Bügeleisen auf der Hand....
Warum gibt es Menschen, die alles planen? Während ich am Bügelbrett stehend die T-Shirts meiner Schwester glätte, drängt sich mir diese Frage auf.
Meine Mutter hat mir mal wieder von meiner Cousine erzählt. Das Abbild eines Menschen, bei dem einfach alles rund läuft, der alles plant. Einer der Menschen, neben denen man immer alt aussieht. Und während ich mich, in Langeweile suhlend, weiter den T-Shirts hingebe, fange ich an mich zu fragen, warum mich Menschen, die alles planen, so einschüchtern.
Wirken Menschen, die immer und überall auf alles vorbereitet sind, wirklich perfekter, gesetzter und erwachsener, oder kommt nur mir das so vor? Ich zumindest fühle mich in deren Gegenwart immer extrem unerwachsen und vor allem: chaotisch. Und während ich dann so neben ihnen stehe, mir ihr Leben anhöre, ihnen beim Einkauf für nächste Woche zusehe und immer kleiner werde, schreit mich das kleine Männchen in meinem Kopf verzweifelt an: Richte dich endlich auf, lass dich nicht einschüchtern!
Aber das ist schwer, wenn einen immer das Gefühl verfolgt, dass, während man selbst auf nichts vorbereitet ist, der Gegenüber immer genau weiß, was passieren wird und wie er darauf reagieren soll. Man steht also dumm da und versucht sich, das für einen selbst unsichtbare Schild vorm Kopf, abzuschrauben, das einen für erprobte Planer als „durchs Leben stolpernd“ auszeichnet, von dem man aber sicher ist, dass es da ist.
Ich kenne Menschen, die wissen genau, wann sie ein Kind haben wollen, wann sie welchen Urlaub machen, was sie in zwei Tagen kochen oder wo sie in sechs Jahren wohnen, arbeiten oder ihre Kinder in den Kindergarten schicken. Ich schaffe es ja nicht einmal, den Stundenplan für nächstes Semester zwei Wochen vor Beginn fertig zu stellen. Während ich in der ersten Semesterwoche noch hektisch an meinem Stundenplan feile, wissen andere schon, was nächstes Jahr für sie auf der Liste steht. Ist das schlimm? Sollte ich das auch wissen?
Ich greife also zum nächsten T-Shirt und bügele monoton weiter, da drängen sich mir hunderte Fragen auf. Wenn ich jetzt geplant hätte, mit dem Bügeln in einer halben Stunde fertig zu sein und danach systematisch weiterzugehen, mir aber das Bügeleisen auf die Hand stelle, sie mir verbrühe und in die Notaufnahme zum Verbinden muss - was mache ich dann? Habe ich einen zweiten Plan, der das berücksichtigt, drücke ich den Schmerz weg und mache einfach weiter, weil das mein Plan nicht hergibt, oder rufe ich jemanden an, der ihn aus Höflichkeit für mich erfüllt und bringe damit dann wiederum seinen durcheinander? Ich wüsste es nicht.
Aber anscheinend ist Planen ist etwas für Menschen, deren Leben in geregelten Bahnen verläuft und nichts für welche wie mich, die sich auch gerne mal das Bügeleisen auf die Hand stellt. Vielleicht habe ich ja doch kein Schild vor dem Kopf - und wenn doch, muss ich demnächst einfach öfter Mützen tragen! Aber nächstes Mal, richte ich mich sicher auf, wenn die Stimme ruft. Ganz bestimmt….





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