Medea84 24.04.2004, 17:52 Uhr 6 0

Himmel- nimm mich in deine Arme!

Eng zusammen sitzen wir im Flugzeug, das sich schraubenförmig in die Luft bohrt.

Mit zunehmender Höhe spüre ich den Druck auf den Ohren, doch reden will hier sowieso fast niemand.Lieber schaue ich aus dem Fenster, sehe wie das Flugzeug die Wolken durchbricht und der Sonne immer näher kommt. 4000 m über der Erde setze ich mit freudiger Erwartung und schneller pochendem Herzen die Schutzbrille auf. Wir rutschen zur offenen Tür des Flugzeugs und ich sehe schon unter mir die anderen Springer in ihren bunten Anzügen, wie sie der Anziehungskraft zum Opfer fallen. Und nun ich. Mit 200 km/h falle ich ca. eine Minute wie ein Stein zu Boden, der Wind bläst hart ins Gesicht und ich fühle mich herrlich frei und gelöst. In ca. 1500 m Höhe wird der Fallschirm ausgelöst, mit einem Ruck geht es noch mal kurz nach oben, bis ich dann, gemütlich wie auf einem Stuhl sitzend, lautlos in der Luft schwebe. Ich darf den Schirm lenken, sodass ich die Sonne sehe, die jetzt am frühen Abend hier oben schöner scheint, als ich sie je gesehen habe. Nach vielen weiteren Minuten hat mich die Erde wieder. Nach der Landung bin ich glücklich, aber auch so sehr erschöpft, dass ich sofort einschlafen könnte- die Produktion von so viel Glückshormonen scheint mein Körper wohl nicht gewöhnt zu sein. Zugegeben- meine Erfahrung im Fallschirmsport beschränkt sich auf einen Tandemsprung, aber es lässt einen nicht mehr los, hat man erst einmal das unglaubliche Gefühl der Freiheit und scheinbaren Schwerelosigkeit erlebt.
Doch Fallschirmspringen ist mehr als nur aus einem Flugzeug zu hüpfen und sicher zu landen. In diesem Sport gibt es verschiedene Disziplinen, im freien Fall sowie am geöffneten Schirm. So ist das Stilspringen, bei dem nach einen festen Ablaufplan Figuren, wie z.B. Saltos, gesprungen werden, die älteste Freifalldisziplin. Geselliger geht es beim Freifallformationsspringen zu. Die Springer bilden während des Falls die verschiedensten Formationen und fassen sich dabei mithilfe von Griffen an den Anzügen an Arme, Beine oder Oberkörper, wodurch immer wieder neue Formationen entstehen können. Auch gibt es ständig Versuche, so viele Springer wie möglich in einer Formation zusammenzubringen- der aktuelle Rekord liegt bei 200 Springern. Weitere beliebte Disziplinen im Freifall sind das Freestyle- Springen und das Skysurfen, eine Art Snowboarden, mit jedoch viel mehr Möglichkeiten. Möchte man sich mehr auf das Fliegen mit dem geöffneten Schirm konzentrieren, gibt es auch hier Disziplinen. Beim Zielspringen z.B. kommt es darauf an, einen festen Punkt am Boden zu berühren, der gerade mal etwas größer als ein 2€- Stück ist. Der freie Fall ist für Zielspringer Nebensache. Das Fallschirmformationsfliegen ist eine fliegerische Höchstleistung. Bei dieser Disziplin halten sich die Springer mit den Beinen an den Fallschirmen der anderen Springer fest, um so Figuren zu bilden, z.B. in Form eines Diamanten. Para- Ski vereint Winter- und Fallschirmsport, auch hier gibt es eine Zielscheibe. Der Spaß kommt beim Springen absolut nicht zu kurz. Fun- Jumper sind immer auf der Suche nach noch mehr Abwechslung, sie stehen den Skydivern gegenüber, die sich auf die Disziplinen konzentrieren. So kommt es schon mal vor, dass mit einem Schlauchboot aus einem Flugzeug gesprungen wird.
Ein wichtiger Aspekt im Fallschirmsport sind die sozialen Bindungen, die zwischen den Springern entstehen. Für die meisten ist es völlig normal, sich am Abend zusammenzusetzen, zu grillen und sich auszutauschen. Auch das macht das Flair dieses anziehenden Sports aus.
Um frei springen zu können, braucht man natürlich erst einmal eine Ausbildung mit anschließender Lizenzerlangung, die viel kosten kann. Spürt man jedoch einmal diesen ganz besonderen Kick beim Übertreten von Grenzen, würde man wahrscheinlich alles tun, um sich den Urtraum der Menschen zu erfüllen- das Fliegen.

6 Antworten

Kommentare

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    Nach 2 1/2 tägiger Grundausbildung bin ich letztes Wochenende zum ersten Mal allein aus dem Flieger gesprungen. Es war ein absolut irrsinniges Erlebnis. Vor allem die Aussicht von dort oben, das kriegt man für kein Geld der Welt. An dem was man Freiheit nennt, war ich selten so nah dran, wie dort oben. Es war traumhaft!!! Tipp an alle NEON-Leser, wenn ihr denn Mum habt, wagt einen Solo-Sprung. Das wird mit Sicherheit eine lifechanging experience.

    01.06.2005, 11:30 von Tayla
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    Man lernt, daß man immer aufgefangen wird. Entweder vom Fallschirm oder von der Erde. Aber soweit würde ich nicht gehen. Man müßte das Ganze selbstverständlich sachlich erörtern. Sich die ganze Sache durch den Kopf gehen lassen. Sich eine Meinung dazu bilden.

    11.05.2005, 17:45 von TradingBuddha
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      @[Benutzer gelöscht] pimpern ist ein ganz schlimmes wort. lass das aber durchgehen.

      05.04.2005, 13:48 von Medea84
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