Treibsand 18.02.2005, 23:02 Uhr 0 0

Personifikation von Gut gegen Böse: Die Boxkämpfe von Joe Louis und Max Schmeling

Fifty years ago this Wednesday, those themes of sport, race and international politics mixed in an explosive 124 seconds that ...

... formed the pinnacle of Louis's career and one of the major sports events of the 20th century.

So erinnerte sich Joe Lapointe von der New York Times am fünfzigsten Jahrestag des zweiten Kampfes zwischen Joe Louis und Max Schmeling der damaligen Ereignisse, eines Weltmeisterschaftskampfes, dessen Breitenwirkung weit über das Boxen hinausging. Der Titel von Lapointes Artikel „The championship fight that went far beyond boxing“ beschreibt nachhaltig, was den Boxkampf zwischen Schwergewichtsweltmeister Joe Louis und seinem Herausforderer Max Schmeling an diesem Juniabend des Jahres 1938 im New Yorker Yankee Stadium charakterisierte. Das Sportliche, das eigentliche Boxen, war bereits im Vorfeld des Kampfes in den Hintergrund gerückt, wie der amerikanische Schriftsteller Budd Schuldberg dokumentiert:

Nobody on either side of the Atlantic viewed Louis and Schmeling II as anything less than the personification of Good vs. Evil.

Ähnlich wie bei den Olympischen Spielen von Berlin im Jahre 1936, als der afroamerikanische Leichtathlet Jesse Owens mit seinen herausragenden Leistungen den nationalsozialistischen Wahn einer „arischen Überrasse“ und Reichskanzler Hitler höchstselbst im Stadion kompromittierte, wurde das Wiedersehen im Ring zwischen Louis und Schmeling zum internationalen Politikum. Im Präludium des Zweiten Weltkrieges mag es eine „Notwendigkeit“ gewesen sein, bei internationalen sportlichen Wettkämpfen zu polarisieren und zu polemisieren. Bei Louis' Kampf 1935 gegen den Italiener Primo Carnera hatten sich bereits große Teile der afroamerikanischen Bevölkerung von New York mobilisiert, um im Umfeld des sportlichen Ereignisses auf Mussolinis Aggression gegen die damalige italienische Kolonie Eritrea aufmerksam zu machen. Doch während bei dieser Begegnung die „ideologischen Fronten“ noch übersichtlich erschienen und sich Proteste in einem sowohl überschaubaren wie „überhörbaren“ Rahmen bewegten, gestalteten sich die Geschehnisse um den zweiten Kampf gegen Max Schmeling offensichtlich komplexer. Bei allgemeiner, oberflächlicher Betrachtung scheinen die eigentlichen Protagonisten, Joe Louis und Max Schmeling, lediglich zu Schachfiguren im deutsch-amerikanischen Ränkespiel degradiert. Der politische Konnex schwebte wie ein Damoklesschwert vor allem über dem Kampf von 1938 und sollte dessen Klassifikation dementsprechend auch auf Jahrzehnte prägen.

Man muss vor der politischen Kulisse die Charaktere der beiden Boxer und damit deren Umgang mit den brisanten Geschehnissen der damaligen Zeit beleuchten und die Interaktion der entscheidenden Faktoren analysieren, die 1938 schließlich in einer sportlichen Farce kulminieren.
Dann wird deutlich, dass sich weder Joe Louis noch Max Schmeling bei der leidenschaftlichen Ausführung ihres Sports freiwillig als Zugpferde für Lobbyisten oder irgendeine Art von Propaganda einspannen lassen wollten und sich dennoch einer jeweiligen Parteinahme nicht völlig entziehen konnten.
Die Begegnungen zwischen Joe Louis und Max Schmeling in den Jahren 1936 und 1938 haben zweifelsohne ihren Platz in der Sporthistorie gefunden. Diese Chronologie der Ereignisse zeigt die Gründe dafür auf, warum Joe Louis bis zum heutigen Tage von vielen als der beste Schwergewichtsweltmeister aller Zeiten gehandelt wird, zuweilen noch vor der Lichtgestalt Muhammad Ali und warum der an ihn gerichtete Vorwurf eines Uncle Tom nicht haltbar ist.
Aber es hat auch seine Berechtigung, warum Max Schmeling, nach fast sieben Jahrzehnten, die seit seinen Kämpfen gegen Louis vergangen sind, sowohl zu Lebzeitenpost als auch post mortem, als fester Bestandteil, als ein Meilenstein deutscher Sportgeschichte gilt und auch in den USA immer noch eine große Fangemeinde mobilisieren kann.
Die Gründe für die Popularität dieser Sportler erscheinen nicht allein im Fokus der damaligen populistischen Symbolik. Es bedarf vielmehr einer eingehenden Betrachtung der Nebenschauplätze und der Art und Weise, wie Joe Louis und Max Schmeling mit der politischen Brisanz umgingen, um festzustellen, dass ihre Begegnungen mehr zu bieten hatten als den immerwährenden Kampf zwischen Gut und Böse und dass es aus der Sicht beider eben diesen Kampf zwischen ihnen letztendlich nie gegeben hatte.

