Jakob_Schrenk 07.12.2009, 10:51 Uhr 9 0
NEON täglich

Hassliebe

Wie verlogen sind Fußballfans?

Es ist noch nicht einmal einen Monat her, da erging sich ganz Fußball-Deutschland in Trauer über den Selbstmord von Robert Enke. Und wenn Leitartikler, DFB-Präsidenten und andere Sonntagsprediger den unerbittlichen Leistungsdruck unserer Gesellschaft anprangerten oder dass es doch viel wichtigeres gäbe im Leben als Fußball, dann nickten die Fans in den Stadien und vor dem Fernseher nachdenklich mit den Köpfen.

Am Samstagnachmittag sah das ein wenig anders aus. Die so genannten Fans des VFB Stuttgart blockierten den Mannschaftsbus schon vor dem Spiel (hinderten also ihre Mannschaft daran, sich optimal auf das Match vorzubereiten), warfen Rauchbomben, versuchten laut Trainer Markus Babbel den Bus zu stürmen und vollführten "Tötungsgesten". Babbel, der gestern entlassen wurde, obwohl ihm zuvor versprochen worden war, mindestens bis zur Winterpause bleiben zu können, hat nun beklagt, dass alle Diskussionen nach dem Tod von Robert Enke über mehr Menschlichkeit im Sport Heuchelei gewesen seien: "Die Branche hat daraus nichts gelernt."

Auch wenn die Robert-Enke-Anrufung so etwas wie der Nazivergleich des Fußballs werden könnte (schon Hoffenheim-Manager Jan Schindelmeiser appellierte unter Verweis auf Enke für eine bessere Behandlung seines Clubs durch gegnerische Fans) finde ich, dass der Mann Recht hat. Manchmal schäme ich mich, ein Fußballfan zu sein. Was ist eigentlich mit Fans los, die nicht mehr ins Stadion kommen um sich zu freuen, sondern um zu hassen? Wie verrückt ist es eigentlich, mit Mitteln des zivilen Ungehorsams gegen Fußballer zu protestieren? (Wann gibt es eigentlich den ersten Hungerstreik für die Entlassung von Louis van Gaal?) Wie kommt man eigentlich dazu, seine Mannschaft zu verunsichern und zu schwächen, anstatt sie anzufeuern? Und warum interessieren sich diese Mob-Mitglieder überhaupt noch für Fußball, wenn sie die "Scheiß-Millionäre" ohnehin verachten?

9 Antworten

Kommentare

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    hm ja schwierig, das mal gepfiffen und gebuht wird da bin ich dafür. Wenn das spiel unendlich langwelig ist, spieler sich entscheiden trotz ausreichender bezahlung und rundum komfort einfach mal eine ganze halbzeit an einem platz zu stehen und dann noch nichtmal in der lage sind nen pass zu empfangen.. das macht mich schon nicht grade glücklich. Wenn ich mein geld für ne karte in der allianz arena opfere um die bayern zu sehen und dann sind die besoffenen, die ins stadion gelassen werden und schön rumpöbeln das einzige highlite des abends, ist das schon milde gesagt tragisch. und da bin ich auch der meinung dass fusballspieler die unmut der zuschauer wegstecken müssen. es sollte viel ehr motivation sein mehr zu geben, und nicht grund zur verunsicherung. klar echte drohungen usw, wie sie vorkommen, sind nicht schön aber wie das halt in unserer welt so ist... alkohol, schlechte bildung und zu geringer schutz der spieler kann auch zu so etwas führen.
    den leistungsdruck mildern.. dafür sehe ich keinen grund. denn es ist ihr job bestleistungen zu zeigen, hart zu trainieren und halt auch die fans und die medien zu ertragen. dafür werden sie bezahlt, versorgt, beschützt und sind nach ihrer fußballkarriere für immer berühmt :) und es wird ja keiner gezwungen, jeder weiß worauf er sich einlässt.

    08.12.2009, 04:53 von SophiaOnTheRun
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    Ersetze in diesem Text "Fan" durch "Mensch"

    07.12.2009, 15:25 von frl_smilla
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    mein journalistisches vorbild äußert sich übrigens ganz ähnlich wie ich, mit gewohnter stilistischer und inhaltlich-argumentativer brillanz (schon der link hat einen sehr schönen namen, leerzeichen bitte rausnehmen):
    ttp://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/518083/artikel_Diese-VfB-Fans-haben-total-versagt.html

    07.12.2009, 14:32 von Jakob_Schrenk
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    so ein mentalitätswechsel geht ja auch nicht über nacht von statten. eigentlich wünscht sich jeder den "you'll never walk alone"-fan, der grad in der krise zur mannschaft steht, aber der ist wohl eher mythos.
    warum jetzt im fall stuttgart nur über die fans hergezogen wird, versteh ich nicht ganz. es wäre ja sicherlich auch aufgabe des vereins, den trainer zu schützen und nicht "die gesetze des geschäfts" vorzuschieben, um ihn abzusägen. loyalität fordern und selber oportunist sein passt nicht ganz zusammen.

