natece 20.11.2011, 14:03 Uhr 0 2

Die Rache eines Kindes

Inspiriert von Gerhard Schöne - Schmusen muss sein.

Staubig rote Samtvorhänge verdecken ihre Sicht auf den Hinterhof an jenem Sommernachmittag. Gedankenverloren rührt sie in der Hühnersuppe herum, die auf dem alten Gasherd vor sich hin köchelt. Es klingelt, und missmutig dreht die die Flamme herunter und schlurft in den alten Schlappen zur Tür. Sie sieht durch den Spion. Nichts. Sie dreht sich um, als es schon wieder klingelt. Gereizt kann sie durch das kleine Loch in ihrer Haustür wieder nur den leeren Hausflur. Als es schließlich zum dritten Mal schrillte, fährt sie herum und reißt die Tür zu ihrem kleinen Heim auf. "Was ist?", schreit sie durch die Stille. Wutschnaubend blickt sie nach unten, als sie ein zartes "Hallo" von dort hört. "Mein Ball ist auf ihren Balkon gefallen, können Sie
n mir bitte wiedergeben?" Blaue Kinderaugen schauen sie ängstlich unter dem viel zu langen Pony an. Sie geht zum Balkon und dann in die Küche, um kurz nach der Suppe zu sehen. Wieder an der Tür, rammt sie grinsend über die erschrockenen Tränen des Kindes das alte Küchenmesser in den bunten Ball. "Da", frohlockt sie voller Schadenfreude über das Schluchzen des Kindes.

Beim Essen zieht sie die alten Samtvorhänge zur Seite und sieht auf den
Hinterhof. Zwei Kinder stehen um die Göre mit dem kaputten Ball herum. Immer noch flennt die! Sie schnaubt kurz. Zu ihrer Zeit war sie nicht so eine Heulsuse gewesen! Doch plötzlich sieht sie, wie einer der Steppken große Kreidebuchstaben auf den grauen Beton kritzelt. Kurz darauf strahlt es ihr sommersprossenrot entgegen: DIE BRÜHLMANN IST DOOF.


Tags: Rache
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