execratedworld 30.11.-0001, 00:00 Uhr 34 94

Arschlochgedanken

Und dann bleibt von ihr nichts, als ein Haar auf dem Kissen, ihr Duft in der Wäsche und ein Kratzer auf dem Rücken.

Manchmal hat sie Arschlochgedanken.
Solche, über die sie im Nachhinein den Kopf schüttelt, weil sich das letzte bisschen Träumerin rührt. Die, die da ist und ihr sagt, dass es all das Wunderbare gibt, von dem man in Büchern liest, um das sich Geschichten ranken und Filme handeln.

Manchmal denkt sie sich, dass sie sich einfach den nächst Besten packen und ihm das Hirn rausvögeln sollte. Einfach so zum Spaß. Lust an, Gefühle aus. Hopplahopp und weg damit. Ohne Verpflichtungen dem Vergnügen nachgehen. Rein. Raus. Fertig. Ein bisschen beißen, ein bisschen Kratzen, ein bisschen Blut auf der Decke und unter den Nägeln. Und dann bleibt von ihr nichts, als ein Haar auf dem Kissen, ihr Duft in der Wäsche und ein Kratzer auf dem Rücken, der eh nicht richtig verheilt, der immer wieder aufgeschürft wird und am Ende eine kleine, blasse Narbe wird. Ein kurzes Abenteuer. Kein "Du" oder "Wir" soll in ihrem Wortschatz bleiben, eher ein "wie war der Name noch gleich?!" Mehr sie selbst. Sie will nur sich! Sollen andere doch an ihren Gefühlen elendig ersticken, denn sie schreit die ihren raus, während Augen vor Freude glitzern und Schweiß auf ihrem Körper von langen Nächten erzählt.

Manchmal, manchmal will sie sich einfach gehen lassen. Da will sie Nächte durchtanzen und sich berauschen, da will sie trinken, da will sie rauchen und sich alles Mögliche einschmeißen. Da will sie Glück mit jeder Körperfaser spüren und nicht an den Morgen denken. Sie möchte alles vergessen, Sie möchte sagen "mir doch egal" und sich im Sog der Nacht verstecken.
Koffer packen, alles stehen und liegen lassen und raus in die Welt. Bei Fremden schlafen und von der Hand im Mund leben. Ohne Bleibe, ohne Geld, das Wichtigste am Leib und auf den Schultern. Manchmal will sie sich einfach einen feuchten Dreck um jemanden scheren. Manchmal will sie Menschen benutzen und ihnen ihre Gleichgültigkeit als Messer in den Rücken rammen, sie liegen und winseln sehen, sich umdrehen und niemals zurückblicken.

Manchmal wünscht sie sich all das.
Manchmal denkt sie, dass das ein schönes Leben wäre. Alleine, ohne Familienbanden, Freunde oder Märchenliebe. Aber dann rührt sich schüchtern die Träumerin. Die, die fühlen will. Die, die all diese Gedanken in Grund und Boden schweigt. Die, die sich Zärtlichkeit und Anerkennung wünscht, die Familie und Freunde schätzt. Die, die nicht den Mut aufbringt alle Verbindungen zu kappen.
Sie tut es nicht. Sie sitzt.
Sie sitzt und schweigt und träumt.

Die dumme Kuh.



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34 Antworten

Kommentare

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    der richtige moment für sie wird kommen,,

    29.11.2014, 22:55 von ev_84ar
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    dabei wissen alle, dass die Zukunft manchmal auch etwas anderes bringen könnte, als erhofft...


    04.11.2014, 21:46 von dirkbeineon
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  • 4

    warum ist es so schwer einfach auszubrechen? ist es das überhaupt? so wie der text rüberkommt, will sie das wohl gar nicht. sie wurde sehr verletzt, nun hat sie große lust selbst zu verletzen. nur das ist nicht sie und man kann seine innere einstellung nicht einfach so ändern.darum fällt es ihr auch so schwer, bzw. wird es für sie unmöglich da auszubrechen. so ist sie einfach nicht. gut so. die welt ist schon voll genug mit solchen menschen

    19.10.2014, 15:30 von Kristjan_Momo
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    Das sagt so viel über sie.

    18.10.2014, 20:16 von VonGruenwald
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    Zum lieben!

    09.10.2014, 22:44 von Fantasiemaedchen
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    :( zum weinen


    08.10.2014, 19:14 von ilavo
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  • 2

    Schön geschrieben, beste Stellen für mich:

    "Solche, über die sie im Nachhinein
    den Kopf schüttelt, weil sich das letzte bisschen Träumerin rührt"

    "Manchmal will sie Menschen benutzen und ihnen ihre Gleichgültigkeit als
    Messer in den Rücken rammen,..."

    Sagt sich immer recht leicht, einfach mal ausbrechen und machen....ich denke aber, dass es geht und man nicht immer alle Verbindungen direkt kappt nur wenn man manche Dinge probiert und auskostet, dafür ist das Leben da :)

    08.10.2014, 14:25 von KleineFreiheit
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  • 1

    hmmm .. wach auf, steh auf .. ich denke wenn die person glücklich wäre mit der märchenliebe, dann würde sie so etwas nicht träumen.träume soll man haben, aber vor allem auch ausleben. einfach mal machen, selbst wenn es bloß dabei hilft, dass die träumerin merkt, dass das, was sie bisher hat und wie sie lebt, alles ist was sie will und braucht ;) 

    08.10.2014, 11:50 von Ti.Zi.
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    ich danke!

    08.10.2014, 10:02 von Kittykatt
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