Es ist schön zu wissen, dass ich alleine bin.
Um dich pulsiert es. Samstagnacht. Du fühlst förmlich die Blicke, du riechst die Sätze, du hörst die unausgesprochenen Wünsche, die dich umgeben.
Es ist ein Spiel.
Man kokettiert, man lächelt sich an, man ist sich nahe und distanziert sich sogleich.
Man fühlt sich herausgefordert, man ist Teil des Spiels.
Du sitzt am Rande und rauchst.
Beobachtest das Tosen, das für dich nach tausend Bienen klingt, die in ihrem Stock schwirren und verzweifelt mit den Flügeln schlagen, und alles was du denken kannst ist:
Es ist schön zu wissen, dass ich alleine bin.
Du wartest auf deine letzte Ubahn.
Um dich herum verschwimmen einzelne Personen zu einer klumpigen Masse von Wartenden.
Der Bahnsteig wird zur Bühne deiner Vergangenheit.
Du siehst Jugendliche, die sich in Rudeln aneinanderdrängen.
Die laut und überschwänglich über Dinge lachen, die sie noch nicht erfassen können.
Du siehst Paare, die aneinander festhalten, als wüssten sie, dass jederzeit die nächste Bahn einfährt, und einer sagen wird ... nein .. bis hierhin und nicht weiter, ich bleibe hier und warte, was mir die nächsten bringt.
Du siehst äusserlich verbrauchte Menschen, die versuchen sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr die Erkenntnis der Vergänglichkeit an ihnen zehrt.
Und kurz bevor die eiskalte Hand der Panik deinen Nacken ergreifen kann, in dir ein Gedanke:
Es ist schön zu wissen, dass ich alleine bin.
Du sitzt in deinem Bett und fühlst dich endlich sicher, vor all dem Lärm, der dich da draussen bestürmt.
Du nagst an deinem Donut, der dir wie eine in Zucker gegossene Festung der Vergnügungsgesellschaft erscheint.
Du fühlst die Erleichterung, dem Wahnsinn entkommen zu sein der dich selbst in Gesellschaft von Freunden manchmal zu verfolgen scheint, wie einen warmen Wasserstrahl auf deinen Rücken prasseln.
Du geniesst das Gefühl zu wissen, dass du für dich alleine bist, und irgendwann beschlossen hast, den endlos fahrenden Zug zu verlassen.
Du fühlst dich richtig.
Alleine.
Für dich.
Mit dir im Einklang und vor allem in einer grauenhaften Disharmonie mit all den Anderen.
Du zelebrierst den Moment der Erkenntnis, dass man nur frei sein kann, wenn man sich selbst genügt.
Es singt in deinen Ohren, in einer unumstösslichen Gewissheit:
Es ist schön zu wissen, dass ich alleine bin.
Du machst das Licht aus und hörst auf die Stille, die dich umgibt.
Die Leere.
Die Dunkelheit.
Die absolute Ruhe.
Und du verbeugst dich unter Schmerzen vor der Gewissheit, dass das Gefühl der Unverwundbarkeit, das du heute Abend genossen hast, morgen nicht mehr existieren wird.
Du krümmst dich und erinnerst dich, an das Gefuehl von Geborgenheit, das ein Mensch dir geben konnte, egal wie rücksichtslos ihr euch zum Ende hin bekriegt habt.
Und du fragst dich leise und ängstlich, ob solch ein Abend voll an Selbstbewusstsein und purer Existenz als Individuum, Jahre, in denen du an dir selbst gezweifelt und doch niemals alleine gewesen bist, auch nur annähernd aufheben kann.





Kommentare
endlich Nichtschwimmer :-)
30.01.2011, 13:08 von Rico_StgGefällt mir sehr.
@Rico_Stg ch. da muss ich gleich dendemann anschmeissen. schon lange her ^^
30.01.2011, 22:49 von sinith"Allein sein zu müssen ist das Schwerste, allein sein zu können das Schönste."
30.01.2011, 12:31 von insatiableich genieße die momente in denen es sich gut anfühlt allein zu sein, wo wir doch andauernd nach nähe und zugehörigkeit streben.
schöner text!