Höher, schneller, weiter
Ist Sport nur in Superlativen spannend?
Wenn Blade von seinem unstillbaren Blutdurst heimgesucht wird, dann hilft nur noch eines: eine Beruhigungsspritze. Whistler hat ein spezielles Serum entwickelt, das den Halbvampir Blade in dem gleichnamigen Thriller wieder zurück auf den Boden der Tatsachen holen kann.
Eine kleine Dosis von diesem Serum hätte vielleicht nicht geschadet, als die neue Rodelbahn für die Olympischen Winterspiele in Vancouver gebaut wurde. "Whistler" heißt dieser Eiskanal, doch beschwichtigend wirkt er ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Er treibt die Sportler zu neuen Bestleistungen an. Mit 140 Sachen durch die Röhre, das muss drin sein! Man will neue Höchstgeschwindigkeiten sehen, und extra dafür ist die Bahn konzipiert. Dem georgischen Rodler Nodar Kumaritaschwili ist das zum Verhängnis geworden. Er hat sich in Vancouver in den Tod gerast.
Ein Fehler an der Bahn? Hat man sich ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt? Das geben die verantwortlichen Verbände und das Olympiakomitee nur ungern zu. Deswegen lautet die Begründung: menschliches Versagen. Die Rodler sind mit ihrem Größenwahnsinn nicht allein. Ein gewisses Risiko gibt es in jeder Wintersportart, und jeder versucht, Weltrekorde zu brechen. Das ist der Sinn eines Wettkampfes.
Ist Sport für euch nur in der Superlative spannend? Muss eine Sportart ein gewisses Risiko haben, damit sie für euch faszinierend ist? Treiben wir als Zuschauer die olympischen Wettkämpfe vielleicht auch voran, weil wir immer neue Rekorde sehen wollen? Oder interessiert euch das ganze Spektakel überhaupt nicht?





Kommentare
wohl war !
23.03.2010, 18:09 von ApuNahasich frage mich wie man den übergang vom tode eines georgischen rodlers zur nazizeit schafft. meine fresse
22.02.2010, 14:46 von IceIceFriedhelmund zum thema. ich finde die rekordjagd sollte da aufhören wo es absehbar ist, das menschen zu schaden kommen. is doch das gleiche bei den skifahrern. da wirds doch auch immer bekloppter. der sport bietet auch ohne stündliche rekorde genug spannung.
leistungssport ist seit mindestens 20 jahren eine cränke sache. die rekordsucht besiegt den sport, wenn der preis zu hoch und die sache dadurch lächerlich wird. leute quälen sich für ein paar konzerne, die den quatsch finanzieren und abmelken und bilden sich ein, es ginge noch irgendwem um den sport.
18.02.2010, 12:40 von pariboyich hab als kid viel sport geschaut, da war das alles noch ein bisschenmagisch. aber seit 20 jahren ist sport irgendwie tot und leer. es wirkt nur noch wie jede andere arbeit, der zauber, das besondere ist raus. selbst eine ewige sportart wie fussball hat immens an charme und klasse verloren, und der gilt eigentlich als unbesiegbar (da eben kein rekordsport, aber bürokratisiert genug).
@pariboy Verzerrte Wahrnehmung @work
18.02.2010, 15:32 von Romeo_Flausch79Der Leistungssport in Deutschland wurde vor 20 Jahren endlich wieder sauberer.
Davor hatte ein kleiner Verbrecherstaat auf deutschem Boden mit irrsinniger Förderung und Anabolika zur Mehrung des nationalen Ruhms Medaillen gesammelt als könne man damit über die Trostlosigkeit im Inneren hinwegtäuschen.
Inzwischen ist es wieder ein bißchen normaler geworden.
@Romeo_Flausch79 haha, klar. gedopt wurde nur in der zone, und vor allem in der zone. da war das auch sonst total schlimm mit die drogen.
18.02.2010, 15:51 von pariboydass heute eventuell wirklich moderater getrickst wird (sprich: doping viel im aufbau, clever optimiert und portioniert in wettkampftagen), hat aber mit meiner aussage nicht so viel zu tun, dass die sache an sich irgendwie ein bisschen trostlos geworden ist. es ist nicht mehr von selbst das alle faszinierende spektakel, bei dem die welt mal irgendwie zusammenkommt. es ist einfach eine wackere inszenierung mit vielen regeln. der glanz fehlt, für den sich der leistungszwang rentieren würde.
