amatory 13.10.2012, 17:45 Uhr 75 50

Der Löffel-Typ

Ich weiß bis heute nicht, was ihn von mir überzeugte, aber ich wette auf meinen Schokoladenkuchen.

Sie müssen wissen, ich bin ein Löffel-Typ.
Ich esse grundsätzlich mit Löffel. Und ich esse grundsätzlich Nudeln. Es passen drei Penne auf meinen Löffel und so gelang es mir, meinen Mund immer voll Nudeln zu halten, um mich Gesprächen mit ihm zu entziehen. Er ist ein Gabel-Typ, also nur zwei Penne pro Öffnung des Mundes. Er fragte, ob es eventuell mal wieder Pfannkuchen oder Milchreis geben könnte. Und natürlich, am nächsten Tag stand beides für ihn bereit. Das Strahlen in seinen Augen reichte mir als Dank.

Sie müssen wissen, er liebte es an der Wandseite zu schlafen und ich ebenfalls. Er schlief dort.
Ich lag noch oftmals lange wach und beobachtete seine gleichmäßigen Atmung, spürte seine Wärme. Mit geschlossenen Augen, dem entspannten Gesicht und seiner etwas zu großen Nase, die im Schlaf oftmals zuckte, sah er aus wie damals. Damals, als wir uns kennenlernten. Mit 12. Als ich mich verliebte, sofort, auf den ersten Blick. Damals hielt ich seine Nase nicht für zu groß. Möglicherweise ist sie ja einfach immer weiter gewachsen oder ich war geblendet von der Liebe, die jetzt verblasst.
Mit 19, als er rausgeschmissen wurde, sah er wohl etwas in mir. Ich weiß bis heute nicht, was ihn von mir überzeugte, aber ich wette auf meinen Schokoladenkuchen. Er sagte, er schmecke wie bei seiner Mutter. Ich war dankbar dafür, dass er sagte, er liebe ihn - den Kuchen.

Sie müssen wissen, das spielt nun keine Rolle mehr. Denn als er mir letzte Woche, mit stolzen 24 Jahren, das erste mal etwas kochte, waren es zu meiner Freude Penne. Jedoch lag an meinem Platz eine Gabel, so, wie an seinem. Ich schenkte ihm ein Lächeln, sagte kein Wort und ging.

Sie müssen wissen, ich habe nicht eine Träne vergossen.

Na gut, eine kleine.

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75 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Gut geschrieben, du schaffst es mit einfachen Dingen die Gefühle darzustellen die da anscheinend nicht gestimmt haben.

    21.10.2012, 12:11 von aco
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  • 1

    wenigstens hatte er eine grosse Nase. Und wir alle wissen ja, was das bedeutet

    17.10.2012, 21:27 von runner_ch
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  • 0

    Was mir dazu einfällt:

    https://www.youtube.com/watch?v=bHR_aU1TKZ8

    Trotzdem mag ich den Text irgendwie. Irgendwas hat er. Vielleicht mag ich es, dass die Erzählerin mich siezt ^^

    17.10.2012, 15:21 von schnutopard
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  • 2

    Mir gefällt der Text und die Art wie er geschrieben ist. Er kommt irgendwie ganz leise und anmutig daher, erzählt aber trotzdem so viel von Sehnsucht, Hoffnung und auch von dem Moment an dem sie stirbt.
    Für mich geht es hier nicht um Merkmale, Momentaufnahmen oder Oberflächlichkeiten. Sie verlässt ihn nicht wegen der Gabel, sie verlässt ihn, weil sie begreift, dass die Geschichte zu Ende ist. Der nicht vorhandene Löffel ist nur ein Symbol dafür.

    16.10.2012, 11:02 von SarahJoesy
    • 1

      Absolut richtig! :)
      Vielen Dank!

