LauraPhilomenaTheresa 23.01.2013, 17:56 Uhr 23 67

Das erste Wort

„Los Emma, du hast fünfzehn Minuten! Maximum!“, schreit Maxim grinsend und haut mir klatschend auf den feuchten Hintern, als er aus dem Bad läuft.

Ich habe schon wieder diesen Traum. Den trivialen Traum, den ich regelmäßig kurz vor dem Aufwachen habe und der mich eine halbe Stunde in die Zukunft schickt. In dem ich den widerlichen grauen Morgen schon hinter mir habe und die Gewissheit genieße, rechtzeitig fertig geworden zu sein, geduscht, geschminkt und angezogen. Bereit für den Tag. Ich bin total entspannt und habe alle Zeit der Welt. Alles läuft gut, ich bin organisert und habe mich und mein Leben im Griff.

Dann wache ich auf. Mein Mund ist papiertrocken, schlucken erinnert vom Gefühl her eher an umblättern, so trocken treffen die Seiten meiner Kehle aufeinander. Natürlich bin ich noch nicht geduscht und das Licht, das durch die Ritzen meiner Rollos dringt, erscheint mir schon gefährlich hell. Ein Adrenalinschub schießt durch meinen Körper und ich fahre in die sitzende Position hoch und taste hastig nach meiner Nachttischlampe. Stattdessen treffen meine fliegenden Finger auf die glatte Oberfläche eines Wasserglases. Oh gut, ich habe so einen Durst, als hätte ich die ganze Nacht durchgefeiert. Ich führe es gierig an die Lippen, aber nur ein einziger letzter Tropfen rollt mir träge entgegen und tropft schließlich doch noch auf meine Zunge. Mist. Ohne viel zu sehen stelle ich das Glas zurück und taste vorsichtig weiter durch die dämmerige Finsternis, bis ich den Lichtschalter finde. Auf der Suche danach haben meine Hände schon gewohnheitsbedingt die knisternde Pillenpackung aufgenommen. Vollautomatisiert drücke ich die entsprechende Tablette aus dem Blister direkt in meinen Mund und werfe die Packung zurück, wo sie auf die Kante des Nachttischs prallt und auf den Boden fällt. Weil mein Mund so ausgetrocknet ist, bleibt die Pille jedoch auf halbem Weg im Hals kleben und ich beginne hektisch zu schlucken und die Zunge zu bewegen, um endlich die Drüsen zu einer normalen Speichelproduktion zu motivieren. Allmählich funktioniert es, schließlich rutscht die Pille nach unten und kommt mir dabei so groß vor wie eine Kartoffel. Mit einer bangen Ahnung drücke ich schließlich auf die Home-Taste meines Handys. 8:52 Uhr.

Scheiße! Ich drehe mich zur Seite und werfe mich kopfüber aus dem Bett. Das heißt, eigentlich wollte ich herausspringen, aber meine Füße verfangen sich in der zerknüllten Bettdecke und deshalb knalle ich mit dem Oberköper voraus auf den Parkettboden, während meine Beine noch immer oben festhängen. Von einem Moment auf den nächsten dröhnt mein Schädel wie eine lärmende Kirchenglocke. Benommen bleibe ich einen Moment bewegungslos liegen und wie in Zeitlupe rutscht mir mein T-Shirt über den Kopf. Ein verschlafenes Gesicht, umrahmt von einem zerzausten Lockenschopf, schiebt sich langsam über die Bettkante. „Was machst du denn da?“ Wütend strampel ich meine Beine frei und rappel mich auf, die Hände wie eine Schraubzwinge um den pochenden Kopf geklemmt, damit er nicht allein am Boden liegen bleibt. Ohne ein Wort tapse ich hektisch ins Bad, lasse mich auf den Badewannenrand sinken und mache erst mal den Föhn an. Egal was ist, der Föhn ist kurzfristig immer noch meine wirksamste Beruhigungspille. Meine Eltern haben den Föhn in meinem Kleinkindalter als einschläfernde Maßnahme entdeckt und offenbar so häufig eingesetzt, dass ich wohl konditioniert bin auf das einlullende, alles umhüllende Geräusch, immer begleitet von dem angenehmen Luftstrom und der Hitze, die bis auf die Knochen wärmt, noch besser als die Dusche, bei der ja doch immer ein kleiner Teil des Körpers aus dem Wasser ragt und der kalten Luft ausgesetzt ist.

