Der kleine weiße Punkt.
Ich drehe mich um, die Bettdecke ist kalt. „Nie wieder“ – denke ich und suche die Spuren seiner Hand auf meinem Kissen.
„Bis bald“ – er drückt mir einen Kuss auf den Mund, schaut mich kurz an, dann dreht er sich um und geht. Die Tür fällt ins Schloss, ich höre seine Schritte im Treppenhaus. Ich bleibe zurück.
Ich und ein Lächeln auf meinen Lippen.Ich rede mir ein „dieses Mal schaffe ich es. Dieses Mal kann ich es differenzieren.“ Aber es bleibt noch etwas anderes.
Zweifel.
Das Kopfkissen ist noch warm, die Matratze formt noch seine
Gestalt, da wo er gelegen hat.
Sein schöner Rücken, hinunter bis zu seinem
makellosen Hintern und hinunter zu seinen Füßen. Bildlich sehe ich es vor mir,
wie er vorhin noch mit seinen Zehen an meinem Bettgestell rumgespielt hat. Da
ist es wieder, das Lächeln. Und da sind sie wieder – die Zweifel.
Wie eine
Nebelwolke schweben sie im Raum, senken sich langsam und drücken auf den
Parkettbogen.
Ich fröstel, mir ist kalt.
Langsam ziehe ich einen Pulli über, nehme die Gläser, die
neben dem Bett stehen und beseitige die Spuren der Nacht. Ich lasse Wasser in
die Spüle ein. Bin in Gedanken – soll ich das Bett gleich noch überziehen? Oder
gönne ich mir noch diese eine Nacht in seinem Geruch, in seiner Erinnerung. Ich
verbrenn mich ,das Wasser läuft über meinen Handrücken, hinunter in meinen
Pulli. „So ein Dreck“, denke ich. Ich lasse die Gläser stehen, krieche zurück
unter die Bettdecke und starre an die Zimmerdecke.
Da ist er wieder, dieser kleine weiße Punkt an der Decke. Er ist ein bisschen weißer als die andere Farbe. Schon heute Nacht war er mir aufgefallen, wie er da raus sticht. Wie er mich vorwurfsvoll anstarrt und mir sagt „Wach auf, das wirst du nie für ihn sein.“ Und schon heute Nacht wusste ich, dass er Recht hat, der Punkt. Ich wusste es schon vor zwei Wochen und auch schon vor drei Monaten. Ich wusste es seit dem ersten Mal vor einem Jahr.
Ich werde nie einer der Punkte sein, der ihm auffällt. Ich bin einer von denen, die untergeht in seiner Decke. Den er vielleicht kurz wahrnimmt, es nicht für nötig findet ihn auszubessern. Er ist einfach da, der Punkt. Ich bin einfach da. Es ist nicht nötig mich zu überstreichen, aber es ist auch nicht nötig mich länger zu betrachten.
Ich drehe mich um, die Bettdecke ist kalt. „Nie wieder“ – denke ich und suche die Spuren seiner Hand auf meinem Kissen.





Kommentare
Sehr schön geschrieben. Und was du beschreibst, ist leider gar nicht schön. Hab sowas auch erlebt, ist noch gar nicht sooo lange her. Hab das sogar schon zwei, dreimal erlebt und jedes Mal verfluche ich mich wieder für das Fühlen. Wie du sagst: Man kann einfach nicht differenzieren. Man nimmt es sich vor, denkt, man schafft es und dann sitzt man und muss aufpassen dass man sich nicht selbst verrät...
24.10.2012, 00:52 von bunteschaosIch
19.10.2012, 00:24 von mellilouwerde nie einer der Punkte sein, der ihm auffällt. Ich bin einer von denen, die
untergeht in seiner Decke. Den er vielleicht kurz wahrnimmt, es nicht für nötig
findet ihn auszubessern. Er ist einfach da, der Punkt. Ich bin einfach da. Es
ist nicht nötig mich zu überstreichen, aber es ist auch nicht nötig mich länger
zu betrachten.
Der Teil ist sehr gut geworden! Ich mag solche kurzen Sätze. Klingen so belanglos, schnell dahingesagt. Und erst, nachdem man sie gelesen hat, und zum nächsten Absatz schweifen will, bleiben sie hängen und formen einen größeren Sinn. Gut ausgedrückt!
schön, endlich mal die andere Sicht zu lesen, was sich nicht so wehleidig liest.
17.10.2012, 17:06 von SurecampWenn mehr vom Geruch die Rede wär, könnt ich es ja nooch verstehen, aber diese vielen Abdrücke sind mir suspekt. Handelt es sich vielleicht um ein Sandbett? Das wäre dann allerdings wieder nachvollziehbar, weil es da wirklich Abdrücke und Spuren geben würde.
17.10.2012, 08:54 von TaneaSehr schöne traurige Geschichte !
17.10.2012, 00:00 von DasEnteAch Gott, wenn die Punkte anfangen zu sprechen, würde ich den Arzt rufen
16.10.2012, 20:57 von EliasRafaelSchonmal was von Metapher gehört ? Oo
17.10.2012, 00:01 von DasEnteIst das besser als Zyprexa?
17.10.2012, 23:50 von EliasRafaelelsi, du bist konter-könig! :D
18.10.2012, 10:16 von nnoaaJa, außer bei dir, daher halt Angstgegner
18.10.2012, 10:30 von EliasRafael"und suche die Spuren seiner Hand auf meinem Kissen". Welche da wären? Fingernägel? dreckpfotenabdrücke?
16.10.2012, 19:13 von topfbluemchenKennst du das, wenn du etwas lange auf deinem Kopfkissen liegen hast, es dann hoch nimmst und das Kissen den Abdruck weiterhin formt?
16.10.2012, 19:18 von FederstaubMein Kopfkissen ist schon so plattgelegen, da seh ich nix mehr. :-)
16.10.2012, 19:19 von topfbluemchender Profiler ! °°
18.10.2012, 12:31 von blueRiver