngemeinschaft was erleben? Schafft man den Stoff und ist mit den eigenen Leistungen zufrieden? Letztendlich geht es ja dann auch ums Geld verdienen und man muss den Studiengang eigentlich auch nicht begründen. Und wenn doch, dann kann man immer sagen, was gerade erwünscht ist.
Letztendlich ist es ziemlich schnell wieder so, dass Uni wieder wie Schule ist und ab Montag wird das nächste Wochenende geplant und herbeigesehnt! Spaß und Freunde!
Bleibt vielleicht ein wenig das Gefühl, dass man doch nach der Schule nur noch das machen wollte, was einen interessiert und das man doch solange über das Studieren nachgedacht hat, da muss doch ein Ergebnis entstanden sein. Und ganz besonders wollte man doch auch werden. Irgendwie vielleicht berühmt und doch am Ende sagen können, dass das eigene Leben einen besonderen Sinn hatte. Also doch lieber mit dem eigenen Leben etwas anderes machen? So denkt man also weiter nach.
Die Zeit vergeht… und dann muss man doch lieber schnell für die nächste Klausur lernen als weiter zu zweifeln oder besser noch… Dringend mal wieder mit alten oder neuen Freunden feiern!!





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