Momo0809 10.06.2018, 22:17 Uhr 2 2

Dreamin' of Berlin

Traum für den Einen, Albtraum für den Anderen. So oder so. Berlin faszinierte mich ab der ersten Sekunde an...

Neben mir winselt ein Hund.
Durch die Bahnhofshalle, welche als Resonanzkörper dient, ist das Geräusch richtig eindringlich. Er vermischt sich mit dem Ton der aus den Lautsprechern kommt: „An alle Passagiere des…“, mehr verstehe ich nicht, da ich nun in der Schlange von Starbucks die Erste bin und mir einen Vanilla Latte bestelle.
Ein Traum.
Und ein wenig Klischeehaft, ich weiß.

Ich setzte mich mit meinem Kaffee mitten in das Getümmel und beobachte die Leute; nehme war, was um mich herum geschieht.

Vor zehn Minuten saß ich noch in meiner kleinen Wohnung, in der die Temperatur auf 26 Grad angestiegen war. Meinen prämenstruellen Gemütszustand verbesserte das nicht unbedingt.

Alles in allem hielt ich es nicht mehr länger aus weiter Trübsal zu blasen und in meiner Wohnung aka persönlichen Sauna darauf zu warten, bis sich die Situation von alleine besserte.
Deshalb sprang ich unter die Dusche, zog mein blaues Lieblingskleid an und machte mich auf den Weg zum Bahnhof.

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt den Roman von Felix Lobrecht zu lesen und der Gedanke, damit noch einen weiteren Tag warten zu müssen, machte mich rastlos und unzufrieden.
Ich wollte mich gedanklich unbedingt mit etwas völlig anderem befassen, mich in eine andere Welt befördern. Und der einzige Weg an einem Feiertag dieses Buch zu bekommen war nun einmal der Bahnhof.

Als ich auf der Straßenbahnbrücke, die sich über den Hauptbahnhof erstreckt, entlanglaufe, fühle ich mich gleich ein Stück besser. Ich fühle mich frei und es fühlt sich an, als ob ich den ganzen Städten, welche die Züge anfahren, ein ganzes Stück näher bin.

Großartig.

Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich sofort in den nächsten Zug nach Berlin steigen.
Ich kann nicht sagen wieso aber diese Stadt zieht mich gerade magisch an.
Die Menschen, die Vielfalt, die Kulturen und die Gegensätze.
Hochhäuser neben grünen Parks.
Luxus neben Kriminalität und Armut.
Sonne und Beton, so wie der Titel von Felix Lobrechts Roman.

Über diese Kurzbeschreibung können vermutlich viele Berliner nur müde lächeln. Sie klingt selbst in meinen Ohren  klischee- und schablonenhaft.
Am Ende habe ich nämlich keine Ahnung davon, was es heißt in Berlin zu leben. Ich war zwar schon ein paar Mal in Berlin und habe schon einiges gesehen, sowohl die Touristenhotspots als auch die Plattenbauten aber mit Sicherheit nicht alles.
Der Rest bleibt reine Fantasie.

Und trotzdem übt diese Atmosphäre dort eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf mich aus.

Ich komme aus einem winzigen Dorf im Südschwarzwald, in dem das größte Highlight das alljährliche Waldfest ist und der größte Skandal, wenn sich mal wieder ein Pärchen an Fasching betrügt. 

Das ist mir inzwischen alles überdrüssig geworden. 
Ich brauche mehr. 
Mehr Futter zum Schreiben und mehr Inspiration für mich persönlich. Selbst in der Stadt in der ich inzwischen Wohne, ist es mir oft zu eintönig.

Meine Familie würde vermutlich sagen: „Mirjam, wir kennen dich doch. In Berlin weht ein anderer Wind! Bist du sicher, dass du dort mit deiner sensiblen Art zurechtkommst?“.

Berechtigte Frage.
Es würde ziemlich sicher Tage geben, an denen ich mich einfach nur verkriechen will, vor lauter Menschen, Geräuschen und anderen Eindrücken. Aber ich bin mir sicher, dass es mindestens genauso viele Tage geben wird, an denen ich die Stadt mit all meinen Sinnen aufnehmen will. Dinge erlebe, die ich vorher noch nie erlebt habe.

Ich glaube es würde mich verändern, in einem positiven Sinn.
Vielleicht würde das sensible Dorfmädchen zu einer selbstbewussten jungen Frau heranwachsen, die sich in das Hauptstadtabenteuer gewagt und viel gelernt hat.

 

Die Bank auf der ich in der Bahnhofshalle sitze, zittert von den einfahrenden Zügen. Mein Kaffee ist fast leer.
Neben mir verweilen drei junge Frauen, die sich schon genauso lange unterhalten, wie ich hier sitze. 
Mein Blick geht zur rechten Seite, wo ich die Anzeigetafel der abfahrenden Züge sehe. 

17:03 Uhr: Freiburg-Offenburg-Mannheim-Berlin, Ostbahnhof.

Ich lächle, stehe auf und gehe so schnell wie möglich nach Hause, um mir ein Ticket zu kaufen, das mich in die Stadt meiner Träume bringt.

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2 Antworten

Kommentare

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    Berlin, du bist so wunderbar, Berlin! Verstehe total, wies dir geht

    13.06.2018, 18:48 von Yolo90
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

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