LuftNachSommerregen 05.03.2008, 19:57 Uhr 1 0

Mein erstes Mal

Fußball verbindet. Die eine Hälfte der Zuschauer gegen die andere Hälfte. © Erhard Blanck

Mein erstes Mal...

…im Stadion.

Hey!!! Was hattet ihr erwartet??? =)

Es kam an einem sonnigen Tag im Januar 2008, dass ein bis dato fußballtechnisch gesehen total unbescholtenes, 24jähriges Mädchen beschloss, dass es an der Zeit wäre, ein Fußballstadion doch auch mal von innen kennen zu lernen. Sehr beeinflusst von der besten Freundin war auch klar, dass es ein Spiel des BVB sein sollte. Wie überaus günstig, dass in Kürze ein DFB-Pokal-Spiel im Dortmunder Signal-Iduna-Stadion stattfinden würde: BVB 09 gegen den TSG Hoffenheim. Es ging darum, welche Mannschaft ins Halbfinale einziehen würde.
Gesagt, getan, die Brüder der besten Freundin besorgten also freundlicherweise Karten für uns 4 und man verabredete sich für den 26. Februar vor dem Stadion.
Am Tag des Geschehens, 17.00 Uhr:
Die beste Freundin, nennen wir sie einfachhalber Viona H. aus W., und meine Wenigkeit, Sara N. aus W., düsten also los zum Bus, der einen dann auch geschwind zum Wattenscheider Bahnhof brachte. Dort war dann aber auch schon wieder Schluss. Eine freundliche, aber doch sehr stark nuschelnde Frauenstimme teilte uns via Lautsprecher mit, dass es technische Probleme im Bereich Wattenscheid gäbe und deshalb erst mal keine Züge zwischen Essen und Bochum verkehren würden.
Großes Kino.
Frage war nun: Bus nach Wattenscheid Höntrop nehmen und es via S1 versuchen oder bleiben wo wir waren und darauf hoffen, dass die technischen Probleme baldigst behoben sein würden. Viona H. und Sara N. entschieden sich für die 2. Möglichkeit.
Großes Fehler.
5 Minuten später wurde uns mitgeteilt, dass die Züge nun über Wattenscheid Höntrop umgeleitet werden, da die technische Störung erst einmal andauern würde. Sämtliche Busse nach Höntrop waren zu dem Zeitpunkt allerdings schon passé. Als wir dann nach 20 Minuten endlich doch einen erwischen konnten und endlich am S-Bahnhof ankamen, stand da also der umgeleitete RE1. Die folgenden Geschehnisse sind dann tatsächlich so passiert:
Der Zugführer guckt vorn aus dem Lokfenster und sieht uns Leute aus dem Bus den Bahnsteig hochkommen.
Der Zugführer schließt das Lokfenster.
Der Zugführer nimmt den Strom von den Türen.
Viona H. und Sara N. und die restlichen Leute aus dem Bus stehen vor den Türen und müssen zusehen, wie der Zug sich langsam in Bewegung setzt.

Ein Hoch auf die Deutsche Bahn, was für beknackte Assis!!!!!!!!!

Gott sei Dank kam 5 Minuten später die S1, mit der wir jedoch erst um 18.40 Uhr in Dortmund am Hauptbahnhof ankamen. Eben noch schnell was zu essen geholt und dann ab zur U-Bahn. Die kam dann leider auch 10 Minuten später, was uns dazu verleitete, stattdessen den Zug um 19.07 Uhr zu nehmen.
An dieser Stelle noch mal kurz die Anmerkung: Anstoß war um 19.00 Uhr. Den konnten wir demnach also schon mal vergessen.
Prima.
Viona H. und Sara N. kamen also um ca. 19.15 Uhr am Stadion an und mussten erst mal zur Hinterlegungskasse, wo ein dort beschäftigter Komilitone von Viona H. unsere Tickets netterweise in Gewahrsam genommen hatte, damit der männliche Teil unserer Gruppe, mit denen wir am Stadion verabredet gewesen waren, nicht auch bis 19.15 Uhr draußen stehen und auf uns warten musste.
Überglücklich, weil endlich unsere Tickets in den Händen und dem Stadion vor der Nase, begaben wir uns zu den Gates… in dem Moment ertönte ein lautes Gejohle und viel Musik: 1:0 für Dortmund. Wir hatten doch tatsächlich das 1. Tor verpasst.
Konnte es noch schlimmer werden???
Ja, konnte es. Auf dem Weg durchs gesamte Stadion hin zur Südtribüne ertönte plötzlich schon wieder lautes Gejohle und Musik… 2:0 für Dortmund. Das 2. Tor hatten wir also auch verpasst.
Viona H. und Sara N. waren den Tränen nahe.
Wie viel Pech kann man eigentlich haben???