Ich zucke zusammen, als plötzlich die Tür aufgestoßen wird und Maxim herein hastet. „Mist, schon fast 9! Was sitzt du da rum, komm schon, tu den Föhn jetzt weg, wir müssen spätestens in ner halben Stunde los und auf dem Weg auch noch in die Reinigung, wegen der Tischdecken. Dass die nie mal irgendwas auf die Reihe kriegen, das ist doch echt unglaublich, am selben Tag morgens noch in die Reinigung…“. Schimpfend zerrt er sich das zerknitterte Schlaf-Shirt über den Kopf und schlüpft aus den Boxershorts, die am Boden zu einem kleinen karierten Stoffhäufchen zusammensinken. Geschmeidig klettert er an mir vorbei in die Wanne und knallt ohne übertriebene Vorsicht die gläserne Duschabtrennung zu. Ich drehe mich halb um und beobachte ihn durch das Glas, während ich mir wohlig warm gegen den Bauch föhne. Er lädt sich eine viel zu große Portion Shampoo auf die große, feingliedrige Hand und rubbelt damit so lange über seine braunen Haare, bis sein stoppeliges Gesicht beinahe im produzierten Schaum verschwindet. Dann verteilt er den Schaum nachlässig über den ganzen Körper, hält sich nur mit den Intimregionen ein wenig länger auf und ist nach 3 Minuten schon abgeduscht und fertig. Als er wieder aus der Dusche steigt, tropft er mich von oben bis unten nass. Er hat keine Chance, vor Hitze zu dampfen, durch meine anhaltende Föhnerei hat es im Bad ähnliche Temperaturen wie einer Biosauna.

„Emma! LOS JETZT!“ Er nimmt mir den Föhn einfach aus der Hand und schüttelt sich wie ein Hund, so dass ich einen Moment lang schützend die Augen zukneife gegen den funkelnden Tropfenregen. Dann beginnt er nackt und nass, mit entschlossen zusammengekniffenem Hintern, sich die Haare zu föhnen. Seufzend entledige ich mich meiner eigenen Schlafwäsche und drehe den Wasserregler auf heiß. Erst, als es angemessen zu dampfen beginnt, steige ich hinein und wage mich unter den künstlichen Schauer. Bei mir ist das alles ein bisschen langwieriger, die Haare sind einfach länger, das Shampoo läuft mir ins linke Auge und brennt höllisch, dann noch Spülung drauf, das Orangen-Duschgel zwischen den fast schon runzeligen Fingern schaumig reiben und dann über den Körper verteilen und dann das großflächige Rasieren. Dass sich Männer immer so über ihr Bisschen Gesicht aufregen, wir haben es doch letztlich viel aufwendiger, seit die Gesellschaft entschieden hat, dass wir der Evolution geistig immer einen Schritt voraus sind und Haare oder Härchen am Körper einer Frau nichts mehr zu suchen haben. Also ein paar Striche unter den Armen, vorsichtig über die Beine, die Haut über den Schienbeinen ist schon ganz mitgenommen von all den blinden hektischen Morgenrasuren, mit der Zahnbürste gleichzeitig im Mund. In der Scham dann ein wenig vertrackt mit einigen Verrenkungen und ganz glatt wird es da ja doch nie. Fertig.

Maxim steht vor dem Spiegel und versucht erfolglos, seine Locken mit Gel zu bändigen, auf seinen Wangen glitzern die Bartstoppeln rötlich im Licht, er hat sich nicht rasiert. Mir ist es recht, ich finde ihn mit Stoppeln noch schöner und liebe dieses plüschige Samtgefühl, wenn ich meine Wange an seiner reibe. „Los, los, du hast fünfzehn Minuten! Maximum!“, schreit er grinsend und haut mir klatschend auf den feuchten Hintern, als er aus dem Bad läuft. Er liebt das Wort Maximum, wie ein Fünfjähriger versucht er es so oft wie möglich zu verwenden, nur weil es seinen Namen enthält. Keine Ahnung, in welchem Stadium seiner Entwicklung dieser infantilisierende Rückschritt eingetreten ist. Ich brumme und klettere aus der Wanne. Der Spiegel ist vollgedampft und ich nehme den Föhn wieder an mich, diesmal verwende ich ihn aber im konventionellen Sinn und föhne den Spiegel frei. Hm, optimierungsbedürftig, ziemlich optimierungsbedürftig. Nachdem ich mir die langen Haare kopfunter trockengeföhnt habe, widme ich mich dem Gesicht und versuche redlich, das Bestmögliche daraus zu basteln. Dann schlüpfe ich in irgendeine Jeans und ein schlabberiges T-Shirt und verlasse das Bad.