@pariboy Ist halt im Leistungssport verboten. Von mir aus können die alle Mittelchen freigeben unter der Bedingung, daß erste Hilfe verboten ist. Dann kann jeder zwischen Herzkasper und Goldmedaille abwägen.
18.02.2010, 16:21 von Romeo_Flausch79Wenn Du Dir den ewigen Medaillenspiegel anschaust, dann fällt Dir auf, daß in der DDR der Leistungssport viel medaillengeiler betrieben wurde als in der BRD damals und auch heute.
Der Leistungszwang besteht nur für jene, die den Ehrgeiz haben, im Milisekunden- und Zentimeterbereich an sich zu arbeiten. Alle anderen dürfen zuschauen.
Daß dem ganzen Angeblich der Glanz fehlt, liegt eventuell auch daran, daß es keinen Kalten Krieg mehr gibt, der Nationalismus auch nicht mehr das ist, was er mal war und es den Leuten dann auf einmal doch scheißegal ist, wer 5cm weiter hüpft. Und die Welt kommt am laufenden Meter zusammen, dafür brauchen wir keine Olympiade mehr.
Wie man bei der Tour de France nicht einschlafen kann, ist mir bis heute ein Rätsel.
@Romeo_Flausch79 "Wenn Du Dir den ewigen Medaillenspiegel anschaust, dann fällt Dir auf, daß in der DDR der Leistungssport viel medaillengeiler betrieben wurde als in der BRD damals und auch heute."
18.02.2010, 16:30 von pariboyes gab einen ehrgeiz, aber es gab halt auch viel freizeit, in der die jungs und mädels von kindestagen an zusammen sport trieben. das lief alles total zwanglos (ausserhalb der leistungszentren), aber war weit verbreitet und hatte hohes prestige. es gab ja sonst nix, nicht wahr? und so war da schon viel gesunder ehrgeiz dabei, vielleicht doch mal ins ausland zu kommen und vllt für die kleine ddr was gewinnen. hach war das rührend.
@pariboy "Ein jeder Mann an jedem Ort - einmal in der Woche Sport!"
18.02.2010, 17:22 von Romeo_Flausch79So ne paramilitärische Kindheit hat schon ihre Vorzüge - die habe ich stillschweigend zur Sportförderung gerechnet. Daß in der DDR gedopt wurde - und zwar systematischer und in als in der BRD - dürfte auch spätestens seit der Befreiung 1990 bekannt sein. Stichwort "Forschungsgruppe Zusätzliche Leistungsreserven".
Du hattest zunächst geklagt, daß "Rekordsucht den Sport besiegt", dann habe ich Dir nachgewiesen, daß diese Rekord/Medaillensucht zu dem von Dir angegebenen Zeitpunkt (vor 20 Jahren) deutlich ausgeprägter war. Ich fasse zusammen: Mit runtergelassenen Hosen erwischt worden. Jetzt bin ich gespannt auf den Versuch, Deinen bisherigen Rekord im Rückwärtsrudern zu unterbieten.
Fertig! Los!
@Romeo_Flausch79 also wenn ein stabhochspringer sein gerät derart krümmen würde wie du es bmit den zusammenhängen tust, dann bräche er vor der matte zusammen.
18.02.2010, 17:44 von pariboynochmal zonistische langsamkeit in aller präzision, für den übereifrigen westdeutschen. die versteifung auf rekordsucht ab einemgewissen grad hat ins lächerliche geführt, unabhängig von doping usw. sport hatte ja bis dahin auch den ästhetischen faktor, dass man immer erkannte, die sind begabt, nicht nur trainiert. der ist abhanden gekommen durch das maschinisierung. ob das alles heute weniger ausgeprägt ist, oder einfach nur weniger qualitatives und investigatives interesse findet, sei mal offen gelassen. ich behaupte einfach mal, die luft ist raus, der elan fehlt. leistungssport ist oll geworden.
in der ddr war alles systematischer, das lag im sinn der sache. was aber auch heisst: kontrollierter. und das ist beim doping vielleicht eher ein vorteil. im westen hatte kein verband von träinern, sportlichen beratern und ärzten die optimallösung ermittelt, sondern jeweils ein privates netzwerk. in guten fällen, war das mitunter besser als die ddr variante, im regelfall sahs aber eher andersrum aus. und rein mengentechnisch bzw. stofflich war die ddr in der versorgung vermutlich im rückstand, man systematisch aus wenigem das beste gemacht. auch etwas naja ulkig und trostlos, aber so ist das am limit eben.