2 Biografischer Hintergrund: Max Schmeling

Max Schmeling wird am 28. September 1905 in dem uckermärkischen Dorf Klein-Luckow geboren. Sein Vater ist als Seemann bei der HAPAG beschäftigt, seine Mutter, während des Krieges noch bei der Post angestellt, Hausfrau. Schmeling hat zwei Geschwister, einen Bruder und eine Schwester, die jedoch später bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt. Der Vater hatte die Familie aus der Uckermark nach Hamburg geholt, dem Anlaufhafen nach wochenlangen Seereisen über die Weltmeere. Die Versorgungslage während und nach dem Ersten Weltkrieg ist im Allgemeinen äußerst schlecht. Als die Entente-Staaten ihre Seeblockade gegen Deutschland durchsetzen, verschlechtert sich die Situation der Bevölkerung bereits drastisch. Der dramatische Höhepunkt wird im „Kohlrübenwinter“ von 1916/1917 erreicht. Als Folge einer mageren Kartoffelernte werden als Grundnahrungsmittel rationierte Kohl- bzw. Steckrüben ausgegeben, um eine Hungerkatastrophe zu vermeiden. Schmelings Mutter gelingt es dennoch immer wieder, für ihre Familie zusätzliche Nahrungsmittel herbeizuschaffen. Im Alter von vierzehn Jahren beginnt Schmeling als Lehrling in einer Annoncen-Agentur. Zu diesem Zeitpunk hat ihn bereits das Boxfieber gepackt, obgleich sich dieser Sport in Deutschland nicht gerade einer großen Popularität erfreut. Im Kaiserreich ist der Faustkampf sogar noch verboten gewesen, in der Nachkriegszeit zählt man lediglich eine Handvoll Boxer. Einige von ihnen hatten den Sport in englischer Kriegsgefangenschaft von ihren Bewachern erlernt und nach Deutschland importiert.


2.1 Entdeckung einer Leidenschaft

Als in einem nahe gelegenen Kino die Aufzeichnung des Weltmeisterschaftskampfes von 1921 zwischen Jack Dempsey und Georges Carpentier vorgeführt wird, ist der junge Schmeling so begeistert, dass er nahezu seinen gesamten Lehrlingslohn in die allabendlichen Vorführungen investiert. Er kann auch zu Hause seine Begeisterung nicht verbergen und überredet seinen Vater schließlich ihn ins Kino zu begleiten. Obwohl dieser eigentlich einen soliden Beruf für seinen Sohn vorgesehen hat, erkennt er doch schnell Max` Begeisterung für das Boxen. „Ich habe nichts dagegen, wenn du Boxunterricht nehmen willst“, gibt ihm sein Vater dann auch grünes Licht für das sportliche Vorhaben. Schmeling beschreibt in seiner Autobiografie Erinnerungen wie er seine ersten Boxhandschuhe im Trödelladen erworben und sie fortan wie eine Reliquie über das Bett gehängt habe. Zu diesem Zeitpunkt scheint für Schmeling festzustehen, dass ihn der Boxsport ernähren soll: „Die Magie der Welt der großen Kämpfer hatte mich eingefangen, ein für allemal, wie sich zeigen sollte“. Ermutigt durch einen Arbeitskollegen, verlässt Schmeling im Alter von siebzehn Jahren Hamburg und das Elternhaus und zieht ins Rheinland, da unter den englischen Besatzern mehr Boxsportvereine entstanden sind. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten kommt Schmeling in der fremden Stadt bald gut zurecht, findet Arbeit in einer Brunnenbaufirma und tritt einem Kraftsportverein bei. Bald wird er von seiner Firma jedoch nach Köln-Mühlheim versetzt - Ein Glücksfall für Schmeling, denn das bloße Gewichtestemmen mit Bodybuildern ist nicht gerade die beste Trainingsgrundlage für einen angehenden Boxer. Im Bezirk Mülheim schreibt er sich in dem Boxclub Schäl Sick ein und verbringt dort ausnahmslos seine freien Abende. Adolf Dübbers, der ältere Bruder des späteren Box-Europameisters Franz Dübbers, erteilte dem lerneifrigen Schmeling die ersten Lektionen im Boxen. Bisher hat er sich autodidaktisch mit Filmen über sein großes Vorbild Jack Dempsey und einem Lehrbuch von Georges Carpentier über diesen Sport informiert. Seinen ersten wichtigen Kampf bestreitet Schmeling gleich um die westdeutsche Amateurmeisterschaft, ausgerechnet gegen einen jungen Mann mit dem Namen Louis. Schmeling verliert den Kampf gegen Willy Louis nur knapp, lässt sich durch den Rückschlag jedoch keineswegs entmutigen, zumal ihn der westdeutsche Amateurverband 1924 auch zu den deutschen Meisterschaften nach Chemnitz in den Kader holt.

