wirrsinn 18.03.2007, 01:17 Uhr 2 4

Erwachsen bin ich,

wenn ich meine Tasche in Ordnung halten kann, sage ich immer, was gleichzeitig impliziert, dass es wohl nie soweit sein wird.

Ich habe alle Modelle von Taschen durchprobiert, die, die eher einem Sack ähneln und die, die tausende von Fächern haben, um all die lebensnotwendigen Dinge ordentlich einsortieren zu können, Taschen, so groß wie Müllsäcke und Taschen, in die gerade mal der Geldbeutel passt- aber immer mit dem Effekt, dass sich alles, was ich mir unterwegs zu benötigen einbilde, sich in einem einzigen großen Haufen ansammelt, in dem man unmöglich das Handy finden kann, bevor es schon wieder aufgehört hat zu klingeln.
In manchen Momenten ärgere ich mich darüber, doch dann erinnere ich mich an die erfolglosen Versuche, etwas daran zu ändern und nehme es einfach so hin.
Und denke mir dann: meine Tasche ist wie das Leben.
Erwachsene können sowohl ihr Leben, als auch ihre Tasche in Ordnung halten.
Dass ich das jemals schaffen könnte, kann ich mir nicht vorstellen.
Und ich weiß auch nicht, ob ich das überhaupt will.
Denn irgendwie macht es das Ganze ja auch spannend.
Denn in meiner Tasche befinden sich neben den Dingen, die ich suche, auch eine Menge von Dingen, von denen ich nie geahnt habe, dass ich sie darin finden würde.
Und wenn ich in meine Tasche hinein greife, weiß ich auch nie so genau, was ich zu fassen bekomme.
Manchmal sind es Dinge, die ich lieber nicht gefunden hätte. Rechnungen die ich nicht bezahlt habe, ein Zettel, der mich an etwas erinnert, was ich lieber vergessen hätte. Aber manchmal sind es auch Dinge, die zu finden mir ein Lächeln entlockt.
Und manchmal stellt mich meine Tasche auch vor unüberwindbare Schwierigkeiten. Eben zum Beispiel, wenn ich etwas suche. Aber das beruhigende daran ist die Gewissheit, dass sich eben dies auch irgendwo darin befinden muss.
Manchmal verliert meine Tasche aber auch etwas. Manchmal bemerke ich das dann gar nicht, was man optimistisch dann als automatisches Entrümpeln meines Lebens bezeichnen kann,entrümpeln von Dingen, die ich eigentlich gar nicht brauche.
Manchmal vermisse ich diese Dinge aber auch schmerzlich.
Und schütte verzweifelt den gesamten Inhalt auf dem Boden aus und verfluche mich selbst, dafür, dass ich meine Tasche und mein Leben nicht in den Griff bekomme. Und schwöre mir, es ab jetzt anders zu machen.
Aber spätestens am nächsten Tag greife ich wieder in meine Tasche und finde Chaos. Und wenn ich Glück habe, ist das ein Moment, in dem ich das eigentlich ganz gut finde.

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2 Antworten

Kommentare

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    find ich gut, wird empfohlen

    07.04.2008, 23:54 von phine
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    kommt mir irgendwie bekannt vor... :-)

    28.02.2008, 13:46 von Kleiner_Onkel
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