Natsu 02.10.2011, 19:53 Uhr 2 0

Das Gute in Uns

Wenn man verlernt naiv zu sein

"Aber niemand will doch absichtlich jemandem was Böses. Jeder probiert doch zumindest gut zu sein." Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, wusste ich schon, dass gleich 20 Stimmen sich gegen die Aussage richten werden.
So ist das. Wir sitzen im Philosophieunterricht. Das Thema ist Ethik.
"Das glaubst Du doch kaum selber?" "Findest du das nicht selbst ein wenig naiv?" "Das ist doch immer so." Und so weiter ... . Ich schau mich im Raum um und hab das Gefühl, die einzige neben Jean-Jacques Rousseau, die der Meinung ist, dass der Mensch "von Natur aus gut" sei.
Es schellt. Die Stunde ist zu Ende. Ich packe meine Tasche und geh zu meinem Rad. Ich fahre nach Hause.
"Findest du das nicht selbst ein wenig naiv?" Die Worte hallen noch in meinem Kopf nach. Finde ich meine Position naiv? Vielleicht etwas. Aber was ist so schlimm an Naivität? Was ist so schlimm daran, zu glauben, dass die Menschheit gut ist. Als Kinder haben wir das doch auch alle geglaubt. Und wenn ich mich recht erinnere, waren wir als Kinder mit dieser Einstellung alle glücklich. Kann es nicht sein, dass die Naivität uns dabei hilft, glücklich zu sein?
Ich will nicht sagen, dass das Leben perfekt ist. Aber ich bin glücklich. Auch wenn ich die einzige in meinem Philosophiekurs bin, die den Menschen für gut hält. Bin ich deshalb glücklich?
In meiner kleinen Welt habe ich keinen Platz für das Böse. Ich bin zu jung um verbittert zu sein und zu alt um mich über Kleinigkeiten aufzuregen. Auch halte ich nichts von postpubertären Depressionen. Ich will einfach mein Leben leben und an das Gute in Uns glauben. Vielleicht werde ich mich mit der Einstellung früher oder später richtig hinlegen. Aber bis dahin höre ich mir gerne die Kommentare meiner Mitschüler zu meinen "naiven Ansichten" an.

2 Antworten

Kommentare

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    Zu diesem Artikel fielen mir einige Worte ein, vor ein paar Tagen, auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Weg nach Hause.
    Doch momentan mag ich keinen Roman schreiben, aber ich hoffe, dass Neon irgendwann wieder die Funktion einbaut, mit der man eigene Kommentare wiederfinden kann. Darum hinterlasse ich hier mal ein verbales "mag ich" ...auch wenn ich nicht so ohne weiteres auf den Button "mag ich" klicken mag, denn an das gute glauben ist eine Sache, die Realität wahrnehmen eine andere. Meiner Meinung nach besteht die Kunst darin, zwar auch das Schlechte, doch auch das Gute im Anderen wahrzunehmen, und damit so umzugehen, dass man selber dabei nicht unglücklich wird.

    05.10.2011, 14:50 von Cyro
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