2.2 Beginn einer Erfolgsstory

Im Halbschwergewicht gewinnt Schmeling alle Vorkämpfe und steht im Finale dem bis dato bereits arrivierten Otto Nispel gegenüber. Erst in der Verlängerungsrunde wird Nispel schließlich zum Punktsieger erklärt. Doch der mittlerweile neunzehnjährige Schmeling hat sich an diesem Abend hervorragend geschlagen und man wird auf ihn aufmerksam. Hugo Abel, ein Manager aus Köln, bietet ihm seine Unterstützung an. Der Weg zum Profiboxer scheint geebnet. Dieses Ziel vor Augen, gewöhnt sich Schmeling schnell an die neuen Lebensumstände. Sein Tagesablauf wird nun vom Training diktiert und eiserne Selbstdisziplin im Umgang mit Alkohol, Zigaretten und Ernährung sind der Preis für den Erfolg. Dieser stellt sich gleich in seinem ersten Profi-Kampf ein. Am 2. August 1924 bezwingt Schmeling den Düsseldorfer Lokalmatador Jean Czapp in der sechsten von insgesamt acht festgesetzten Runden. Der Sieg beschert ihm zum ersten Mal einen umfangreicheren Bericht in der Lokalpresse. Bis zum Ende des Jahres hat Schmeling insgesamt zehn Profikämpfe bestritten. Mit zwei Amerikanern, einem Belgier und einem Franzosen werden seine Gegner zudem international. Doch die einzige Niederlage muss er ausgerechnet im Berliner Sportpalast gegen seinen Landsmann Max Diekmann einstecken. Die Fachpresse ist mittlerweile auf Schmeling aufmerksam geworden und auch verschiedene Manager umwerben ihn mit lukrativen Angeboten. Schmeling hat bisher für seine Kämpfe zwischen 100 und 200 Mark erhalten. Nun winken unter anderem Offerten über 800 Mark von Walter Rothenburg, dem größten deutschen Boxpromoter der Nachkriegszeit. Zur selben Zeit kommt der Weltmeister aller Klassen, der Amerikaner Jack Dempsey, auf seiner Hochzeitsreise nach Europa. Schmeling wird als einer von drei Boxern für einen Show-Kampf im Kölner Lunapark ausgewählt. Obwohl eine ganze Gewichtsklasse leichter, ist es eine große Ehre für Schmeling für zwei Runden gegen sein Vorbild in den Ring zu steigen.
1925 ist ebenfalls ein äußerst erfolgreiches Jahr für den kommenden Weltmeister. Von zehn Kämpfen verliert er nur zwei. Dennoch macht sich der nun Fünfundzwanzigjährige Gedanken über sein Leben, falls sich der Traum von einer Boxkarriere nicht erfüllen lassen sollte. Dabei kommt ihm sein kaufmännisches Talent zupass. An einem heißen Sommertag hat er bemerkt, dass Eiswaffeln reißenden Absatz finden. Sogleich überzeugt er seinen Manager Hugo Abel, in dessen Keller eine Eismaschine zu installieren. Schmeling investiert seine gesamten Ersparnisse der vergangenen zwei Jahre, insgesamt 600 Mark, in das Vorhaben. Das Risiko zahlt sich aus: „Wir hatten zwei Männer angestellt die einen Eiswagen mit bunten Sonnenschirmen durch die Straßen zogen, und bald hatten wir auch ganz ordentliche Umsätze. Ich sah mich als Unternehmer“.