      16.10.2012, 20:38 von amatory
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  • 0

    Mir gefällt das Verhalten der Protagonistin nicht. Eine Beziehung an einem einzigen Punkt aufzuhängen finde ich albern. Vielleicht versteht er ja die Eigenart nicht, dass die Nudeln (und auch alles andere) mit dem Löffel isst und versucht darum mal was zu ändern ? Und selbst wenn er in Gedanken woanders war, als er das Besteck auf den Tisch legte, heisst das, dass gleich die ganze Beziehung in Frage gestellt werden muss ? Muss das falsche Besteck gleich als Affront gewertet werden, als mieser Plan, auf den er jahrelang hingearbeitet hat um sie dann endlich durch das Hinlegen einer Gabel zu signalisieren, dass ihr ganzes Leben ihn überhaupt nicht interessiert, sie ihm scheißegal ist und er ihr jahrelang nur etwas vorgespielt hat ? Dass er mit 12 Jahren einen teuflischen Plan geschmiedet hat, in den alle eingeweiht sind mit denen sie seit dem in ihrem Leben etwas zu tun hatte ? Dass sie das glaub, legt mir ihre Reaktion auf die Gabel zumindest nahe.
    Das Berücksichtigen der Eigenheiten des Partners ist ja gut und sinnvoll, in vielen Sachen gar notwendig, und im Text wird ja auch geschrieben dass sie das tut. Aber dass sie den Löffel dermaßen überbewertet, dass gleich die ganze Beziehung hingeworfen wird, will mir nicht in den Kopf. Das deutet für mich drauf hin, dass sie ihm nie wirklich getraut und vertraut hat.
    Doch genug der Worte für den Moment, im Übrigen ich schließe mich quatzats Kommentar an.

    16.10.2012, 10:35 von Cyro
    • 1

      Ich habe den Text anders verstanden. Es geht nicht um den Löffel an sich, sondern um das Gefühl der Protagonistin, von ihrem Partner nicht gesehen zu werden. In meinem Verständnis geht es auch gar nicht so sehr darum, ob der Andere ihre Vorlieben kennt, ob nun Löffel oder Gabel oder Brötchen Unter-seite oder obere Hälfte, sondern um das Gesehen werden.

      Vielleicht interpretiere ich aber auch zu viel hinein...

      16.10.2012, 12:33 von miss_mel
    • 0

      Oder ich interpretiere es falsch ….  Die Vorstellung dass sich die Protagonistin wegen einer Kleinigkeit so  unverstanden / ungeliebt / als Mensch nicht respektiert fühlt, trifft bei mir auf völliges Unverständnis.  Da muss vorher doch eine Menge schief gelaufen sein.  Die Gabel kann doch nur die Spitze des Eisbergs sein. Und darum wäre Reden, und zwar vorher, wichtig, besonders wenn es dem Partner an Empathie fehlt. Genau an die Geschichte mit dem Brötchen bzw. der oberen und unteren Hälfte musste ich auch denken.    Zugegeben, dem Protagonisten fehlt es an Einfühlungsvermögen, aber  angesichts der Reaktion der Protagonistin kann ich nur vermuten, dass es nie eine Partnerschaft war,  sondern sie in ihm etwas sah, was er nie war.

      16.10.2012, 12:51 von Cyro
    • 0

      Genau so meine ich es. Als Spitze des Eisbergs. Ein über die Jahre aufgebautes Gefühl von nicht gesehen werden. Es geht nicht einfach nur um diese einen Situation, denke ich, sondern um eben das Gefühl, vom Partner nicht gesehen zu werden, und diese von der Protagonistin empfundene Tatsache drückt sich eben in verschiedenen Dingen aus, wie z.B. im Nichtwissen um die Löffel-Präferenz. Sie verlässt ihn nicht wegen dem Löffel, sondern wegen dem Eisberg, der sich aufgebaut hat.

      Wobei es natürlich die Frage aufwirft, wie sehr der Andere sehen soll, und was nicht auch einfach mitteilbar ist. Oder was überhaupt wichtig ist, übereinander zu wissen.

      Doch wie gesagt, geht es hier wohl echt nicht um den Löffel, und auch nicht um eine einzige SItuation.



      16.10.2012, 15:55 von miss_mel
    • 0

      Ich habe es auch in der Art verstanden, dass er sich keine Eigenarten merken kann, und dabei - wie am Ende auch klargestellt - alles nur aus seiner Perspektive und demnach auch in seiner Priorität sieht. Ob er es nicht gesehen hat, oder nicht genug Aufmerksamkeit ihr gegenüber investiert hat, oder schlicht dazu nicht in der Lage war bleibt offen. Auf die Protagonistin wird aber nicht so eingegangen wie es eigentlich normal sein sollte.
      Der Löffel und die hier beschriebenen Eigenarten werden wie bereits gesagt nur ein Teil des Ganzen gewesen sein.

