Außerhalb atmet man durch
Geschichten werden nie so einfach geschrieben, wie in der Stadt. Es ist, als würden Bleistifte hier umsonst ausgeteilt, Papier liegt auf dem Asphalt.
Man kennt langsam die Gesichter. Ich finde das ist das Beständige daran, angekommen zu sein, und wenn man lächelt, sich Hände reicht, genügt genau das. Ich wohne hier nun seit ein paar Monaten und Geschichten werden nie so einfach geschrieben, wie in einer neuen Stadt. Es ist, als würden Bleistifte hier umsonst ausgeteilt, Papier liegt auf dem Asphalt. Alles ist unser Drehbuch, selbst die Straßenbahnen fahren passend.
Ständig warte ich auf Sätze von dir, auf ein Gefühl. Selbst ein Blick würde mir genügen, nichtmal den widmest du mir. Sogar die Worte fehlen. Ich lese nun Bücher, die ich vorgab zu lesen und versuche nicht mehr zu lügen. Das es schwer fällt zu schreiben, erdrückt am meisten. Zu gerne würde ich aufschreiben, was die Stadt mit mir macht, was für ein Geruch bestimmte Tageszeiten mit sich bringen, wie es ist, über kalten Boden zu laufen. Alles nimmst du mir.
Könnte ich dich abwaschen, wie mein Geschirr, wäre alles endlich. Könnte ich dich abschießen, würde ich zielen lernen. Selbst auf Momente würde ich verzichten, könnte ich dich gehen lassen. Es sind die Parkplätze morgens um halb vier und Küsse, die zuviel sind. Du sagtest ständig, meine Küsse seien zuviel für dich. Telefonzellen, von denen wir anriefen, überall hin.
Du wusstest nie, wer ich bin, ich war kaum ehrlich. Für dich war ich alles und auf einmal nichts. Kam ein bestimmtes Lied, war ich mir sicher, dass es richtig ist. Wenn ich in anderen Armen lag, kamen die Zweifel. Was ich lernte, das man Zeit nicht verstreichen lassen soll, wie viel wir im Leben verpassen, nur weil wir uns nicht trauen.
Oft denke ich, man müsste still halten können. Man müsste sicher sein, mit sich selbst.
Nun erkennen einen langsam die Gesichter. Wasser getrunken aus Plastikflaschen wird durch Alkohol ersetzt, Atempausen durch bestimmte Stücke Musik. Zum Aufstehen eine Zigarette, anstatt einer kalten Dusche. So stellt man sich das Leben in der Stadt vor. Mit dir ist es ganz anders.
In Städten wird alles zu Geschichte. Außerhalb atmet man durch.





Kommentare
Wunderschön geschrieben! Der Satz "Außerhalb atmet man durch" gefällt mir besonders.
12.03.2012, 23:26 von topfbluemchen
12.03.2012, 17:31 von bunteschaosdu schreibst wundervoll. und ich kann das ... das einfach, einfach nachvollziehen. bei dir gehen mir die worte aus um zu erklären was du machst.<3
12.03.2012, 17:10 von bunteschaosdu leitest mich zu schönen texten mit deinen kommentaren. hihi
12.03.2012, 17:29 von Gluecksaktivistindankeschön!
das freut mich, auch wenns unbeabsichtigt war.(:
12.03.2012, 17:32 von bunteschaos