josiex 16.07.2012, 15:18 Uhr 2 5

Die Welt war arm doch wir waren reich

Wir tranken billigen Wein, weil wir uns den teuren nicht leisten konnten.

Wir fuhren in deinem Auto und blieben irgendwann stehen, weil das Benzin so teuer war. Wir drehten Zigaretten ohne Filter, weil man sich den genauso gut sparen konnte.
Die Welt ist arm doch wir waren reich.
Die Tage waren einsam und in den Nächten warst du bei mir.
Kaum war die Sonne untergegangen und kaum gingen die Straßenlaternen an, riefst du an.
"Bist du bereit?"
Für was bereit, für das Leben oder die Nacht oder ein Abenteuer oder für du und ich.
"Ja."
Für alles davon, für das Leben und die Nacht und ein Abenteuer und für du und ich. Vor allem für du und ich, ganz viel wir, für immer, ja, bitte, ok?
"Zehn Minuten."
Zehn Minuten was, zehn Minuten Himmel oder zehn Minuten Erde, zehn Minuten glücklich-sein oder zehn Minuten weinen.
Zehn Minuten auf dich warten und noch eine Kippe anzünden und den billigen Wein in die Tasche packen und ungeduldig mit den Fingern trommeln.
Mit dem Motorengeräusch öffnete ich die Tür und schlüpfte in die Dunkelheit, ohne Bescheid zu sagen, weil es niemanden etwas anging, wo ich war und was ich tat.
Wir sagten nicht hallo oder wie geht's, es war doch schon alles gesagt.
Die Musik aus deiner Anlage war jedes mal die gleiche. Weltschmerz und Herzschmerz und so viel Schmerz, dabei ging es uns doch gut.
Die Welt ist arm doch wir waren reich.
Ich mochte deine geflüsterten Worte, die ersten in jenen Nächten, deine Stimme und deine Kehle, die sich erst an die Worte gewöhnen musste.
Niemand konnte mir die Welt besser erklären als du.
Ich traf viele Menschen nach dir, aber die meisten waren solche, die den teuren Wein kauften, die, die niemals ohne Filter rauchten.
Ich glaube, niemand verstand die Welt besser als du.
Die Welt war arm doch wir waren reich.
Wenn die Sonne wieder aufging und es langsam dämmerte, wenn die Straßenlaternen ausgingen und der Tag schon angebrochen doch die Nacht noch nicht vorbei war, kam die Erde und der Himmel war zu Ende.
"Fertig?"
Fertig mit was, mit der Welt oder mit rauchen oder mit der Nacht oder mit du und ich.
"Ja."
Fertig mit der Welt und mit rauchen und mit der Nacht und mit du und ich.
Unsere zarten Küsse, die viel zu sanft für unsere Personen war, die zu viel Gefühl für unsere kalten Herzen transportierten und die viel zu schnell die Narben an unserer Haut heilten.
Ich habe nie nachgefragt was es bedeutet und wieso wir das tun und wieso sich das so gut anfühlt und du hast nie gesagt dass es nichts bedeutet und dass es eigentlich falsch ist. Du hast nie etwas dazu gesagt, es passierte, so wie alles in deinem Leben nur passierte.
Die Welt war arm doch wir waren reich.
Ich stieg nie sofort aus und schloss die Haustür auf und verschwand drin, immer blieb ich noch ein bisschen sitzen. Der Schmerz aus der Anlage, obwohl es mir doch so gut ging, obwohl alles an mir vibrierte. Vielleicht auch wegen deinem Motor, den du nie abgeschaltet hattest.
"Bis bald"
Bis bald wann, bis gleich oder morgen oder nächste Woche.
Ich habe nie danach gefragt und du hast nie gesagt, bis wann genau. Denn irgendwann kam immer die zehn Minuten, die zehn Minuten rauchen und die zehn Minuten bis zum nächsten Himmel.
Die Welt war arm doch wir waren reich.
Nie habe ich mich noch einmal umgedreht nachdem ich ohne ein Wort zu sagen ausstieg und zum Haus lief. Bevor ich aufgeschlossen habe und rein gegangen bin, bevor ich wieder die Welt ohne dich betreten habe, denn dir gehörten nur die Nächte.
Nach jenen Nächten lag ich immer mit Klamotten in meinem Bett und wartete, bis das Vibrieren am ganzen Körper aufhörte, obwohl der Motor doch gar nicht mehr lief. Mir war schlecht von dem billigen Wein und den vielen Zigaretten und ganz schwindelig vor Müdigkeit, doch ich war glücklich.
Denn die Welt war arm doch wir waren reich.


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2 Antworten

Kommentare

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    Ziemlich konfus, doch ich mag's.

    02.09.2012, 05:35 von Jackie_Grey
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    die dialoge sind erschreckend nachvollziehbar.

    16.07.2012, 23:46 von Streetlife
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