Auf der Suche
nach Halt.
Die Räume sind dunkel und doch hell erleuchtet, in allen Farben dieser Welt. Hell, Dunkel, Rot, Grün, Dunkel, Schwarz. Sie taumelt durch das Lichtermeer. Angetrieben durch laute, schallende Musik, tanzt die Menge wild durcheinander, schmeißt sich von links nach rechts, vorne und hinten. Man rempelt sich an, verkippt Getränke, lacht darüber und rempelt den Nächsten an.
Sie spürt die Ellenbogen der Anderen im Rücken, die
Vodka-Mische auf ihrer Bluse und ein lautes Dröhnen in den Ohren, während sie
in der Menge untergeht. Und plötzlich
fühlt sie sich allein.
Die Welt um sie herum scheint sich zu drehen, wird schneller und lauter.
Sie steht nur regungslos da und sucht nach ihrem Gleichgewicht.
Ihr Blick schweift durch den Raum, bleibt mal hier hängen
und mal dort, verweilt aber jeweils nur kurz. Ein scheues Tier auf der Flucht,
auf der Suche nach Halt.
Halt könnte ihr vielleicht der Mann an der Theke, im grauen Shirt, mit den
starken Armen geben. Seine Hände so groß, man könnte die Welt rein legen, oder
eben ihr kleines Herz. Aber vermutlich würde es dort nur verkühlen.
Sein
Körper mag vielleicht Halt geben, aber Wärme findet man bei ihm nicht.
Also irrt sie weiter.
Sie bahnt sich durch tatschende Hände und tretende Füße, Farben und Gesichter. Manch einer schaut sie an. Oder
blickt durch sie hindurch? Sie weiß es nicht genau, doch es widert sie an.
Ihre lüsternen Blicke, der Sex in ihren Augen, Hände, die auf einmal viel zu
nahe kommen.
Sie will nur noch weg.
Ihr erster Zufluchtsort: Das Damenklo.
Die Musik ist nur noch halb so laut, die gierenden Männer sind ausgeschlossen,
das Licht ist wieder einfarbig. Wenn nur der Gestank nicht wäre.
Passend dazu, der Blick in den Spiegel. Müde Augen und verschmiertes Make-Up.
Auf Toilette wird ihr erst bewusst, wie viel sie schon getrunken hat, während
ihr Körper von einer Wand zur anderen kippt. Schöner geworden sind die Männer trotzdem
nicht.
Die Tür schwingt auf und der Song schallt ihr entgegen. Er reißt sie mit sich
und lässt sie tanzen.
Sie fühlt die Musik in ihrem Körper, kann sie spüren.
Und sie tanzt, als ob die Musik diese Nacht nur für sie spiele.
Sie windet und sie dreht sich und sie fühlt sich gut in ihrem Körper, in diesem
Raum, in dieser Nacht.
Sie zieht die Männer quasi an, während diese sie mit ihren Blicken ausziehen.
Und es gefällt ihr.
Ihr gefällt, wie die Männer sie anschauen, sich ihr nähern und sie begehren.
Sie kann ihr Verlangen spüren und gibt sich der Verführung hin.
Sie lässt sich fallen in die Musik und die Lichter, fällt in die starken Arme
im grauen Shirt.
Es gibt ihr Halt.
Und wenn auch nur für eine Nacht.







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