@pariboy Merkwürdig, ich erwähne Doping nur am Rande und Du steigst voll drauf ein. Ist das noch alte Konditionierung, die DDR gegen den Vorwurf des Dopings durch das nichtsozialistische Ausland und negativkritische Kräfte zu verteidigen?
18.02.2010, 17:56 von Romeo_Flausch79Die Rekordsucht war in der DDR ausgeprägter als heute in Gesamtdeutschland. Punkt. Wenn Du Rekordsucht für den fehlenden Pepp verantwortlich machst, paßt Deine Beobachtung "seit 20 Jahren" nicht rein. Entweder ist es nicht die Rekordsucht, die schuld ist oder Deine Erinnerung ist rosig gefärbt. Außer Sport gabs vor 20 Jahren ja nichts.
In einem vermag ich Dir zu folgen: auf niedrigerem Niveau spielt das nivellierende Training eine geringere Rolle als Veranlagung und führt daher eventuell zu einer Abgeschmacktheit des Sportes. Je höher der Optimierungsgrad, desto weniger verschiedene Ansätze sind möglich.
Aber das ist nicht "Rekordsucht", sondern eine Verfeinerung der Technik, die in den letzten 20 Jahren stattgefunden hat. Willkommen in der Welt des Wandels.
@Romeo_Flausch79 willkommen in der welt des rückschritt. die reduktion auf einen einzigen/kollektivistischen ästhetischen ansatz mag ein kleingärtner wie du vielleicht verfeinerung nennen, ich nenne es entfärbung und entzauberung. das ist eine "verbesserung", die nur idioten interessiert. vergelichbar mit heutigen 3d grafikkarten, deren phase relevanter rekorde liegt ähnlich weit zurück.
18.02.2010, 18:07 von pariboydas andere hatte ich angefangen, aber leider vergessen komplett zu erklären. also die rekordsucht hat den sport auf den höhepunkt getrieben, bis sich die rekorde nur noch unter absurdem aufwand einstellen konnten. das limit war erreicht. somit ist das resultat der rekordsucht, die gegenwärtige, nüchterne und farblose tristesse der routinesportlichkeit im versuch, doch nochmal was zu reissen, bei mir negativ besetzt. insofern ist die rekordsucht, so sehr sie faszinieren konnte auf ihremweg zum zenit, im nachhinein ironischerweise der mentale untergang gewesen.
manchmal ist logik minimal räumlich, etwas mehr als eine aufgereihte folge. das bildet dann einen zusammenhang, thesisch oder faktisch.
was den doping reflex anbelangt, da hast du recht. das gehts um gewissen wie bei euch wenn ihr euch täglich euren hitler flüstert.
@pariboy Ist doch nicht kollektivistisch. Es gibt mehr Sportarten als je zuvor, bei denen völlig andere Maßstäbe angelegt werden. Halt nicht im Leistungssport, der - wie der Name selbst dem weniger Scharfsinnigen verrät - den Leistungsaspekt in den Vordergrund stellt.
18.02.2010, 18:18 von Romeo_Flausch79Ich flüstere mir keinen Hitler, ich tanz den Mussolini.
http://tinyurl.com/yvovzh
@Romeo_Flausch79 nun gehts hier aber auch und mir ganz besonders darum, inwiefern der leistungssport durch seinen zunehmenden verzicht auf überraschung, vielfalt und ästhetik (als produkt) für ein übermaß an normativität an reiz verliert.
18.02.2010, 18:36 von pariboyaber die vielfalt möglicher sportarten als argument gegen den vorwurf des betriebenen kollektivismus und der doddalliddärrrrrren! normierung einzelner sportarten zu stellen, das wagt sich auch nicht jeder. hältst du mich tatsächlich für so blöd?
@pariboy Meine Einschätzung Deiner Blödheit gegenüber wechselt teilweise von Satz zu Satz Deiner Aussagen.
