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Und früher war alles besser?!

von Vanessa Schmidt Nach dem Motto „Das waren noch Zeiten!“ trauern viele Erwachsene den vergan-genen Jahrzehnten hinterher.

Natürlich stellt sich die Frage: War es früher wirklich schöner, besser, einfacher? Oder woraus resultiert die breite Unzufriedenheit unse-rer Zeit und vor allem, was können wir dagegen tun?

Viele schimpfen auf die Entwicklung. Angefangen bei der Preisentwicklung, bis hin zur Technik. Also: Wo hört der Fortschritt auf, wo fängt das Problem an? Beispiel: Internet, E-Mails, Smartphones. Niemand möchte diese Dinge heute noch missen. Denn schließlich googeln wir mal schnell, anstatt nachzudenken. Mit dem Smartphone, das heute fast jeder sein Eigen nennt und der passenden Internetflat, geht dies in Sekunden. Überflutet von Werbung kämpfen wir uns durch die Weiten des World-Wide-Web. Je nachdem, wie viel Zoll das Touchscreen-Display misst, geht dies leichter oder eher schwerer von der Hand. Wollen Sie heute eine Zeitung abonnieren, werden Sie schon schräg angeschaut, wenn nicht die Online-Variante gewählt wird. Nach dem Motto „Aus welcher Zeit stammen Sie denn?“ vollzieht es keiner mehr nach, die Vorteile einer echten Papierzeitung zu genießen.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />

Ein weiteres Problem des Smartphone- und E-Mail-Zeitalters ist die ständige Erreichbarkeit. Immer und überall auf Abruf sein, Tag und Nacht, 24 Stunden am Tag – die Technik macht es möglich. Abschalten?! Wäre eine echte Alternative. Doch wer bringt es schon über das Herz seinem Chef zu zeigen, dass das Wochenende Freizeit bedeutet oder den Facebook-Freunden nicht sofort den Kommentar zu „liken“. Stichpunkt „liken“: Viele Ältere wissen vielleicht nicht, was dieser neumodische Begriff beinhaltet. Doch es steckt viel hinter und natürlich in dem Begriff „liken“, zu Deutsch „Gefällt mir“. Denn was einem gefällt oder auch nicht, wird heute nicht mehr gesagt, sondern in Facebook per Mausklick entschieden. Sicher nichts tragisches, doch im übertriebenen Maße nervig. Denn wer schaut schon gerne auf seine Facebook-Startseite um lediglich Informationen wie „Ihm gefällt dieses Foto, ihr gefällt diese Gruppe“ zu durchforsten. Wirklich wichtige Informationen, wie aktualisierte Beziehungsstadien oder brandheiße Neuigkeiten, können bei der „Gefällt-mir-Flut“ leicht unter den Tisch fallen. Um die vielen Meldungen zu verdauen, benötigt man eigentlich die eine oder andere ruhige Minute. Doch diese wird uns nicht geschenkt. Denn das Band an Meldungen reißt nicht ab. Um nichts zu verpassen, bleibt einem nur die Möglichkeit Daueronline zu sein. So viel also zu „Abschalten“. Diese Unmöglichkeit findet heute kein Gehör mehr. Zu groß die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen. Die meisten Dinge sind nicht überlebenswichtig. Das ist den meisten klar. Doch: Es könnte ja doch plötzlich etwas Hochpräsentes eintreffen und uns dann entgehen. Damit, dass E-Mails, SMS und sonstige Nachrichten auch am nächsten Tag noch da sind, kommen wir nicht klar. Schnell, sofort, immer – so lautet das Prinzip.

 

Natürlich darf man auf die technischen Fortschritte nicht nur schimpfen. Viele Vorteile birgt sie ebenfalls. Doch es kommt auf den richtigen Einsatz, die Nutzung im richtigen Maße an. Das Leben außerhalb der digitalen Welt sollte nicht vernachlässigt werden. Statt sich online zu schreiben, einfach mal die Lieben besuchen. Statt sich ewig per Nachricht anzukündigen, einfach mal vorbeigehen. „Früher haben wir uns draußen getroffen, haben Dinge unternommen oder einfach zusammengesessen“, hören wir die Mutter sagen. Wie Recht sie hat. „Aber heute chillen wir doch auch zusammen“, entgegnet das Kind. „Dabei checken wir dann die neusten Smartphone-Apps und unsere Facebook-Profile. Ja genau! Sehen sie, wie einfach Kommunikation und miteinander heute sind?

 

Die jüngste Generation wächst in diese hochdigitale Welt herein. Sie kennt sie nicht anders, wird sie nie hinterfragen oder als Problem verstehen. Die etwas Älteren, also die, die ihren Kindern einmal erzählen werden „Ich bin älter als das Internet“ (welch historischer Moment), wissen um die Tücken der rasanten Digitalisierung. Das Internet – Fluch und Segen – ist ihr Standpunkt. Denn sie genossen auch die Vorteile der menschlichen Kommunikation von Angesicht zu Angesicht und die freie Zeit, ohne ständig erreichbar zu sein und auf Abruf zu stehen.

 

Die Oldies, also die, die das Telefon für die aktuellste technische Errungenschaft halten, verstehen wiederum die Jugend nicht. Welche Möglichkeiten die Technik heute bietet ist an ihnen noch vorbeigezogen (natürlich gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen). Sie hängen den guten, alten Zeiten nach. Damals, als alles noch besser war. Die, die den Euro auch 10 Jahre nach der Einführung noch konsequent in die gute, alte Deutsche Mark umrechnen. Die, die das TV-Programm noch nicht in HD-Qualität sehen, den Fotoapparat noch mit einem Film füttern und den Kaffee noch mit Filtertüten und Pulver zubereiten.

 

Ja es gibt sie noch. Und es sind die, die uns bewusst machen, dass im Leben um mehr geht, als ständig neue Informationen zu erhalten und auszutauschen. Es sind die, die uns aufzeigen, dass sich die Welt auch ohne unsere Statusmeldungen im Internet weiterdreht. Und vor allem die, die uns immer wieder erzählen- gefragt oder ungefragt-  wie einfach, ruhig und beschaulich das Leben früher war.

 


Tags: Früher und Heute, digitales zeitalter
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