wir_sommer_wiese 21.01.2012, 18:12 Uhr 7 4

Rauer Beton unter meinen Füßen

Rauer Beton unter meinen Füßen. Langsam gehe ich auf den Rand zu. Ich bin allein. Meine Haare streichen noch weich über meinen Rücken.

Den Rand erreicht, Brille aufsetzten, hoffen, dass ich sie nicht beim Sprung verliere. Mit den Füßen gehe ich so weit vor wie ich kann, beuge mich nach vorne. Ich sehe die Spieglungen des Lichtes vor mir, dahinter das Ungewisse obwohl es hell um mich herum ist. Trotzdem sieht alles von unten anders aus. Tief atme ich ein. Spanne meine Beine an, schwinge mit den Armen, springe. Ich spüre die Luft um mich herum, durch die ich fliege, dann dringen meine Hände in das Wasser ein. Ich bin steil gesprungen, gleite tief ins Wasser, der Boden kommt näher. Meine Arme liegen fest an meinem Körper, die Beine sind gestreckt. Es gibt kaum Widerstand. Ich gleite, weiter und weiter, die Fliesen unter mir ziehen vorbei, so klar und präzise. Ich spüre das Wasser um mich herum. Gleite immer weiter. Ich drücke meinen Rücken durch, treibe langsam nach oben. Mein Kopf taucht auf. Ich spüre den kalten Luftzug, der meine Haare umstreicht. Jetzt liegen sie kalt an meinem Rücken, an meinem Gesicht, eng, wie ein maßgeschneiderter Anzug. Tief hole ich Luft. Schnelle ein Stück aus dem Wasser um dann wieder abzutauchen. Tief. Meine Haare wirbeln um mich. Kräftig ziehe ich einmal meine Arme durchs Wasser. Ich schwebe, sehe alle Konturen so klar. Nur wer unter Wasser ist, kann sie so sehen, gerade nur ich. Erst als ich beinahe still im Wasser liege, schiebe ich meine Arme wieder nach vorne. Meine Beine machen einen Schlag, meine Arme folgen. Gleiten. Es ist so still. Ich sehe die Verwirbelungen am anderen Ende des Beckens vom Wassereinlass. Wieder tauche ich auf, Luft holen, abtauchen. So schnell wie möglich, ich will nicht oben bleiben. Wieder nach unten. Auf dem Grund drehe ich mich um, sehe auf die glitzernde Wasseroberfläche. Alles schwingt, gleichzeitig und doch unterschiedlich und völlig durcheinander. Langsam treibe ich wieder nach oben. Als ich fast an der Oberfläche bin, biege ich meinen Rücken durch. Ein Schlag in Richtung Boden. Kurz kommen meine Füße aus dem Wasser. Dann spüre ich wieder die Wärme des Wassers am ganzen Körper. Schweben. Gleiten.
Als ich Luft holen muss schwimme ich an die Oberfläche. Meine Beine treiben nach oben. Wasser umspielt meinen Bauch, meine Brust. Ich spüre die kalte Luft auf meinem Gesicht, der Rest liegt unter Wasser. Meine Haare schweben um mich. Manchmal streichen sie meine Schulter. Ein Schlag mit den Armen. Sanft gleiten sie durch das Wasser, Strudel zwischen meinen Fingern. Ich schließe die Augen um nicht die Decke zu sehen. Lieber: blauer Himmel, Bäume am Ufer, die Sonne, ein Vogel. Irgendwo. Ich habe Zeit. Atme tief, ignoriere das Chlor in meiner Nase. Es wird zu warmer Sommerluft. Nur nicht aufhören. Ein Pfiff durchdringt die Stille. Rufe. Ich hole Luft und tauche rückwärts ab. Nur noch nicht aufhören.

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Kommentare

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      find ich nicht ;)

      21.12.2012, 11:32 von wir_sommer_wiese
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      trotzdem danke.

      21.12.2012, 11:32 von wir_sommer_wiese
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      und du hast das gute recht sie kund zu tun un dafür danke ich dir.
      alles gut.

      21.12.2012, 11:38 von wir_sommer_wiese
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