MaasJan 05.09.2012, 21:51 Uhr 7 15

Brot und Krumen

Alles in ihm wollte fliehen, rennen, einfach weg.

Der Schlachtenlärm wurde zwar zunehmend leiser, aber das lag vor allem daran, dass der blutige Morast auf dem Boden tief und tiefer wurde und wie ein gieriger Schlund jeglichen Schall zu schlucken schien.                                                                                                     Und Füße.                                                                                             Seine Füße steckten in diesem vermaledeiten Sumpf fest und lösten sich nur mit widerwillig mit einem lauten Schmatzen aus der Umklammerung. Fast schien es, als wollte der Boden ihn nicht gehen lassen.

Dabei konnte sich der Untergrund über zu wenig Nähe und Kontakt nicht wirklich beschweren.Jeder Tote entledigte sich einer beträchtlichen Menge Blut und Gedärmen, von den voluminösen Leibern der getöteten Pferde ganz zu schweigen.

Wie allerdings bei fast allen Dingen und Naturgewalten, denen man menschliche Eigenschaften zuschrieb, war auch der Schlachtengrund durch Makel geprägt.                                                                                                       Er gierte und schien unersättlich.

Kaum ein Sonnenstrahl drang noch zu ihm durch, zu sehr war er mit dem Absorbieren und Schlucken von Schall und Blut beschäftigt. Dabei hatte sich auch der Himmel mit der untergehenden Sonne in ein farbenprächtiges Spektakel verwandelt, das mit dem rötlich-braunen Boden und den verkrusteten Uniformen ein formidables Schlachtengemälde abgegeben hätte. Dem Boden aber fehlte jeglicher Sinn für die simple Schönheit des Moments.

Zugegeben, den meisten Anwesenden ging der Sinn für den impressionistischen Reiz der Situation vollständig ab. Sie waren damit beschäftigt, die verbliebene Munition in ihre Gewehre zu laden, grob zu zielen und Stücke aus dem Gegenüber zu schießen.

Verfehlten sie, war die Gefahr, selber Stückweise dem Boden näher zu kommen, gewaltig.Die schartigen Tomahawks schnitten nicht eben glatt ins Fleisch und hinterließen doch arg klaffende Wunden, die an den Rändern gefährlich fransten. Viel besser erging es den Zielen den Kugeln aus diversen Läufen auch nicht.

Ihre Durchschlagskraft riss immense Löcher und trieb tiefe Stollen in alle Körperteile.
Die zahlenmäßige Überlegenheit seiner Gegner fiel da schon kaum mehr auf.                                                                                                              Er war mit der Hoffnungslosigkeit der Situation vertraut. Wenn er nur sein Pferd satteln und fliehen könnte. Aber desertieren, dafür würde er wiederum erschossen und um einen Aufschub ging es hier nun auch nicht. Und streng genommen war für Sentimentalitäten eher wenig Platz.

Die nackte Panik blitzte zu häufig durch seine Gedanken und stiftete allerlei Verwirrung.

Der kühl berechnende General war zu einem Oberhaupt eines versprengten Häufleins auf einer Anhöhe geworden, dem er nur wenig Würde und halt gab. Aufrichten konnte sich an ihm niemand mehr, er wäre sofort eingeknickt. Und auf Knien wollte er sich nun nicht eben ergeben.

Nicht diesen Wilden.

Es war ein Zwiespalt, der sich mit jedem gefallenen Soldaten gefährlicher zwischen ihm und den klaren Gedanken auftat.

Er kannte die Geschichten und Bilder von verstümmelten Soldaten, deren Einzelteile und Haarpracht samt Kopfhaut als Trophäen um die Lagerfeuer gereicht wurden und beim nächsten Gemetzel doch keinerlei Beistand leisteten.                                                                                           Zumindest hatten die Rothäute wenig Erfolge vorzuweisen, weit her konnte es mit der Wirkung der Talismane nicht sein.                                                                                                         Aber auch das Kreuz um seinen Hals hatte allenfalls eine Symbolkraft, Einfluss hatte es noch nie gehabt und ihn doch den gesamten Lauf seines Lebens begleitet. Taufe, Schatzkarten, Schule, Hochzeit und selbst jetzt war der Feldpfarrer erst vor wenigen Augenblicken, von einem Pfeil im Auge getroffen, niedergesunken.

Die Zahl seiner Gefährten war auf eine erkleckliche Zahl zusammengeschmolzen und hatte die Anhöhe im Landschaftsbild ein wenig angehoben. Natürlich konnte er bis zum Letzten ausharren und einen Heldenhaften Tod sterben. Aber dafür war es doch zu früh und wenn er es sich recht überlegte, wer sollte seine Flucht schon melden?

Heroisch verklärt würde er schon werden, auch wenn er den Ruhm nicht auskosten konnte.

Eugene war sich sicher, dass er in einem wenig besiedelten Landstrich arm und unerkannt lieber lebte, als hier an der matschigen Suppe unter und über seinen Füßen zu ersticken, während ihm ein Stumpfes Messer den Skalp abzog.

Er nahm die Beine in die Hand, löste sich ruckartig aus der schlammigen Umklammerung des Bodens und spürte, wie noch einmal das Adrenalin durch seine Adern in jede Faser seines Körper pumpte.

Ein letzter Blick zurück, in aller Hastigkeit, während sich alles in ihm auf die einzige Lücke zu bewegte.  

Der Blick ging wieder nach vorne und ehe er sich versah, war er mit der Schläfe in eine verirrte Kugel gelaufen. Schnell war er vorbei, der Lauf seines Lebens.

Die Beine versagten ihren Dienst und er fiel mit dem Rücken klatschend in den blutigen Morast. Ein letztes Mal konnte er den Himmel erhaschen.

Da war sie wieder, die Lücke.

Mit dem Ausgang der Schlacht hatte all das weniger zu tun. Bis auf ein Pferd wurde gänzlich die gesamte Einheit aufgerieben und unter Freudengeschrei in kleinere Teile gekappt.Was zurückblieb, wurde wieder eins mit der Erde und zumindest für den Boden stellte das grausige Geschehen eine fruchtbare Bereicherung dar.




Tags: c-a-f-f-e-e, trink nicht zu viel caffee
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7 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Find ich jut, aber die Schreibfehler stechen mir immer so ins Auge. Das is schade.

    15.09.2012, 13:21 von nyx_nyx
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  • 1

    koffein - eindeutig! ich habe den text ganz hektisch gelesen..

    09.09.2012, 21:22 von ilofi
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  • 2

    Ich bin irritiert! Warum ist der nicht auf der Startseite?^^

    08.09.2012, 16:51 von Trebor-Faust
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  • 1

    jut!

    06.09.2012, 18:12 von zehnmomente
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    JAN !!!

    Ich bin begeistert. Auch wenn Du das aus einer Deiner bekloppten Launen heraus geschrieben haben magst, das ist wirklich gut!

    05.09.2012, 22:08 von cosmokatze
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