adieu Liebster, adieu
Herausgefallen aus Zeit und Farbe, sich zu finden schwunglos eines Tages am Abgrund.
Hallo Herr L.
Wie ich sehen konnte, geht es dir gut.
Der Grund, warum ich dir schreibe ist der, dass ich mich mehr oder minder von dir verabschieden will.
Die Zeit, nun ein Jahr her, war sehr hart und schwer für mich. Herausgefallen aus Zeit und Farbe. Sich zu finden schwunglos eines Tages am Abgrund. Ich denke, das weisst du selbst, wenn du ehrlich bist. Ein Jahr ist eine so lange Zeit. In Schmerz und Kummer wirkt mancher Tag und manch Moment jedoch länger als ein Jahr. Als würde es nie aufhören. Diese Tage suchten mich immer wieder auf, fanden und verschlungen mich fast. Andererseits kann ein Jahr so kurz sein wie ein Tag, weil sich jeder nach ‚schönen und unvergesslichen Augenblicken‘ sehnt. Man genießt und ehe man sich versieht, ist es vorbei. Zu schnell. Zu eilig.
Doch so, scheint mir, ist es immer.
Für mich ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Von dir. Auch wenn ich wochenlang kein Wort mehr mit dir wechselte, warst du trotzdem da. Und nun, ich bin mir sicher, kann ich damit abschließen.
So sagt mir auch die Zeile eines Liedes „ I give up forever to touch you „ das es für mich nun endlich ein Ende hat oder haben muss. Es ist erstaunlich und eigentlich auch unfassbar, wie sehr ein Mensch einen anderen Menschen in seinen Bann ziehen kann. Menschsein ist wohl das Schwerste, was wir überstehen müssen. Zu viel Macht haben wir. Zu viele Gedanken. Zu viele Gefühle. Zu viele in die Irre führende Wege. Und im Grunde, zu viel Falsches.
Ich möchte dich einfach nicht mehr vermissen. Ich möchte keinen Gedanken und auch kein Gefühl mehr an dich verlieren. Ich kann nichts damit anfangen und nichts damit beenden.
Ich habe damit gekämpft, nicht immer und immer wieder in Tränen auszubrechen. Manchmal gewann ich den Kampf und manchmal nicht. Manchmal tat es gut zu weinen und manchmal fühlte ich mich so nutzlos. Für mich selbst ist es unglaublich, wie stark meine Gefühle für Jemanden waren, der sie nicht erwidern wollte. Einseitige Gefühle, die man wochen – und monatelang versucht hat, wegzudrücken, wegzuschieben. Weil man wusste, es würde nichts bringen. Weil man wusste, jedes einzelne Wort deinerseits dürfe ich mir nicht zu Herzen nehmen. Denn neben meinem Herzen wartete die Hoffnung still und heimlich auf Nahrung. Hungrig war sie. So hungrig.
Ich hoffte viel. Doch es auszusprechen, habe ich mir selbst untersagt.
Einmal schrieb ich in meine Moleskine: „Naiv-sein macht das Leben erst spannend. Doch irgendwann wird die Naivität zu unserem Verräter und Feind, den wir so fürchteten.“
Die Momente, die ich mir dir verbringen durfte, waren für mich wunderschön. Es ist so wahr gemeint, wie ich hier stehe und lebe. Ich danke dir, für jeden Tag, den ich bei dir und mit dir war.
Ich danke dir für jede einzelne Berührung, die uns somit verbunden hat. Für jedes liebliche Wort, dass aus deinem Munde kam, als wir nur dalagen und uns anschauten. Ich kenne noch jede Bewegung und jeden Blick. Für mich war es fast wie ‚vollkommen‘ zu sein. Atemberaubend, wie ich noch nie zuvor empfand und wie ich nie mehr empfinden werde.
Es ist und bleibt einzigartig. Du bleibst in meinem Herzen, wie ich dich vor dieser schrecklichen Nach-Zeit kennenlernen durfte. Du bleibst und bist einzigartig – so wie jeder andere Mensch es auch ist. Nur für mich persönlich warst du etwas Besonderes, dass nun zur Vergangenheit gehört.
Oft fragte ich mich nach diesem „Warum“. Aber es bringt nichts, nach Gründen zu forschen. Diese Angelegenheit bleibt unbeantwortet und ich nehme sie so hin, weil ich keine andere Wahl habe.
