Jona_Loewenmut 30.11.-0001, 00:00 Uhr 18 30

Am Ende der Heimat

Ich schwanke wie ein Seemann auf Landgang durch die Straßen, in denen ich einst das Sprechen und Laufen lernte.

Die Sonne ist gerade untergegangen an einem Frühsommertag im Juni. Der Himmel leuchtet noch in den schönsten Farben des Abendlichtes. Ich schwanke wie ein Seemann auf Landgang durch die Straßen, in denen ich einst das Sprechen und Laufen lernte. 

Kindheitsbilder flackern und spiegeln sich als Relikte der Vergangenheit an den Fassaden der Hochhaussiedlung. Ich schaue hoch und halte einen Moment lang inne, blicke in die großen Augen kleiner Kinder, die ganz unbekümmert auf der Fensterbank sitzen und Luftschlösser und Ritterburgen auf die von Atem beschlagenen Scheiben malen. Und du? Du triffst mich dann wie ein durch die Luft schwebender Pfeil mitten ins Herz.

Heimat.

Am Ortseingangsschild 'Rostrup I'. Wenn ich dich lese, dann denke ich an 1985. Zufluchtsort. An Familie. Und an alte Freunde. An unsere 1. Spielplatzbegegnung. An dein Superman-Shirt. Und an meine kleine Welt, die du innerhalb von nur Bruchsekunden gerettet hast. An Kita Regenbogen und auch an Regina Regenbogen. An das Leben zwischen Lahmacun-Wochenenden und He-Man Figuren. An all' die Schneemänner, die in meinem Herzen auch heute noch stehen. An Helmut Meißner und auch an Jenny Rein. An die endlosen Sommerferientage am Zwischenahner Meer. An Mia's Kiosk und an Wassereis am Wendeplatz. An die Zeltlagerabenteuergeschichten in all' den Sternschnuppenstunden.

Heimat.

Später dann auf der Autobahn. Da denke ich mir, dass Heimat wohl die Schönheit am Ende des Horizonts ist, die man zu spät erkennt, während man in den Rückspiegel blickt und die Hochhaussiedlung verlässt.

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18 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Ein bisschen sehr kitschig, aber zugleich auch 'irgendwie dann doch' wunderschön :)

    20.06.2015, 21:20 von weltentdeckerin.
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  • 1

    Da ist ein Leerzeichen zu viel zwischen "als" und "Relikte."

    Gut geschrieben.

    10.05.2015, 13:50 von Grumpelstilzchen
    • 0

      Gut geschrieben.

      Nur weil er im Text He-Man erwähnt hat.

      03.10.2015, 02:41 von mirror87
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  • 2

    Heimat ist im Herzen..kein bloßer Ort.

    10.05.2015, 00:51 von Tora
    • 0

      Ebent...

      10.05.2015, 12:09 von sailor
    • 1

      Der Begriff Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen
      Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort
      angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die
      frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden

      10.05.2015, 13:54 von Grumpelstilzchen
    • 4


      Wenn ich »Heimweh«
      sage, sag ich »Traum«.



      Denn die
      alte Heimat gibt es kaum.



      Wenn ich
      Heimweh sage, mein ich viel:



      Was uns
      lange drückte im Exil.



      Fremde sind
      wir nun im Heimatort.



      Nur das »Weh«, es blieb.

      Das »Heim«
      ist fort.


      Mascha Kaleko

      10.05.2015, 14:21 von sailor
    • 0

      Dichten konnte die.

      14.05.2015, 01:26 von Grumpelstilzchen
    • 1

      Mein schönstes Gedicht ?
      Ich schrieb es nicht.
      Aus tiefsten Tiefen stieg es.
      Ich schwieg es.

      14.05.2015, 12:31 von sailor
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    • 0

      Warum macht dich das stolz? :)

      09.05.2015, 21:07 von yuhi
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    • 0

      Ach so! :)

      09.05.2015, 22:00 von yuhi
  • 0

    Man hat ja immer so eine Horrorvorstellung von Hochhaussiedlungen und dem darin innewohnenden Elend...
    Um so mehr freut es mich zu lesen, dass dem nicht immer so sein muss! Hach .)

    08.05.2015, 22:49 von yuhi
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