Freitags Zehnägel lackieren
Jeden Sonntag ein trockener Mund. Einen kleinen Schluchzer unterdrücken, tapfer auf dem Bahnhofsvorplatz eine Zigarette anzünden....
...und in eine Woche aufbrechen die du allein bewältigen wirst.
Freitag.
Der Kühlschrank ist voll mit kaltem Bier, Obst, keine Erdbeeren, die magst du nicht, Fleisch und Gemüse. Wir wollen Grillen auf der Terrasse im vierten Stock unserer Wohnung die von Sonntagabend bis Freitag meine Wohnung ist. Wir werden keine Zeit haben einzukaufen, wir werden uns weigern uns Zeit zu nehmen, denn wir haben nur ein Wochenende.
Nach dem Studium schnell einen Job finden, keine Lücken im Lebenslauf zulassen - dafür sind immer mehr junge Menschen bereit, ihren Job fern von Heimat und Freunden zu erledigen. „Ich bin doch nur zum Arbeiten hier.“ Damit er schon am Donnerstag nach Hause fahren kann, verbringt P. mindestens 12 Stunden am Tag in seinem Kölner Büro. Die Gesichter im ICE kommen ihm bekannt vor. Das Bonuspunktekonto bei der Bahn platzt aus allen Nähten. Mobilität ist alles. Doch die Kürzungen im Sozialleben ersetzt keiner wenn die guten Jobs immer woanders sind. „Das ist eine Lösung für zwei bis drei Jahre, dann spätestens will ich wieder in Berlin arbeiten.“ nimmt sich P. vor. Bis dahin einen guten Job machen und sich nur kurz ausheulen können am Telefon, weil es Geld kostet und eh nur halb tröstet.
Doch die Trennung auf Zeit hat auch ihr Gutes. Man freut sich wieder aufeinander und umgeht den Alltag der so oft Beziehungen killt. P.’s Freundin hat sich vorerst arrangiert. Sie versucht der Situation das Beste abzugewinnen. Von Montag bis Donnerstag arbeitet sie und trifft sich mit Freunden – ganz normal. Doch nie sind ihr Beine glatter rasiert, der Kühlschrank voller, die Zehnägel roter lackiert als am Freitagabend, dem Höhepunkt einer Wochenendbeziehung. Trotzdem: „Wenn du am Samstag mit Kopfschmerzen und schlechter Laune aufwachst, dann solltest du das auch zeigen. Es nützt nix, sich für das Wochenende zu verstellen, nur um später zu bemerken, dass man sich während des ganzen hin und her Reisens irgendwo verloren hat.“ Damit das nicht passiert helfen Rituale: Erst essen gehen, dann den Baum vor dem Fenster begrüßen, im Bett liegen und Höhlen bauen, sich richtig betrinken und bis in die Nacht erzählen.
Sonntag.
Einer bewegt sich mit 300 Kilometern pro Stunde in die falsche Richtung. Die andere sitzt mit knallrot lackierten Zehnägeln vor dem Fernseher und wünscht sich, dass der Tatortkommissar doch auch ihren Fall endlich löst. Das Bett ist viel zu groß, aber im Lauf der Woche gewöhnst du dich dran, bis am Freitagabend wieder einer neben dir liegt. Endlich.





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