OutOfMind 11.04.2006, 15:51 Uhr 0 0

Frühlingsgefühle?

früher ging ich fest davon aus, der frühling wäre ein kleiner, unnützer lückenfüller zwischen einem herrlich kalten winter und dem strahlenden sommer.

ich hab mich wohl getäuscht.

dieses jahr ist das anders.
noch nie zuvor befand ich mich in so einer situation, die sich wohl am ehesten als lethargie beschreiben lässt. es ist wirklich keine depression, dazu bin ich wohl doch ein zu fröhlicher mensch, es ist eher dieses gefühl von ungewisser leere, das mich momentan befällt.

ich wache morgens auf, mein blick fällt auf die straße, den schneematsch der in gelblichem grau das unwirtliche kopfsteinpflaster bedeckt. ich kann es nicht mehr sehen.

eigentlich mag ich den winter, weil er bei mir immernoch verknüpft ist mit impressionen einer unberührten schneelandschaft, in der ich als kleiner fleck mit meinem snowboard an den füßen, einem atemberaubenden alpenpanorama vor mir und einer klirrenden kälte um mich herum auf die abfahrt meines lebens warte.

doch das was sich momentan da draußen abspielt hat schon lange nichts mehr mit diesem idyllischen bild zu tun. die funkelnden eiskristalle in meiner erinnerung vermögen nur noch sehr schwach die sonne am leuchten zu halten, die normalerweise stetig aus meinem allerwertesten zu scheinen pflegt.

wenn ich mich dann endlich aufgerafft habe, mich ins bad schleppe um mich fertig zu machen für den nächsten arbeitstag, der dem vorangegangenen gleichen wird, auch ohne dass unmengen von arbeit auf mich warten, dann wünsche ich mir nichts mehr, als ein wenig sonne. sonne auf der straße. sonne in mir.

ich sehne den mai herbei. mai, kein april mehr. kein schneeregengestöber das die gerade noch herrschende wärme verdrängt. ende mai, wenn ich mit meinem zivildienst fertig bin, mich hoffentlich langsam mal für mein künftiges studium entschieden habe. nicht, dass mein job irgendwie stressig wäre, oder meine kollegen unerträglich. es kommt mir nur alles so eintönig, und trotzdem unbeständig vor. alles so aprillig.

zum ersten mal freue ich mich richtig und ehrlich auf den frühling, freue mich auf alle umbrüche die er mit sich bringen wird. umbrüche, die sich so in meinem leben wohl noch nie abgespielt haben. endlich die kalte unwirtlichkeit der letzten zeit abstreifen, einen frischen neuen tag erleben.

ich will zwitschernde vögel hören, ohne dabei unweigerlich an das unwort des jahres 2006 denken zu müssen, will im gras liegen können, mich von warmen strahlen kitzeln lassen, wie das kein solarium vermag, will mich endlich den frühlingsgefühlen hingeben können die einen single in diesen monaten zu überkommen pflegen.

doch hey, ich sehe sonnenstrahlen auf die schneefläche vor dem fenster fallen!


Selmo

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare