2803 Tage.
So lange hast du es mit mir ausgehalten. Und jetzt ist es vorbei mit uns. Du hast Schluss gemacht. Du wolltest nicht mehr. Ich würde dich ersticken.
Nun, das kam nicht plötzlich. Du sprichst ja schon seit über einem Jahr davon, dass wir zusammen nicht mehr das sind, was es mal war. Da kamst du, sahst mich kalt an und sagtest: "Du und ich – das ist nicht für immer."
Schleichend hast du deine Bedürfnisse neu geordnet. Ich half dir dabei, zu entdecken was du willst. Und ist es nicht paradox? Genau das hat dich von mir entfernt. Immer lustloser wurdest du mir gegenüber. Immer distanzierter.
Dann bist du abgehauen. Fast zwei Monate. Und dann, als du wieder da warst, hast du sofort angefangen: Sachen gepackt, dich selbst mit Arbeit zugeschüttet. Hauptsache nicht mehr du und ich.
Seien wir ehrlich, meine Liebe: Wir haben viel erlebt zusammen, oder? Rock im Park (da warst du letztes Jahr maßlos enttäuscht von mir, ich weiß), der Umzug in deine erste eigene Wohnung, deine kurze Zeit an der FH, dann quälten wir uns durch deine Ausbildung und dann und dann und dann.... An Programm fehlte es uns nicht. Besonders die letzten zwei Jahre haben wir so viel erlebt zusammen. Fussball, Konzerte, Eishockey, Party. Das Chillen auf der Wöhrder Wiese.... fast täglich im Sommer und jedes Jahr wieder ein neues Highlight für uns. Du und ich mittendrin, und du doch immer auf dem Sprung. Weiter. Mehr.
Und dann... irgendwie war es nicht mehr das mit uns, was es sein sollte. Du wurdest – ich weiß es nicht – anspruchsvoller? Gerade in den letzten zwei Jahren. Prioritätenwechsel. Auf einmal sollte alles Spaß machen. Und wenn schon kein Spaß, dann Anspruch. Und die Freiheit. Ach, du und deine Freiheit. Oft gingst du mir damit auf die Nerven. Ehrlich.
Manchmal denke ich, du suchst etwas, von dem du nicht weißt, was es ist. Aber ich kann mich auch täuschen. Vielleicht hast du es auch schon gefunden und ich passe da nicht mehr hinein..
Ich breite mich aus vor dir und es passt dir hinten und vorne nicht mehr. Ich stelle dir meine Leute vor, und du wendest dich ab. Ich gebe dir alles was ich habe und du winkst nur ab. Nimmst ab und zu von dem Kuchen, den ich dir gebacken habe um den Bissen sofort wieder auszuspucken. "Nee, geht gar nicht mehr." sagst du dann. Und schaust in der dir eigenen Art nicht mal entschuldigend.
Ich kann mir nicht helfen. Ich bin so wie ich bin. Ich verändere mich natürlich auch. Aber es geht dir zu langsam. Natürlich. Ich kann mit deinem Leben auf der Überholspur nicht mithalten. Will ich auch gar nicht.
Ich habe mir Mühe gegeben. Du kennst mich ja mittlerweile gut genug. Ich habe versucht, dich zu besänftigen, habe versucht, dich bei mir zu halten. Aber du willst ja immer raus. Ständig abgehauen. Was du Kilometer auf Autobahnen gelassen hast! Irgendwann war ich nur noch dein Stützpunkt, bei dem du die Reisetasche aus- und wieder eingepackt hast. Hier für ein Konzert 160 Kilometer gefahren, dann da mal schnell einen Kurzurlaub 800 Kilometer weit weg. Überall, nur nicht hier. Reisende soll man ziehen lassen. Gut, dann soll es so sein.
"Ich ersticke hier" sagtest du mir immer und immer wieder. Schade. Das tut mir leid, wirklich, aber ich kann es nicht ändern.
Es wird dir wieder die Luft nehmen. Irgendwann. Irgendwas. Wir wissen beide, dass du bei allem unter Atemnot leidest, was dir zu nahe kommt. Ja, ich weiß. Ich sehe geradezu, wie du Luft holst um mir zu widersprechen, dass das nicht stimme. Aber diese einzige Ausnahme lass ich nicht gelten.
Ich kenne dich. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dir wieder irgendwer oder irgendwas die Luft nimmt. Du kannst halt nicht anders. Das ist auch in Ordnung. Für dich. Aber ich ziehe da nicht mit.
Geh.
Ich kann dir nicht helfen. Ich kann dir dein kleines Herz nicht flicken. Aber ich habe es auch nicht gebrochen. Also sei nicht unfair zu mir. Schließlich hast du dich oft genug bei mir ausgeheult.
Was willst du noch von mir? Nichts mehr. Du nimmst nichts mehr von mir an. Alles wird mit einem "Nein, lass es bleiben, ich will dich nicht mehr um mich haben!" quittiert.
"Du bist schon schön," hast du mir außerdem gesagt, "aber das reicht mir leider nicht mehr."
Ja.
Damit ist alles gesagt.
An diesem festgefahrenen Punkt sind wir jetzt schon lange genug. Es wird sich nichts mehr ändern zwischen uns.
Er kam herangeschlichen, und jetzt ist er da. Dein Abschied.
Lass uns die letzten Stunden, die uns miteinander bleiben, genießen.
Vielleicht werden wir irgendwann Freunde sein.
Alles Liebe,
dein Nürnberg





Kommentare
"Vielleicht werden wir irgendwann Freunde sein"...toll! :D
01.02.2011, 20:58 von topfbluemchengefällt mir sehr gut.
09.06.2009, 00:03 von nipponiaich mag alles was und worüber du schreibst, aber der ist auch sehr schön.
06.05.2009, 14:05 von Dina-LisaIch war erst enttäuscht. Aber das Ende hat die Geschichte großartig gemacht. Dachte für einen kurzen Moment, ich hätte die Wurzel für deinen entsetzlichen Pessimismus ;-)
05.05.2009, 21:43 von FegefeuerGuter Text, ich hätte (wenn ich nicht schon vorgewarnt gewesen wäre) die Pointe zwar mit einem breiteren Grinsen aufgenommen, aber Aufbau und Stil sind wie (fast) immer top.
30.04.2009, 01:20 von DarenBRensDein
Düsseldorf
PS: Hoffe Du behälst Deine Verlorene tatsächlich in guter und freundschaftlicher Erinnerung.
das ist ja witzig, ich hab gedacht, du schreibst über einen mann mit breiten schultern, weissen zähnen und 3 tage bart. aber dabei ging es um eine stadt!
07.04.2009, 12:24 von Surecamprock im park und "chillen" auf der wöhrder wiese sind nicht cool.
sehr geahntes ende, trotzdem gut :)
03.04.2009, 17:34 von nutellauangeahntes Ende, mit viel Stil, toll geschrieben,..!
03.04.2009, 01:47 von queenmum@queenmum Absolut, ein Text, den ich gerne gelesen habe. Sehr schön geschrieben.
27.04.2009, 12:07 von CyroWunderbare Pointe!
03.04.2009, 01:12 von HeikeT.