Wer sich nun dünkt: Kann ja nur noch besser werden…. ZONK!
Die Südtribüne war voll und wir wurden auf die Südkurve zu den SITZPLÄTZEN!!! verbannt. Das ist der Bereich des Stadions, wo die Party geht *Ironie aus*.
Im Ernst, wir saßen da, ganz oben, zwischen jeder Menge Schnarchnasen, die Spieler auf dem Platz so klein wie Ameisen und einem Panorama-Blick auf die Südtribüne, wo eine Bombenstimmung herrschte. Wäre mir in diesem Moment einer von der Deutschen Bahn begegnet, hätte ich mich glaub ich vergessen und mich strafbar gemacht.
Zu allem Überfluss mussten wir uns auch noch angucken, wie Hoffenheim durch einen Elfmeter das 2:1 zu Stande brachte.
Halbzeit.
Viona H. und Sara N. aus W. entschieden sich ganz ökonomisch für Arbeitsteilung, wobei die eine für die Würstchen und die andre fürs Bier zuständig war. Frei nach dem Motto: „Dreistheit siegt!" („He du! Junge! Hier haste 10 €, bestellste 2 Bier für mich mit *lieb guck*?") war das Bier auch recht schnell am Start, die Würstchen allerdings weniger. Kurz bevor Viona H. an der Reihe war, gingen die Brötchen aus. Das wars dann mit Wurst. Gut, dann halt für diesen Abend nur noch Flüssignahrung.
Beginn 2. Halbzeit.
Dortmund erzielte das 3:1, ansonsten verlief das restliche Spiel eher ereignislos. Man bemühte sich viel eher, die ganzen Fangesänge zu behalten und einen halben Liter Bier in sich reinzuschütten. Nach Abpfiff wurden wir noch Zeuge eines HUMBA-TÄTERÄ. Für weitere Fußball-Neulinge: Erst wird das Wort HUMBA ganz in traditioneller Cheerleader-Manier buchstabiert („Gib mir ein H!" - „H!" usw.), wobei die Mannschaft auf dem Boden sitzt. Nach dem Buchstabierwettbewerb, der dann hoffentlich auch nach einigen inhalierten Litern Bier noch reibungslos über die Bühne gebracht wurde, startet der Gesang:
„Wir singen HUMBA HUMBA HUMBA TÄTERÄÄÄ!! TÄTERÄÄÄ! TÄTERÄÄÄ!" Dabei springt die bis dato sich auf dem Rasen ausruhenden Mannschaft ruckartig auf und reißt exstatisch die Arme in die Luft und springt über das Spielfeld, als ob sie nicht gerade 90 Minuten Fußball hinter sich hätte. Und die komplette Südtribüne geht ab wie'n Zäpfchen.

Hört sich komisch an – ist aber so. Muss man, glaub ich, einfach selbst erlebt haben, um die positive Energie nachempfinden zu können.

Der Nachhauseweg verlief auch recht unspektakulär bis auf die gewohnte Unfähigkeit der Bahn, was da heißt: 15 Minuten Stillstand des RE3 mitten inner Pampa aus unerfindlichen Gründen, was dazu führte, dass man den Anschluss in Gelsenkirchen (auch die „Verbotene Stadt" genannt) nicht mehr bekam.
Folge: Mitten in Gelsenkirchen, Heimat des verfeindeten Konkurrenzvereins Schalke, standen also 2 kleine Mädchen mit ihren BVB-Bechern und versuchten, sich möglichst unauffällig zu verhalten, sodass man unbeschadet weil unangepöbelt nach Hause findet.
Mission: Erfolgreich.

Nach erneuter, knapp 2-stündiger Odyssee von Dortmund nach Wattenscheid (Vergleich dazu: Optimalerweise braucht man für diese Strecke ca. 20 Minuten) waren wir immer noch im Fusi-Rausch und schmiedeten schon Pläne, wie man sich beim nächsten Spiel auch etwas mehr in den Vereinsfarben kleiden könnte.

Fazit:
Fußball im Stadion hat eine ungeheuer packende und fesselnde Atmosphäre, die selbst total stadion-unerfahrene Personen wie mich absolut überzeugt.
Die schwarz-gelbe Karnevalsschminke fürs nächste Spiel wurde schon gekauft…

1 Antworten

Kommentare

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    ich kann dein fussballfieber gut verstehn... stadion is einfach des geilste wases gibt!!!

    05.09.2008, 23:30 von des_lisbeth
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