just4ikarus 07.05.2007, 21:20 Uhr 4 1

A New Beginning

Mit meinen gerade mal neunzehn Jahren stehe ich nun an einem Punkt, wo ich nicht mehr zurück kann und keine Ahnung habe, was vor mir ist.

Die letzten Augenaufschläge muss ich ihr widmen. Der Schule. Bald ist sie vorbei. Beendet einen scheinbar unendlichen Gang. Über all die Brocken, die sie mir in den Weg gelegt hat. Durch all die Tunnel, durch die ich hindurchklettern musste, um da hinzugelangen, wo ich jetzt bin. Jetzt habe ich sie gerade, die letzten Prüfungen. Und dann ist alles vorüber. Ich habe Angst vor all dem Neuen. Vor den Prüfungen, die mir dann endlich das Leben stellen kann. Derer ich mich dann vollkommen widmen kann. Ich habe Angst davor.

Ich weiß, es werden Freundschaften auseinander brechen. Sie müssen es. Denn es gibt nicht allzu viele Freundschaften, die von beiden Seiten gepflegt werden. Nichts ist so wie es scheint. Und Freunde sind nicht immer auch die Freunde, für die man sie hält. Einige, oder gar viele werde ich aus den Augen verlieren. Weg werden sie sein. Raus aus meinem Leben. Und wenn ich sie auf der Straße treffe werde ich kein Thema finden, über das ich mit ihnen reden könnte. Mit Floskeln werden wir werfen. Über unsere gemeinsame Schulzeit werden wir sprechen. Über das Leben danach. Aber ich werde euch dann nie mehr so kennen lernen, wie ich es schon einmal gemacht habe. Ihr müsst schon ganz besondere Menschen sein, um in meinem Leben länger konstant im Blickfeld zu bleiben. Aber ich habe auch Angst davor. Angst, echte, wahre Freunde zu verlieren. Durch die Entfernung. Durch die verschiedenen Universitäten, die verschiedenen Träume, durch die verschiedenen Wege, die wir gehen werden. Ich habe Angst davor, euch zu verlieren. Selbst wenn wir es uns schon so oft geschworen haben. Wir können es nicht aufhalten. Ich habe Angst.

Ich werde ausziehen, weg aus dem Haus meiner Eltern. Aus dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin. All mein bisheriges Leben, meine Vergangenheit wir dann nicht mehr ständig auf mich einträufeln. Wird mich nicht mehr jeden Morgen erschlagen, wenn ich versuche, ein neuer Mensch zu sein. Dieses Leben, hier, war nicht schlecht. Aber doch würde ich es heute anders leben. All die Jugend, die verschwendete, sie wird mich nicht mehr jeden Tag einholen. Meine bisher verblichenen neunzehn Lebensjahre sind Geschichte. Jetzt bin ich soweit, meine Geschichte selbst zu schreiben. Ich werde sie vermissen, meine Eltern. Mein Dorf. Und doch werde ich mich aufmachen in die große neue Welt. Die Eindrücke werden mich wahrscheinlich erdrücken. Und jeden Tag werde ich wieder aufstehen, als neuer Mensch. Als ein Einzelner in der Großstadt. Ich werde nicht untergehen in der Masse.

Neun Monate dauerte sie, meine erste Beziehung. Mit Höhen und Tiefen wurde ich immer und immer mit Zweifeln und Gedanken konfrontiert. Und jetzt habe ich Schluss gemacht. Um nicht auch in mein neunzehntes Lebensjahr mit diesen Laster hineinzugehen. Ich möchte zu leben beginnen. Möchte neue Liebe finden. Möchte Liebe so empfangen, wie ich es benötige. Versuche, endlich die große Liebe zu finden. Es ist mir schon klar, dass das nicht so schnell gehen kann. Aber ich werde mich hüten, mich wieder einmal so tief in einen Menschen fallen zu lassen. Einem Menschen so viel Vertrauen schenken ohne zu wissen, wie er damit umgeht. Ich werde reifen an dieser Beziehung. Werde erwachsen. Werde reifer. Und genau deswegen habe ich es geschafft hier endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Es ist vorbei. So wie fast alles in meinem Leben.

Aber ich habe Angst. In drei Monaten werde ich dastehen. Die Schule wird vorbei sein. Die Freundschaften werden zerbröseln. Der Zivildienst wird beginnen. Und neue Menschen werden in mein Leben geraten. Neue Lieben werden heraufbeschworen. Mein Herz wird enttäuscht. Ich werde getäuscht. All das wird passieren. Und ich kann mir nicht helfen. Wie immer. Aber es ist schon bedrückend, zu sehen … wie im Alter von neunzehn Jahren alles eine Wende nimmt.

Ich habe kaum konstante Faktoren in meinem Leben. Meine Eltern. Wenige Freunde. Und die Liebe zum Schreiben. Die Liebe zur Musik. Und zur Literatur. Niemand kann sie mir nehmen. Und doch macht es mir Angst. Ich habe Angst vor mir selbst.

Ich weiß, ich werde mich verändern. Ich weiß, alles wird anders werden. Auch ich. Niemand weiß, wie wir werden. Was sein wird. Und trotzdem muss ich leben, als wüsste ich schon längst, was kommen wird. Ich habe Angst. Angst vor der Zeit nach dem Zivildienst, dem Publizistik-Studium in Wien. Angst vor der großen Stadt. Angst vor neuen Lieben. Angst vor allem. Angst vor mir.

1

Diesen Text mochten auch

4 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Wunderschöner Text. Er drückt das aus, was auch mich in letzter zeit bewegt. Der neue Lebensabschnitt nach der Schule ist bald da, und man fühlt sich so unvorbereitet, so alleingelassen. Ja, allein. Auch ich habe Angst.

    Nur hat jeder Neuanfang auch etwas gutes - du wirst daran reifen, neue Erfahrungen sammeln. Klar macht das Angst, diese Ungewissheit, was kommt, wies weitergeht...

    Ich wünsche dir alles Gute :)

    01.06.2007, 17:15 von MissLyra
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Genau diese Gedanken, die du da niedergeschrieben hast, gehen mir derzeit auch durch den Kopf - denn auch bei mir ist die Schule vorbei und die Zukunft ist in so vielen Punkten ungewiss. Angst, ja, Angst habe ich auch vor dem was da kommen und enden und sicher verändern wird. Aber ich glaube und hoffe, dass es schön wird. Ohne diese Hoffnung wäre es für mich schwer, die letzten Tage, die ich hier noch habe, zu genießen. Denn das will ich auf jeden Fall - und das solltest du auch! Ich weiß, es klingt einfach und ist so verdammt schwer, weil sich die Angst nicht vergessen lässt. Aber ich glaube, es ist das beste. Wie auch immer, danke für diesen Text - er fasst meine Gedanken schön in Worte :-)

    08.05.2007, 00:09 von smile11
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Hm, ja mit 'nem gewissen Abstand kann man das sicher so sagen =) .. aber momentan kann ich das alles sehr gut verstehen; bei mir dauert es noch ein Jahr länger und mit spuken schon jetzt ähnliche Gedanken durch den Kopf.

    Aber...Einfach immer einen Schritt nach dem anderen tun, und nie an den ganzen weiten Weg denken, der da noch kommt. Dann geht das schon.

    07.05.2007, 22:28 von Chisu
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
13. Februar 2012

Neueste Artikel-Kommentare