menschensindwielieder 09.12.2014, 16:18 Uhr 0 1

Eingeständnis verlangt

Sie, die sich selbst suchte und etwas anderes fand

Ich habe ein sehr gutes Abitur gemacht, trotzdessen ich kaum gelernt habe, habe mich lieber herumgetrieben, Freunde getroffen, gearbeitet.
Ich hatte einen fantastischen Sommer nach meinem Abitur. Hatte zum  ersten Mal das Gefühl, dass ich jetzt wirklich erwachsen werde. Habe mein erarbeitetes Geld ausgegeben. Fürs Tanzen. Fürs Reisen. Fürs Rauchen. Es war schliesslich mein Sommer. Mein Sommer der Freiheit.
In der Freiheit habe ich mich gefunden, irgendwo in einer Spätsommernacht mit einer Flasche Wein in der einen und einer Kippe in der anderen Hand.
Ich sollte aufhoeren, soviel zu rauchen.
Ich bin doch jung.
Die Kippe soll doch nicht Sinnbild fuer mein Leben sein.
Ich will doch mehr. Leben. Erleben. Mit allen Sinnen.
Ich will die Liebe leben und das Leben lieben.

Dann habe ich das Leben in dir gefunden.
Du warst einfach da. Im Sommer. In Frankreich. Es waren soviele junge Menschen da, aber irgendwie doch nur du.
Unser erstes Gespräch, an dass ich mich erinnern kann, führten wir auf einer Bierbank. Es war Abend, aber noch lange nicht dunkel. Wir albern herum, kannten uns noch gar nicht. Spielen ein Spiel, wer dem anderen länger in Augen sehen kann. Da hatten wir uns gerade einmal zehn Minuten am Stück unterhalten.
Es klingt immer so absurd, wenn Menschen von einer Begegnung erzählen, bei der sie das Gefühl hatten, sie hätten sich schon ewig gekannt.
Aber jetzt kann ich es irgendwie nachvollziehen.
Damals, in den unbeschwerten Sommertagen habe ich nicht nachgedacht. Wollte dieses Etwas doch in keine Kategorie, in keine Schublade geben.
Habe einfach gelebt. Alles andere ausgeblendet.
Gelebt. Was ein Wort.
Ich habe gelebt.
Wenn ich gelebt habe, lebe ich dann jetzt nicht mehr? Wenn ich vom Leben in der Vergangenheit spreche, bin ich dann nicht mehr am Leben?

Ich denke an dich. Und irgendwie glaube ich ganz fest an uns.
Daran, dass wir eines Tages zusammenfinden. Wenn die Bedingungen besser sind. Wenn wir vielleicht ein bisschen gereift sind, uns gefunden haben. Wenn wir uns endlich mal alles sagen und nichts mehr zwischen uns steht. Wenn wir uns eingestehen, dass da zwischen uns was ist. Viel mehr, als wir es zulassen.

Dann fahre ich in deine Stadt und lass dich nicht mehr gehen.

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