Maxim steht schon an der Tür, mit unzähligen Tüten und Schachteln beladen. Die Wohnungstür steht sperrangelweit offen. „Ich hab das Meiste schon ins Auto gepackt. Bist du fertig, Mäuschen?“ Ich nicke. Mir ist schlecht. Ich nehme ihm einen guten Teil seiner knisternden Last ab und laufe aus dem vierten Stock über die knarzigen, ausgelatschten Stufen ins Erdgeschoss hinunter. Warme, duftende Frühlingsluft schlägt mir entgegen. Das Vogelgezwitscher klingt wie vom Band und die Morgensonne taucht alles in weißgoldenes Licht. Einzelne grüne Knospen trauen sich schon aus ihrer schützenden braunen Hülle. Man merkt, dass Ostern nicht mehr weit ist. Maxim holt mich von hinten ein und drängt mich aus der Haustür. Er trägt einen schlanken schwarzen Anzug samt Weste und Einstecktuch. „Ich hab direkt hier geparkt. Da links. Oh Mann, das wird echt knapp! Steig ein, ich fahre!“, weist er mich an und ich steige willenlos auf der Beifahrerseite in den Wagen. Die Tüten lege ich behutsam hinter mich auf die wartenden Kleidersäcke. Mit seinen glänzenden Schuhen tritt Maxim in die Eisen, die Reifen drehen auf dem übrigen Rollsplit des langen Winters kurz durch, und dann geht es in rasanter Geschwindigkeit quer durch die Innenstadt. Hupend umrundet Maxim alte Paare, die sich zu einem samstäglichen Morgenspaziergang vor die Tür gewagt haben, wedelt spielende Kinder zur Seite und bedroht verschiedenste Semmelholer mit der Faust, wenn sie bei der Straßenüberquerung bummeln. Er ist hibbelig, trommelt mit dem Daumen auf das Lenkrad und summt eine nicht identifizierbare Melodie vor sich hin. Bei der Anfahrt auf eine rote Ampel schnipst er mit den Fingern. Das macht er oft, denn in irgendeinem Film mit Whoopi Goldberg ist die Ampel dann immer umgesprungen, oder die Protagonistin hat das Schnipsen einfach gut getimed, bei Maxim funktioniert es jedenfalls nie.

Vor der gläsernen, über und über beklebten Front einer Reinigung hält Maxim kurz an und springt bei laufendem Motor aus dem Auto, die Tür lässt er offen stehen. Ich sauge die süße erdige Luft tief in meine Lungen und kneife mich in die Wangen, aber das surreale Taubheitsgefühl, das mich schon seit dem Aufwachen verfolgt, lässt nicht nach. Ich sehne mich ein bisschen nach meinem Föhn. Maxim kommt zurück, schmeißt etwas in den Kofferraum und steigt wieder ein. Die ersten Locken haben sich aus der Fessel des Haargels gelöst und fallen wellig in seine Stirn. Ich werfe einen Blick auf die Uhr. 10:23 Uhr. Maxim folgt meinem Blick. „Ich hab’s dir gesagt, ich BRING IHN UM…“, er bricht ab, weil sein Handy klingelt. Er geht ran und klingt plötzlich ein wenig enthusiastischer. „Guten Morgen! Ja, danke! Und dir erst! Nein, nein, kein Problem, wir schaffen es! Sonst fangt einfach schon mal ohne uns an!“ Er lacht. „Ok, bis gleich.“ Er wirft das Handy in die Mittelkonsole und legt seine große, trockenwarme Hand auf mein Bein. Die Sonne schimmert warm auf dem braunen Lederband seiner Uhr, ein Geschenk von seinem Vater, die er immer am rechten Handgelenk trägt.

Zehn Minuten später sind wir tatsächlich da. Maxim parkt achtlos direkt vor dem Eingang. An der Tür kommen uns aufgeregt schnatternde Leute entgegen, im ihrem Zentrum Amelie, wie eine Königin. Als sie mich sieht, reißt sie die Augen auf. Sie trägt die Haare hochgesteckt und sieht in ihrem eleganten Trägerkleid einfach wunderschön aus. Ich bin sprachlos. Sie nicht. „Emma! Spinnst du! Wie siehst du denn aus?“ Sie packt mich resolut am Handgelenk. „Hast du da eine Beule an der Stirn? So kannst du dich hier nicht blicken lassen. Wir gehen hinten rein!“ Ein paar gute Geister tragen uns die Sachen hinterher. „Wir sehen uns drinnen!“, ruft Maxim mir nach, ich werfe noch einen Blick zurück und sehe, wie ihn eine Gruppe von Anzugträgern verschluckt, dann sind wir schon um die Ecke.