Sein erster Abstecher in die unternehmerische Selbstständigkeit hat zwar einen guten Anfang, findet jedoch ein schlechtes Ende. Bis zu seinem nächsten Kampf hat Schmeling noch einen guten Monat Zeit. Deshalb nimmt er das Angebot eines Zirkusdirektors, dessen Sohn Boxunterricht zu erteilen, dankend an. So kann er den Trainingsalltag ein wenig hinter sich lassen, ohne jedoch seine Fitness zu verlieren. Bei seiner Rückkehr nach Köln muss er jedoch feststellen, dass Abel sein kleines Eisimperium mitsamt der Maschine verkauft hat um seine Schulden zu begleichen. Seitdem ist die Beziehung Schmelings zu seinem Manager gestört. Als sich Abel kurze Zeit später nach dem Tod seiner Frau aus dem Boxgeschäft zurückzieht, trennen sich ihre Wege endgültig. Schmeling bleibt jedoch nicht lange ohne Manager. Auf einer Boxveranstaltung in Köln tritt Max Machon an ihn heran und bietet ihm seine Dienste für den bevorstehenden Kampf an. Schmeling siegt durch K.o. und Machon erkennt das Talent des jungen Nachwuchsboxers. Es ist Schmelings erstes Aufeinandertreffen mit seinem späteren Trainer, Chefsekundanten und engsten Freund.
Für Schmeling ist es mittlerweile wieder Zeit für einen Tapetenwechsel. In dem Kölner Boxstall von Willi Fuchs fühlt er sich im Training vernachlässigt. 1926, zwei Jahre nachdem er in Köln zum Profiboxer aufgestiegen ist, kehrt er deshalb dem Rheinland den Rücken und zieht nach Berlin. Nachdem er sein gesamtes Vermögen mit der Eismaschine verloren hat, besitzt Schmeling nichts mehr als einen Pappkarton, welcher einige Kleidungsstücke und seine wertvollen Boxhandschuhe enthält. Beinahe mittellos findet er sich nun in der Hauptstadt wieder, erneut in einer unbekannten Umgebung. Zwar hat Schmeling bereits bei seinem Kampf gegen Max Diekmann im Sportpalast einen kurzen Eindruck von der Stadt erhalten und schon damals festgestellt, „dass eine Karriere nur über diese Stadt möglich war. Kein Erfolg in Hamburg, Köln oder Düsseldorf konnte einen jungen Mann aus dem zweiten Glied nach vorne bringen“. Doch von der Hektik, und Lebendigkeit fühlt er sich anfangs noch ziemlich eingeschüchtert. Er fasst den Entschluss, Arthur Bülow, den Chefredakteur des Boxsport, aufzusuchen. Bülow hat ihn bereits nach seiner knappen Niederlage gegen Otto Nispel mit lobenden Worten bedacht. In den Redaktionsräumen trifft er auch erneut mit Max Machon zusammen. Dieser hat erst kürzlich nahe Berlin, in den Märkischen Wäldern, ein Trainingsquartier eröffnet. Bülow bezahlt monatlich fünfzig Mark aus eigener Tasche, damit Schmeling in Machons Trainingscamp aufgenommen werden kann. Dort erzielt er deutliche Verbesserungen seiner Technik, feilt an seiner gefährlichen Rechten und verbessert seine Linke. Nach einem erfolgreichen Testkampf im Juli 1926 setzt die Boxsport-Behörde am 24. August Max Diekmann als Gegner Schmelings im Kampf um die deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht an. Nach seiner Niederlage zwei Jahre zuvor hat Schmeling bereits ein weiteres Mal gegen Diekmann geboxt. Der Kampf ist unentschieden gewertet worden und so erwartet das Publikum im Berliner Lunapark einen spannenden Schlagabtausch. Doch Dank seiner verbesserten Technik schlägt Schmeling Diekmann nach dreißig Sekunden der ersten Runde K.o., ohne dass dieser auch nur einen einzigen Schlag hätte anbringen können.
Der fulminante Sieg über Diekmann soll eine erste Zäsur in der noch jungen Boxkarriere des Max Schmeling darstellen. Der Boxsport titelt in der darauf folgenden Ausgabe:

Diekmann unterlag einem Größeren, einem Großen. Der deutsche Boxsport hat einen neuen Meister, auf den er wieder bauen kann, vielleicht einen Stern am Boxhimmel, der die Kräfte besitzt, alle Einstigen und Vorhandenen zu übertreffen.