Jedoch weiss ich nun, weswegen ich einfach nicht damit abschließen konnte. Weil ich so sehr dabei war. Weil ich alles riskierte und all mein Hab und Gut im Sinne von Gefühlen und Liebe in diese Sache steckte, wenn auch, zum Teil vieles unbewusst. Weil ich alles riskierte und zum Ende alles und sogar mich selbst verlor.
Für mich ist die Erkenntnis, wie schlagartig sich Menschen verändern können, eine sehr traurige Erkenntnis. Es schmerzt mich, sowie wohl jeden anderen, der mitansehen muss und nichts dagegen tun kann, dass die Person, die einen verzauberte, sich verändert. Mit der 100% Gewissheit, er würde nicht mehr so werden, wie er war. Wie er war, als sich beide Wesen an den anderen vorsichtig herantasteten.
Verlieren.
Verlieren tut verdammt weh. Im Grunde besitzen wir nichts außer unseren Körper, der uns irgendwann auch zugrunde geht. Es ist eher dieses Festhalten an Momente und Erinnerungen, die wir einfach nicht loslassen wollen. Nein, wir wollen nicht. Weil wir fühlen wollen. Immer wieder. Weil es uns Freude bereitet. Weil wir Egoisten sind.Und die Anderen suchen auf wackeligen Beinen Siddhartas Spuren.
Ich will dich nicht verachten. Ich will dich nicht hassen. Und manchmal will ich es so sehr.Weil ich dann der Meinung wäre, es würde mir besser gehen, wenn ich so fühle. Aber dem ist nicht so. Jemanden zu hassen und zu verachten, für das, was passiert ist in so einer Angelegenheit, wäre den Dolch gegen sich selbst zu richten. Es ist, als würde man sich selbst nicht über den Weg trauen. Denn ich bin es doch, die sich dazu entschied, alles zu riskieren. Eine Garantie gibt es nicht im Leben.
Das was du mir angetan hast, war nicht okay. Du hast mich erniedrigt und mich in den Dreck gezogen. So war es und nicht anders. Aber es bringt nichts, noch einmal jede einzelne Verletzung aufzuzählen. Ich will nicht mehr. Du willst es auch nicht.
Es gibt keinen Kontakt mehr. Du fragst dich sicherlich warum wir keinen Konakt halten können, wenn ich damit abschließe. Die Antwort lautet: Weil ich so sehr dabei war und unglaublich verletzt wurde. Weil ich Angst habe, rückfällig zu werden. Weil ich um keinen Preis der Welt jemals wieder so am Ende sein will, wie ich es war. Denn ich begehrte dich, wie niemand anderen. Und wenn du willst, dass es mir gut geht, so akzeptierst du es.
So lebt jeder sein Leben ohne den anderen.
So bleibst du in schöner Erinnerung mein „Liebster“. Mehr nicht mehr.
Demnach:
Adieu mein Liebster.





Kommentare
wunderbarer Text .... genauso habe ich es auch erlebt und ich habe es erfolgreich hinter mir gelassen . Könnte IHR gegenübertreten und wüsste , SIE könnte mich nicht verletzten . Und ich würde SIE nicht verletzen wollen oder können .
25.07.2011, 21:01 von dirkbeineonZwei wunderbare, wahre, philosophische Sätze hast du da versteckt...
19.10.2010, 00:24 von weitwegMenschsein ist wohl das Schwerste, was wir überstehen müssen
Im Grunde besitzen wir nichts außer unseren Körper, der uns irgendwann auch zugrunde geht
Hab ich mir rausgeschrieben.
Bin in einer ähnlichen Situation, wie Dein Liebster.
18.07.2010, 23:51 von SeerosengiesserVielen Dank für Deinen Text, auch wenn es eigentlich offensichtlich ist, hilft er zu verstehen. Abgesehen davon spiegelt er auch viele eigene Gedanken und Gefühle wieder - Wundervoll in Worte gefasst, Danke
endlos gut geschrieben. so traurig und so wahr und man fühlt genau was du meinst wenn du schreibst.
25.04.2010, 16:43 von black-dandelionda stimmt jedes einzelne wort. und das ist tragisch.
17.03.2010, 23:36 von ilikeloudcoloursAu, man. wunderschöner text. und voller wahrheiten.
10.12.2009, 20:14 von Hannakondaalso, denke daran, jeder schritt von ihm weg, führt dich näher zu dir und deinem wirklichen glück.;)
zumindest rede ich mir das in einer ähnlichen situation ein;)