19.02.2010, 13:46 von Romeo_Flausch79Die Verfeinerung im Mili-Bereich, die fleischgewordene Verinnerlichung von optimalen Abläufen ist eine eigene Ästhetik und daher nicht per se unästhetisch.
Die Vielfalt der Sportarten bedingt auch, daß es eine ganze Latte von Sportarten gibt, die nicht normiert sind. Teilweise sind sogar Sportarten wie Fußball nicht normiert. Es gibt doch so ne Anarcho-Liga für Fußball (Dynamo Windrad oder so ähnlich heißt einer der "bekanntesten" Clubs). Die überträgt halt keiner.
Normierung ist ein natürlicher Ablauf bei häufig stattfindenden Wettbewerben, die ein hohes Maß an Transparenz erfordern. Dem Laien kann es m.E. egal sein, welche Anforderungen an den Schwimmanzug gestellt werden bzw. ob die Ski der Langläufer (noch so eine Schnarchersportart) max. 5cm breit sein dürfen oder nicht. Darin dürfte der Reizmangel kaum bergündet sein.
Hast Du schon daran gedacht, ob Deine Abstumpfung auch in Deiner persönlichen Weiterentwicklung begründet sein könnte? Manche Menschen verändern sich innerhalb von 20 Jahren. Wenn Du heute 30 bist, dann ist Dir eventuell schlichtweg die kindliche Fasziniation eines 10hjährigen abhanden gekommen, der - in der reizarmen DDR aufgewachsen - in der liberalen BRD andere Eindrücke zu schätzen gelernt hat als staatlich getragene und durchorganisierte Großveranstaltungen zur Mehrung des nationalen Ruhms?
Ich finde es etwas ermüdend, dass nach jedem tragischen Ereignis (wie dem Selbstmord von Robert Enke) oder Unfall (der im Falle von Nodar Kumaritaschwili bei besseren Sicherheitsvorkehrungen wohl vermeidbar gewesen wäre) der Profisport an sich in Frage gestellt wird.
18.02.2010, 11:41 von Club-Fan82@Club-Fan82 Profisport an sich ist ja gut und schön, aber die Frage ist ob man immer neue Rekorde erzwingen muss. Dieser Unfall zeigt einfach, dass das auch schief gehen kann.
18.02.2010, 12:17 von jana_wolfVielleicht würde es mit weniger Risiko auch gehen. Aber kuckt das dann noch irgendjemand an?
@jana_wolf Aber das Rekordstreben ist ja kein Phänomen, das es ausschließlich im Sport gibt...siehe zum Beispiel die Finanzkrise.
18.02.2010, 12:27 von Club-Fan82@Club-Fan82 Das ist doch kein Grund, wieso man es nicht in Frage stellen soll. Dein Bsp. bestätigt doch eher, dass die Suche nach Superlativen in die Hose gehen kann.
18.02.2010, 12:29 von jana_wolf@jana_wolf Das ist richtig.
18.02.2010, 12:35 von Club-Fan82Mich wundert aber, dass das Thema immer nur im Zusammenhang mit Sport angesprochen wird.
Schade.
18.02.2010, 11:07 von TransgressorNodar Kumaritaschwili ist ein Name von großer Lustigkeit!
Und ja, um auf die Frage zurückzukommen: NATÜRLICH ist das alles nur im Superlativ spannend!
18.02.2010, 11:01 von frl_smillaNachtrag am 18.02.2010 - 11:07 Uhr:
"Dein Kommentar ist älter als 5 Minuten. Du kannst ihn deshalb nicht mehr verändern, du kannst aber unter deinen Kommentar noch eine Anmerkung schreiben: " Ja, und seit wann löscht die Anmerkung den restlichen Kommentar? Dammit!
'... und jeder versucht, Weltrekorde zu brechen. Das ist der Sinn eines Wettkampfes.'
18.02.2010, 10:51 von quatzatNaaa, fällt dir was auf?
Schön mit der Tüte Chips vorm Fernseher und den anderen beim Schwitzen zugucken... nee, ich bin dann mal ne Runde joggen und meinen Freundinnen beim Marathon zujubeln - auch wenn sie vier Stunden brauchen.
18.02.2010, 10:47 von Pittili