IstDerNameNochFrei 02.09.2011, 10:08 Uhr 1 0

Besser.

Ein Pamphlet.

Politik, Prominenten-Klatsch, Technologie-Fachgesimpel, schräge News und "User Generated Content".

Das sind die Kauspielzeuge die mich traurig, müde und zynisch gemacht haben.

Jedes einzelne - auf seine Art - trägt zur Notwendigkeit bei, unser Portfolio der seichten aber stur vertretenen Meinungen über fast alles zu erweitern.
Dann sollen wir etwas darüber veröffentlichen.

Irgendwo.

Über Unternehmen von denen wie nie etwas gehört haben, über Länder die wir nie besucht haben, über Kinder die unglücklicherweise in eine Familie hineingeboren wurden die im Fernsehen zu sehen ist — das ist alles Schrot aus dem platte Witze, kurzsichtige Kommentare gemahlen werden die, zumindest für ein paar Minuten, dem Macher und dem Konsumenten helfen die Langeweile zu besiegen, sich unverletzlicher und weniger abgeschottet zu fühlen.

Für einen Moment macht uns all das lebendiger. Mich zumindest.
Aber nach genauer Betrachtung kann die Langzeitwirkung dieser Dinge überraschend anders sein.
Was dich weniger langweilt macht dich bald zu einem Süchtigen.

Was Dir das Gefühl gibt unverletzlicher zu sein kann dich schnell in einen Deppen verwandeln.
Und all das, was Dich heute mehr mit anderen Menschen verbinden soll, verwandelt sich in substanzlose Zeitfresser - dumpfer Anreiz die eigene Persönlichkeit zu pflegen und zu verfeinern während man alleine vor einem Bildschirm hockt.

Versteht mich nicht falsch. Die Ränder der Pop-Kultur zu gummieren und die Ergebnisse ab und zu in einer bösen, zusammengeknäulten Papierkugel auszuspucken hat eine edle Tradition welche die besten Werke von Voltaire, Dorothy Parker, Oscar Wilde und einer handvoll Leute die ich als gute Freunde und brillante Schreiber bezeichnen möchte, einschliesst. Es ist nichts Schlimmes daran jeden Tag Mist zu bauen. Aber man muss es kunstvoll tun. Nicht einfach nur lostippen.

Was mich besorgt sind die Konsequenzen einer Diät die aus falscher Verbundenheit, geheuchelter Erkenntnis und nicht überarbeiteter Entwürfe aus allem Möglichen besteht.
Ich denke das alles macht uns mickrig. So bin ich dazu gekommen diese Dinge zu verschmähen.
Mit der Diät-Metapher im Hinterkopf möchte ich, wenn ihr so wollt, von nun an besser essen.
Ich will aber auch eine schmackhaftere Tomate züchten - egal wie leicht sie zu pflücken, zu verpacken, zu verschiffen und zu verkaufen ist. Es geht nur um die Tomate mein Freund.

Das heisst aber nicht dass ich einen ganzen Batzen ungeschickter Versuche unternehmen werde "alles abzuschalten". Aber es bedeutet, dass ich wohlüberlegte Entscheidungen über die Qualität von häufiger frequentierten Inhalten treffen werde - sowie über irgendwelchen "Kram" den ich produziere. Alles.

Von News-Quellen bis hin zu Unterhaltungs-Programmen und von kurzlebigen Internet-Inhalten bis hin zu jeder E-Mail auf die ich beschlossen habe zu antworten. Die Scheiße muss weg - alles eingerechnet.
Um ehrlich zu sein, ich habe keinen speziellen Plan was ich alles so anders machen werde neben dem was ich schon jeden Tag versuche:

- substanzlosen Schwachsinn identifizieren und zerstören

- alles abschalten was lauter als nützlich ist

- brutal schnelle Entscheidungen treffen, über das was ich nicht erledigen muss

- alles vermeiden was sich wie falsche Aufrichtigkeit anfühlt (besonders wenns um Geld geht)

- mir persönlichen Fokus abzuverlangen wenn es darum geht qualitativ gute Dinge zu schaffen

- immer eine handvoll echter Menschen in das Zentrum des Gesamten zu setzen

Alles was ich momentan weiss ist, dass ich alles davon besser machen will. Alles besser. Besser, besser.
Um es nochmal zu betonen, ich habe nicht die Absicht dreckige Witze sein zu lassen oder schwöre nicht davon ab Unfug mit Leuten zu treiben die es verdient haben.

Es ist mir einfach wichtig dreckige Witze auf Weltklasse-Niveau zu machen und Unfug zu treiben auf eine Weise, die niemand erwartet hätte. Ich will ein Vertreter der harten Arbeit und des Schreibens werden und an den Punkt gelangen wo es sich in allem wiederspiegelt was ich tue, produziere und teile.

Ja, auch wenn ich vielleicht eingebildet klinge. Drauf geschissen.

Also gut. Ich halte mich sehr zurück mit Ausflügen an die Warmhalte-Theke der halbfertigen, halbnützlichen, Halb-Ideen die ich ausbrüte und konsumiere. Und, mit allem Respekt, ich ermutige euch dasselbe zu tun; besonders dann wenn das All-You-Can-Eat-Buffet des Abgelutschten und Dahinplätschernden Dir etwas anbietet (oder dazu auffordert etwas zu produzieren) was unter deinem Niveau liegt.

Wenn ich nicht über deine Witze lache, deine Einsichten anerkenne oder Standing Ovations gebe für etwas das du in 10 Sekunden am Telefon aufgepickt hast, dann ist das nicht weil ich es nicht verstehe, sondern es liegt vielleicht daran dass wir beide besseres können und einfach die Courage haben müssen, es auszusprechen. Mit so vielen Buchstaben wie nötig sind.

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Kommentare

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    Bitte keine Kommentare zur Qualität der Übersetzung. Der Kern des Textes ist in diesem Fall wertvoller und ich wollte es schnell auf Deutsch zugänglich machen.

    02.09.2011, 10:18 von IstDerNameNochFrei
    • 0

      @IstDerNameNochFrei Der Kern des Textes fliegt aber mit Überschallgeschwindigkeit am Kern des Sachverhaltes vorbei. Problematisch ist nicht die Hochverfügbarkeit und die Einfachheit von Informationsaustausch und kritischer Beäugung, Publikum und Henker usw., sonder die Geschwindigkeit, mit der diese Prozesse inzwischen ablaufen.

      Wie im Text erkannt, sind die Vorgänge nicht neu, sie gingen ur früher wesentlich langsamer vonstatten aufgrund limitierter Bandbreite von Buch- oder Zeitungsdruck.

      Was ändert das aber prinzipiell an der Qualität? Erstmal nichts. Aber wenn man auf Antworten oder andere Perspektivenn warten muss, hat man die Zeit, seine eigenen Kreationen und Argumentationen nochmal vor dem Inneren Auge Revue passieren zu lassen. Durch diese vermehrte Reflexionsmöglochkeit, erhöht sich die Qualität jeder Aussage zwangsläufig.

      Im Internet und speziell auf Plattformen, die von Aufmerksamkeit leben, hat man genau einen Schuß frei. Und der geht halt oft genug in die Hose.

      02.09.2011, 11:06 von krupp
    • 0

      @krupp Richtig.
      Früher war auch scheiße.

      02.09.2011, 11:42 von sailor
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