      21.10.2012, 12:14 von aco
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  • 0

    Und ich fress mit den Händen.

    15.10.2012, 19:44 von mirror87
    • 1

      du bist eher so der paälo-typ, wa?

      15.10.2012, 21:38 von Gluecksaktivistin
    • 0

      oder doch eher burger-king??? ;)

      15.10.2012, 21:39 von Gluecksaktivistin
    • 0

      Muhaha... der Link gefällt mir. Ich buch den nächsten Flug.
      Aber so weit zurück muss man doch gar nicht gehen. Im Mittelalter war das doch so ähnlich.
      Und Burger kann man auch mit Besteck essen.
      ;-)

      15.10.2012, 22:49 von mirror87
    • 0

      Das sieht aber dann doof aus. So elitär. xD

      15.10.2012, 22:50 von mirror87
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  • 4

    Ich bin ja eher ein Gabeltyp. Außer bei Suppe.

    15.10.2012, 18:21 von B.tina
    • 1

      Ist Penne die weibliche Form von Penner?

      15.10.2012, 18:28 von EliasRafael
    • 0

      Ich dachte, Penne ist ein Synonym für Schule?

      15.10.2012, 18:29 von B.tina
    • 0

      Und der Schokoladenkuchen steht dann für den Ernst des Lebens?

      15.10.2012, 18:30 von EliasRafael
    • 2

      Weil man was gebacken kriegt?

      15.10.2012, 18:34 von B.tina
    • 1

      Messer-scharf kombiniert

      15.10.2012, 18:40 von EliasRafael
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  • 3

    Es gibt keinen Löffel.

    15.10.2012, 18:08 von sailor
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  • 2

    ich ess auch gerne mit löffel. aber bei mir gehen wesentlich mehr penne auf den löffel.

    15.10.2012, 15:47 von IceIceFriedhelm
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  • 4

    Diese Aufsplittung in Merkmale, diese sklavische Erfüllung von irgendwelchen Bedingungen, die überhaupt nicht festgeschrieben sind, das nennen einige tatsächliche 'kennen', s. unten. Wie oft muss ich das lesen oder auch selbst erfahren im Gespräch oder in einer Beziehung: kennen heißt angeblich zu wissen, in welcher Stellung der andere gerne scheißt, wie er sich am liebsten den Hintern abwischt und ob das Smegma cremissimo oder besser a la parmesan sein muss. Bullshit. Ersten sind diese Merkmale fluide, sie ändern sich ständig mit der Zeit, mit dem älter Werden, mit den Launen und mit den Umständen. Diese Merkmale merkt sich eine Sekretärin, eine Bedienung, eine Untergeben (oder eben männlich). Nicht diese Merkmale bestimmen den Menschen, sondern die im Menschen verborgenen Sehnsüchte, Erinnerungen und Erfahrungen bestimmen diese Merkmale. Stützt sich die Behandlung des Partners in einer Beziehung nur auf solche Merkmale, kann man getrost von einer oberflächlichen, kurzsichtigen und unnötigen Beziehung sprechen. Natürlich ist es schön, wenn jemand weiß, ob das Frühstücksei 6 oder 7 Minuten gekocht sein muss. Schön in dem Sinne, als dass man nicht mehr miteinander reden muss. Man muss den anderen nicht mehr erforschen, die Beziehung ist zum Stillstand gekommen, 'perfekt' wie es hier immer von reduzierten Hirnen propagiert wird.

    So denn, schaufelt euch euer Beziehungsgrab gerne selbst, aber verschont mich damit, es als Tugend hinstellen zu wollen.

    15.10.2012, 15:27 von quatzat
    • 1

      Ich denke, dass die beschriebene Begebenheit hier für ein grundsätzliches Desinteresse an ihrer Peron steht.

      Niemand trennt sich von seinem Partner, weil der den Tisch falsch gedeckt hat. Aber wenn man ständig miß- oder unverstanden wird und gleichzeitig selbst so aufmerksam ist und zum Teil für den anderen auf eigene Vorlieben verzichtet und dieser es nicht einmal bemerkt. Irgendwann hat man dann einfach die Nase voll.

