El Gordo Triste
Bier hatte es gegeben, Bier und Korn.
Sie hatten geschwiegen und gelacht, und dann war er wieder hinaus in die Nacht und mit seinem alten Mercedes über Landstraßen gefahren, schwummrig im Kopf. Er kehrte in das Haus zurück, das viel zu groß und viel zu leise geworden war. Er stellte den Wagen auf dem Hof ab und ging hinein, durch den Nebeneingang. Früher hatten hier die kleinen Nachbarmädchen gestanden, mit Milchkannen in der Hand, und hatten darauf gewartet, dass jemand kam und ihnen verkaufte, wonach man sie geschickt hatte. Die Kleinen. Sie waren groß geworden, erwachsen, und hatten früh geheiratet oder waren fort gegangen. Es roch noch ein ganz kleines Bisschen nach dem Stroh, das sie vor dreißig Jahren eingeholt hatten, alle zusammen, die Eltern, die Geschwister, die Arbeiter. Wenn alles rechtzeitig auf dem Heuboden verstaut war, gab es eine Mahlzeit, nur eine einfache, aber mit Geselligkeit. Er ging in die Küche und legte seinen Autoschlüssel auf den Küchentisch, der für so viele Menschen gebaut worden war. So sehr er sich auch bemühte, niemals konnte er wirklich gut so tun, als sei er gar nicht allein. Die ganzen Plätze konnte er nicht ausfüllen, egal wie breit er sich machte, und Antworten bekam er erst recht nicht. Die Eckbank war staubig. Alles war staubig. Es waren viel zu viele Kubikmeter, die für nichts und wieder nichts gereinigt werden sollten. Er starrte den Tisch mit der Melancholie der Trunkenheit an und musste an Maria denken. Maria war das letzte Mädchen gewesen. Das letzte Mädchen, mit dem er vorne auf der Bank vor der Tür gesessen hatte, das er abends auf der Fahrradstange nach Haus gebracht hatte, das manchmal seine Hand hielt. Maria hatte sich ein halbes Jahr lang sein Leben angesehen. Sie hatte seine kräftigen Unterarme gemocht und ihn ein bisschen bewundert, wenn er auf dem stolzen Hof umherging und anpackte. Sie malte sich immer öfter aus, wie es sein könnte, hier zu leben und seine Bäuerin zu werden. Doch mehr und mehr blieben ihre Gedanken an der Schwiegermutter hängen, eine schwere Frau mit erhobenem Haupt und den Fäden in der Hand. Wer hier leben wollte, musste sich mit ihr arrangieren, aber sie war dabei nicht herzlich. Eines Tages, als er sie abholen wollte, schickte Maria ihren Bruder an die Haustür und ließ ihn sagen, sie könne nicht mehr mitkommen auf der Fahrradstange. Im Jahr darauf zersprang ihm das Herz, als er sie im Brautkleid sah, am Arm eines anderen. Es würde wieder ein Mädchen kommen, so hatte er gedacht. Aber es kam keins mehr. Von nun an gingen die Menschen in seinem Leben nur noch, in die Ferne, ins Nachbardorf, auf den Friedhof. Still war es geworden, mit der Stille kam der Staub, und mit dem Staub arrangierte er sich in diesem Leben. Er fühlte sich müde und ging wieder hinaus, hinein in den Mercedes, Wagen starten und los. Er war sich ein wenig unsicher ob des Weges, aber seine diffuse Ortskenntnis leitete ihn doch richtig. Vor dem Haus stellte er den Wagen behutsam aus und schaute durch die Windschutzscheibe. Es gab einen Vorgarten mit gemähtem Rasen, ein schmiedeeisernes Treppengeländer und eine Leuchte über der Haustür. Warm sah es aus, nach Frau im Haus, nach Maria im Haus. Nie zuvor war er hergekommen. Nun saß er in seinem alten Auto und sah lange das Haus an. Er roch seinen Schweiß und die feuchte Nachtluft. Er fühlte die Rückseite des Cords auf seinen Beinen, den Knopf an seinem Bauch, die Schwere der Strickjacke auf seinen Schultern. Er sah die aufgeribbelte Naht an seinem Hemdsärmel und das Leder des Lenkrads. Dann wendete er den Wagen und kehrte in seine Ruine zurück.
Recuerde y sueñe y viva, gordo lindo, amado por nosotros. Por nosotros.





Kommentare
Hey,
08.10.2007, 11:37 von jebustoller Text.Erinnert mich sehr an zuhaus, die alten Höfe, das Leben darauf.Weiß aber auch von nem Freund, dass das Leben auf diesem Hof einen sehr eingrenzen kann