Unzählige Kletterrosen versuchen die rote Backsteinwand neben uns zu erklimmen, einige blühen sogar. Den Lebensrhythmus dieser Pflanzen habe ich noch nie durchschaut. Sie scheinen einfach immer dann zu blühen, wenn sie gerade Lust darauf haben. Ich nehme mir vor, das jetzt genauso zu halten. Gedämpft durch die ersten Blätter fällt das Licht auf meinen Arm, der mir mit einem Mal käseweiß vorkommt. Wie ein Maultier stemme ich plötzlich die Füße in den Boden. Doch Amelie hat jetzt keinen Sinn für solche Sentimentalitäten. „Schluss jetzt Emma, du wirst noch allen die Feier verderben! Wir müssen dich schleunigst in ein ordentliches Kleid stecken!“ Ich komme mir vor, als würde ich in meinen Schuhen schrumpfen, so sehr hört sie sich nach Mama an. Ein kleines Lächeln schleicht sich in ihren Mundwinkel, als sie meinen Blick bemerkt. „Jaja, ich weiß. Aber du bist die, die aussieht, wie sie, oder etwa nicht?“ Sie hat recht, ich habe Mamas Züge geerbt, ihr kräftiges dunkles Haar, die hohen Wangenknochen und ihre grünen Augen. Amelie sieht ganz anders aus, auch nicht wie Papa, einfach wunderschön, ich habe sie immer beneidet um ihr blasses Schneewittchengesicht mit den großen kornblumenblauen Augen und dem feenhaft feinen Haar. Wie gesponnenes Gold, hatte Mama immer gesagt. Aber eigentlich habe ich sie sowieso immer um alles beneidet, also fällt das Eine wohl nicht so ins Gewicht. „Gerade heute vermisse ich sie besonders!“, sagt Amelie und ich nicke, mir geht es genauso.

Ich habe einen Kloß in der Kehle und hoffe, dass ich nicht heulen muss und mein Make-Up versaue, aber Amelie lässt das gar nicht zu. Wir sind durch eine efeuumrankte, grün gestrichene Hintertür ins Gebäude geschlüpft und meine große Schwester dirigiert mich gleich nach rechts in einen leeren Umkleideraum. Sie lässt mich kurz allein und ich hole mein Kleid aus einem Kleidersack, schlüpfe erst in die passende Unterwäsche, ziehe die Strümpfe hoch, werfe mir dann das Kleid über den Kopf und steige in meine High-Heels. Ein Blick in den Spiegel verrät mir, dass sich die Mühe gelohnt hat, ich komme entschieden festlicher rüber als noch vor wenigen Minuten. Fast scheint es, als hätte ich langsam ein bisschen Farbe im Gesicht. Ich betrachte mein Gesicht genauer. Obwohl ich Mama wirklich sehr ähnlich sehe, fand ich sie viel schöner. Als trügen zwei Frauen das gleiche Kleid, aber der einen würde es einfach besser stehen.

In diesem Moment kommt Amelie zurück und verschließt kommentarlos mein Kleid am Rücken. Sie schaut prüfend an mir vorbei in den Spiegel. „Irgendwas machen wir noch mit deinen Haaren“, sagt sie wie zu sich selbst. Ich schaue unwillkürlich zur Uhr, die über der Türe laut vor sich hin tickt. Amelie winkt ab. „Ich hab grad nachgesehen, wir haben noch kurz Zeit, sie fangen schon nicht an, keine Sorge. Halt still!“ Und so wie sie es schon seit meiner frühesten Kindheit und seit Mamas Tod noch viel häufiger gemacht hatte, steht sie hinter mir, kämmt mir mit kräftigen Bürstenstrichen die Haare, teilt geschickt einzelne Haarsträhnen ab und schlingt sie umeinander, so dass wie durch ein Wunder schon nach wenigen Minuten eine raffinierte Frisur zustande gekommen ist. Am Schluss steckt sie noch einige kleine Röschen hinein, die sie draußen gepflückt hat. Mit fassungslosem Kopfschütteln bewundere ich ihr Werk. Das ist wirklich ein Talent. Ich bin ja schon froh, wenn ich einen einigermaßen ordentlichen Bauernzopf hinbekomme. Ich stehe auf, schüttel den Rock aus und drehe mich vor dem Spiegel. Das Kleid ist trägerlos und einfarbig mit einem blumenbestickten Bustier. Ein Stück über der Hüfte wird es weiter und fällt in großzügigen Falten wie ein Zelt bis zum Boden. Tatsächlich gefalle ich mir gar nicht schlecht darin. Amelie sieht mich an und hat mit einem Mal Tränen in den Augen. Ich schaue auf meine Füße und gehe an ihr vorbei zur Tür. Mein Kopf tut immer noch weh und das merkwürdige Abwesenheitsgefühl ist zwar schwächer geworden aber nicht gänzlich verschwunden.