      15.10.2012, 15:35 von Tanea
    • 0

      Der Gedanke, dass Menschen anscheinen wirklich glauben, dass die Person davon abhinge, wie man seine Penne isst, hat etwas sehr erschreckendes.

      15.10.2012, 15:38 von quatzat
    • 0

      Der Text hat mich an das Buch "Tausend kleine Schritte " erinnert.
      Für mich liest sich der Text ähnlich einem Therapiegespräch.
      Vielleicht ist die Protagonistin ja auch psychisch krank ?

      15.10.2012, 15:49 von Tanea
    • 0

      Kennich nich! Ich les doch nich!

      15.10.2012, 15:52 von quatzat
    • 0

      es geht in beziehungen nicht nur um löffel?! verdammt, jetzt stürzt mein weltbild ein. 

      15.10.2012, 16:05 von Ozelotte
    • 1

      Manchmal gehts auch ums Löffeln

      15.10.2012, 16:06 von quatzat
    • 0

      Ich geb ja zu, beim Tiel dacht ich auch erst ans Löffelchen.

      15.10.2012, 16:08 von Tanea
    • 0

      @Quatze
      Super Buch und gar nicht dick.
      Über ne Frau mit ner Zwangsneurose, die mußte immer alles zählen.

      15.10.2012, 16:09 von Tanea
    • 0

      GIbts das auch als Film?

      15.10.2012, 16:10 von quatzat
    • 0

      Ganz sicher bald.
      Da ja nun auch schon die "Vermessung der Welt" verfilmt wird.

      Ich sag dir dann Bescheid, wenns soweit ist.

      15.10.2012, 16:13 von Tanea
    • 0

      Super! Die Vermessung der Welt habe ich mir von pygmäischen Sklaven vorlesen lassen.

      15.10.2012, 16:15 von quatzat
    • 0

      Tolle Sache, das.
      Besorgen die dann deinen Haushalt, wenn sie nicht gerade am vorlesen sind?


      15.10.2012, 16:18 von Tanea
    • 0

      Nein, sie besorgens meiner Oma.

      15.10.2012, 16:20 von quatzat
    • 0

      Ah, so einen Hauself wünscht sich meine Oma ja auch schon länger. Mmh. Mal sehen es ist ja bald schon Weihnachten.

      15.10.2012, 16:41 von Tanea
    • 0

      Die gibbet auch in unterschiedlichen Größen.

      15.10.2012, 16:42 von quatzat
    • 0

      darüber freut sich nicht nur die oma...

      15.10.2012, 16:43 von Ozelotte
    • 0

      Naja. Es sieht nich sehr ästhetisch aus.

      15.10.2012, 16:45 von quatzat
    • 0

      augen zu und durch, kwatze!

      15.10.2012, 16:48 von Ozelotte
    • 0

      Dann bin ich drin?

      Oma meint, sie mag das nicht. Das ginge ihr zu weit.

      15.10.2012, 17:13 von quatzat
    • 0


      manchmal ertappe ich mich dabei zu überlegen, wie lange deine längste beziehung gedauert hat, und  ob das evt alles nur kluge theorie ist, was du so äußerst hihi

      15.10.2012, 18:06 von Gluecksaktivistin
    • 0

      Lange genug.

      15.10.2012, 18:09 von quatzat
    • 5

      die 9 monate mit mutti müssen schrecklich gewesen sein...

      15.10.2012, 19:05 von Ozelotte
    • 0

      ich schätze, das thema sollte nicht weiter vertieft werden ;)

      15.10.2012, 20:51 von Gluecksaktivistin
    • 0

      Über was man sich so aufregt... is doch nur Geschreibsel. Jedem das seine und mir am meisten.

      15.10.2012, 21:32 von Dalek
    • 0

      Dass man das immer gleich ne Nazireferenz einbauen muss...

      15.10.2012, 21:51 von quatzat
    • 0

      Muss man jetzt nicht unbedingt als Nazireferenz werten, gabs und gibts ja auch schon vorher/immer noch positiv gewertet, aber wenn du so willst. Ok.

      15.10.2012, 22:03 von Dalek
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