Der Sieg hat auch finanzielle Konsequenzen. Schmeling erhält 1500 Mark, für den jungen Sportler eine horrende Summe. Er zahlt Bülow das Trainingsstipendium zurück, macht sich dadurch wieder unabhängig und schickte einen Großteil des Geldes seiner Mutter.
Die Aufmerksamkeit der Presse ist ihm nun sicher, auch wenn Stimmen laut werden, die seinen kometenhaften Aufstieg auf Glück und Zufall zurückführen. Schmeling sollte seine Kritiker Lügen strafen, indem er alle neun Folgekämpfe gewinnt, acht davon durch K.o.. Vor dem nächsten Kampf muss Schmeling an seinem Gewicht arbeiten, da er sich schon nahe an der Grenze zum Schwergewicht bewegt. Für Schmelings steile Karriere nicht untypisch, geht es in diesem Kampf bereits um den Titel des Europameisters. Um dessen überschüssige Pfunde zu bekämpfen, hat Machon mit seinem Schützling hart trainiert. Schmeling hat zwar dadurch etwas an Kraft verloren, dennoch zwingt er den Belgier Fernand Delarge in der Dortmunder Westfalenhalle in der 13. Runde nach harten Schlägen zur Aufgabe. Schmeling hat als erster deutscher Boxer einen Europameisterschaftstitel errungen. Nach diesem Erfolg fühlt er sich bereit für den Aufstieg in die Schwergewichtsklasse. Der Titel des Deutschen Meisters beim Sieg über Franz Diener 1928 dient dabei lediglich als Standortbestimmung. Von nun an sucht Schmeling sein sportliches Heil jenseits des Atlantik, in Amerika.

2.2.1 Als erster Europäer Meister aller Klassen

Es folgen sechs Kämpfe in seinem „neuen Wohnzimmer“ New York, die er alle gewinnt. In Deutschland wird New York mit einem „Schloss des Boxsports“ verglichen. Ein Titelkampf kommt einer Audienz gleich. Im Juni 1930 erfüllt sich Schmeling seinen Traum von einem Weltmeisterschaftskampf gegen Jack Sharkey. Der Amerikaner wird jedoch in der vierten Runde wegen eines Tiefschlages disqualifiziert und verliert den Gürtel an Schmeling. Zwar bestätigen alle Boxexperten dieses Urteil, doch handelt es sich dabei um ein Novum der Schwergewichtsweltmeisterschaft: Noch nie ist der Titel auf diese Weise vergeben worden, ein Makel der an Schmelings Sieg haftet: „Nun war ich zwar nicht nur im Schloss gewesen, sondern sogar König geworden“, meint der neue Weltmeister in Anspielung auf die Metapher. „Aber meine Krone war ohne Glanz“. Er muss ein Jahr warten, um gegen Young Stribling diesen Titel endlich auch sportlich bestätigen zu können. Erst nach diesem Sieg wird Schmeling auch in die New Yorker Hall of Fame der Schwergewichtsweltmeister aufgenommen. Der prestigeträchtige Titel, abgewandert auf einen anderen Kontinent - diese Erfahrung ist den Amerikanern von jeher ein Dorn im Auge. Jedenfalls verliert Schmeling seinen Titel ein Jahr später in einem vehement umstrittenen Kampf wieder an Jack Sharkey.
„Nicht noch einmal würde Amerika sich der Gefahr aussetzen, den Titel nach Europa entführen zu lassen“, erklärt sich Schmeling seine zweifelhafte Niederlage. Seine Chancen auf eine Revanche sollen im Zuge einer politischen "Neuorientierung" in seiner Heimat noch weiter schwinden.

Wird bald mit Teil II fortgesetzt.

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