Mein Vater, schon leicht angegraut aber immer noch aufrecht, dynamisch und autoritär, steht im Flur und wartet auf uns. Er neigt nicht zu übertriebenen Emotionsausbrüchen, deswegen lässt er sich nichts anmerken, als wir auf ihn zugehen, sondern hakt uns nur auf beiden Seiten unter und geht mit uns um die Ecke. An der Tür geht Amelie schon mal hinein, Papa und ich bleiben kurz zurück. Er schaut mich an und ich sehe doch kurz Mamas Widerschein in seinen glänzenden Augen, aber das nehme ich ihm nicht übel, ich weiß, dass er mich um meinetwillen liebt. Er nimmt meine kalte Hand und steckt mir ohne ein Wort Mamas Ring an den Finger, den mit dem kleinen Saphir, den Amelie und ich als Kinder immer haben wollten. Ich starre ihn an. Er lächelt leise, dann nimmt er mich am Arm und drückt ihn fest. Wir treten gemeinsam ein und gehen zusammen den Gang hinunter. Es entsteht eine kollektive Unruhe, als sich alle gleichzeitig erheben und zu uns umdrehen. Als die Musik einsetzt merke ich, dass mir das Blut in den Kopf schießt und ich will verlegen auf den Boden sehen. Doch stattdessen blicke ich suchend nach vorne und mit einem Mal fällt jede Schüchternheit und jede Taubheit von mir ab. Ich fühle mich jung, stark, schön und lebendig unter Maxims loderndem Blick, der mich zu ihm hinzieht wie ein Magnet.

„Ja, ich will“, ist das Erste, was ich heute sage.

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23 Antworten

Kommentare

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  • 1

    "Sie scheinen
    einfach immer dann zu blühen, wenn sie gerade Lust darauf haben. Ich nehme mir
    vor, das jetzt genauso zu halten." einfach schön.

    30.01.2013, 11:26 von ein_zipfelchen_zeit_in_der_tasche
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  • 0

    so schön kitschig :D

    28.01.2013, 16:09 von snaty
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  • 0

    fantastisch!

    28.01.2013, 11:54 von LiaCarousel
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  • 1

    Sehr sympathisch. Ich werd mir nun einen Föhn zulegen!

    28.01.2013, 08:34 von Hildegardt
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  • 1

    Ab Absatz 7 hatte ich ne Ahnung, wurde aber wegen dieser Mutter-Geschichte aber abgelenkt. Insofern ein schönes Ende dafür, daß man fast schon mit einer (recht bizarren) Beerdigung gerechnet hatte...

    27.01.2013, 23:55 von LudwigMartin
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  • 0

    SO muss es vor der Trauung ablaufen! Und nicht son Schischi und Muschepupu..

    26.01.2013, 10:31 von onyparlefrancais
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  • 0

    Der Film heißt Corinna, Corinna und sie pustet die Ampeln auf grün. Ich mag die Entwicklung in deinem Text und habe ihn gern gelesen.

    25.01.2013, 21:34 von Lisn
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  • 0

    schöne geschichte und schön geschrieben :) !

    25.01.2013, 19:29 von kateida
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  • 0

    sehr schön geschrieben :) einer der wenigen guten texte hier!

    25.01.2013, 12:52 von travelmate
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  • 1

    Ich ahnte wo es hingeht, aber der letzte Satz hat mich trotzdem nochmal erwischt.

    Deine Stimme ist gut. Ich les gern mehr von Dir.

    25.01.2013, 12:44 von RichardGatsby
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