exclusive_dynamite 23.01.2012, 18:11 Uhr 1 1

Von der vierten Gewalt...

Eine einseitige Berichterstattung der Medien verzerrt Ultras zu einem Sinnbild des Bösen. Die Medien werden in diesem Fall ihrer Aufgabe nicht gerecht

„Die Kritik an den Platten kann die Platten der Kritik nicht ersetzen“ - So heißt es in einen frühen Lied der Absoluten Beginner, eine Rap-Gruppe aus Hamburg, die Ende der 90er ihre größten Erfolge feierte. Tatsächlich scheinen diese Worte heute kein bisschen an Wahrheitsgehalt verloren zu haben, man muss den Satz lediglich ein wenig verändern: Die Kritik an den Fans kann die Kritik der Fans nicht ersetzen.


Egal wie man über die Pyrotechnik-Debatte und die sich verbreitenden Geschichten von Fans, die sich anscheinend verhalten wie die Reiterhorden von Dschingis Khan, denkt - eines muss man sagen dürfen: Die Medien berichten deutlich zu einseitig.

Statt wie im eigentlich vorgesehen frei und unabhängig zu berichten wird Propaganda im Sinne von DFB und DFL gemacht. Zwar waren vor kurzem Vertreter der Fans im „Aktuellen Sportstudio“ zu Gast – das ist aber nicht mehr als ein Glühwürmchen in einer sternenlosen Nacht.


Bestes Beispiel für die mangelhafte Arbeit der Journalisten ist der Polizeieinsatz beim Bundesligaspiel zwischen Hannover 96 und dem FC Bayern München in der Hinrunde der laufenden Saison. Allein der Verdacht auf Pyrotechnik reichte für einen Blocksturm seitens Freund und Helfer – 36 Verletzte durch Tränengas und Knüppel inklusive. Bengalos wurden übrigens keine gefunden.

Man sollte annehmen, dass es seitens der Tageszeitungen jetzt massiv Kritik hageln würde, wie es sonst bei Polizeieinsätzen mit Verletzten der Fall ist. Stattdessen berichteten die meisten Zeitungen ohne jede Form von Missbilligung, es waren schließlich nur ein paar Ultras verletzt worden.


Was uns auch zum nächsten Punkt bringt: Glaubt man den Medien, dann sind Ultras nichts als große, breitgebaute Babaren, die wahlweise unsere Stadien abbrennen, unsere Frauen schänden oder unserer Innenstädte verwüsten wollen. Dass Ultras vielleicht einfach Fans sein könnten, darauf kommt freilich niemand. Lächerlicher Weise werden außerdem alle Verletzten bei Polizeieinsätzen im Stadion den Ultras zugeschrieben – auch wenn der Großteil davon aus deutlich zu brutalem Vorgehen der Polizei resultiert, die mit Tränengas, Knüppeln und Hunden den Block stürmt.

Zudem scheint Ultra dieser Tage ein Synonym für Hooligan geworden zu sein. Dass sich die Ultras zu großen Teilen klar von den Hooligans distanzieren und auch das Gefahrenpotenzial „Böller im Stadion“ ablehnen scheint dagegen nicht erwähnenswert.


Generell scheinen die Journalisten, die über die Pyrotechnik-Kampagne berichten, noch nicht einmal die Seite der Initiative durchgelesen zu haben. Sonst wüssten sie, dass die Initiative Böller und das Werfen von Pyrotechnik scharf verurteilt. Zudem würde dann vielleicht in den Zeitungen stehen, dass die Initiative nicht die generelle Aufhebung des Pyrotechnik-Verbots fordert, sondern lediglich eine Genehmigung, die bewirken soll, dass Pyrotechnik zu besonderen Anlässen nach vorheriger Absprache mit Feuerwehr, Verein, etc. eingesetzt werden darf. Statt diese Forderungen zu beleuchten und sich kritisch mit ihnen auseinander zu setzen spielen die Medien lieber Ultra-bashing mit Doppelmoral.

Bestes Beispiel dafür ist die Sportschau, die sich auf der einen Seite konsequent weigert bei Pyrotechnik-Einsatz „von Fans zu sprechen“, auf der anderen Seite auf ihren Werbeplakaten aber brennende Kurven mit jubelnden Poldi zeigen.


Im Lied der Beginner heißt es zum Schluss „Musikmedien, ihr könntet so von Nutzen sein – berichtet richtig, oder lasst uns ganz allein“. Das sollten sich auch die Sportmedien der Bundesrepublik zu Herzen nehmen. Eine vernünftige Berichterstattung über Stehplatz-Fans ist nicht aus der VIP-Lounge möglich.

Nur wer im Block stand und erlebt hat was das für eine Atmosphäre ist, nur wer gesehen hat wie die Polizei übertriebene Gewalt gegen Unbeteiligte einsetzt, nur der kann eine differenzierte Berichterstattung garantieren. Das Verlesen von Polizeiberichten ist indes keine journalistische Arbeit, sondern Zeugnis einer Mischung aus „Bück dich hoch“-Mentalität und Faulheit.


Wenn die Medien mehr sein wollen, als die Nutten der Fußballindustrie müssen sie ihre Berichterstattung schleunigst ändern. Nur dann werden sie ihrer Rolle als neutraler Berichterstatter für die Massen gerecht.


Tags: Fußball, Pyrotechnik, Polizeigewalt, Versagen der Medien, Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren
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1 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Ich mag ja Deine, um Objektivität bemühte, Art...

    23.01.2012, 18:30 von sailor
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