    07.12.2009, 13:46 von Pilades
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    Können halt nicht alle Raimond Aumann als Fan-Betreuer haben...

    07.12.2009, 12:00 von Christian_Flierl
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      @Christian_Flierl Balu!

      08.12.2009, 19:46 von Insomnia
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    also ich finde es absolut null schlimm, was da in stuttgart abging. 2 böllerchen, ein paar antimillionäre-rufe und ein paar halsdurchgesten (die im übrigen auch "halsabschneider" bedeuten können - betrüge einen schwaben mal um sein sauer beim daimler verdientes eintrittsgeld!)..

    das ist doch wie kehrwoche - bieder und kleinlich. lass den stuttgartern doch ihr kleines bisschen spaß! ist doch sonst nichts los am neckar. naja, außer wenn dynamo dresden nächsten sonnabend ein paar hools mit zu stuttgart II bringt..


    ein ganz anderes thema ist es, wenn sich massen in den stadien gegen schwarze aufputschen oder eine ubahn von stpauli bis auschwitz bauen wollen (gegen eine abschaffung dieses "vereines" hätte ich i.ü. auch nichts, nur muss es nicht im kz erfolgen). dann geht es nicht mehr gegen menschen, die für ihren job als zielscheibe entsprechend entlohnt werden (stichwort "millionäre"), sondern um primär unbeteiligte...

    07.12.2009, 11:48 von Kocmonabt
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      @Kocmonabt kocmonabt,
      deine aussage klingt gleichermaßen vergiftet
      wie die an-wandlung der fans in stuttgart.
      deren handlungsweise schien mir durch nervosität und bitterkeit ebenso geschwächt.

      im übrigen kann ich jenes laufkundschaftdasein der trainer auch nicht verstehen. frage:
      ist es denn nicht auch möglich, dass die schlechte stimmung im stadion und/also das temperament der fans zur versunsicherung der spieler und somit zu schlechten ergebnissen beitragen (wenn sie nicht grad geschmiert wurden)?

      07.12.2009, 13:00 von .horriblygood.
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      @.horriblygood. @horiblygood
      ich bin bayern-fan und konnte mich in den letzten spielen davon überzeugen, dass sich einzelne spieler extrem von pfiffen der eigenen fans verunsichern lassen. es ist total interessant, dass fans immer glauben, dass diese scheiß-millionäre absichtlich schlecht spielen, die viel nahe liegendere erklärung, nämlich dass mannschaften in der krise kein selbstvertrauen haben und ihnen daher wenig gelingt, leuchtet anscheinend niemanden ein.

      07.12.2009, 14:27 von Jakob_Schrenk
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      @Jakob_Schrenk ja, es sollte bedacht werden, dass spieler auch (bloß) auf die ihnen vorgegebenen reize reagieren und umgekehrt. soll heißen, es ist ein beinflussen und beinflusst werden. zu spielerischen verunsicherug, man mag es kaum glauben, kommt manchmal auch noch pech hinzu.

      ich kann mir wirklich gut vorstellen (und das als eher fußballlaie), dass spieler oft trotz oder eben wegen der raserei der fans beansprucht werden und dass der zweck jeder provokation schlicht das erringen von aufmerksamkeit und beachtung ist.

      wie in anderen subkulturen, ist auch hier ein besonderes system von vorstellungen und verhaltensweisen gegeben, welche die ganze spieler-fan-dynamik erst so vielschichtig machen - sehr interessant.

      07.12.2009, 15:06 von .horriblygood.
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      @.horriblygood. ich hole mal ein bisschen sozialpsychologisch/soziologisch aus:

      solange die subgruppe fan eine höhergestellte subgruppe (fußballer, "millionäre") anfeindet, ist alles gut. es ist das gleiche, wenn grünenwähler fdp-wähler scheiße finden (beiden geht es vergleichsweise gut), es ist sogar so verbreitet, dass man es als "normal" ansehen könnte: man verbündet sich mit den anderen schwächeren gegen eine vermeintliche übermacht (kollegen vs. böser chef, alle gegen bayern, etc.).

      es wird erst schlimm, wenn die subgruppe fan eine sozial vermeintlich niedriger gestellte subgruppe (ausländer, farbige, etc) anfeindet. denn das sagt über die fans aus, dass sie keine sozial akzeptablen moralvorstellungen mehr haben (bsp. nazis, die penner verprügeln).

      diese dynamiken spielen im fußi eine riesenrolle - und ihne dem wäre es doch einfach nur langweilig. ich erwische mich selber dabei, wie ich mich kurz über kahns vom golfball getroffene fresse freue.
      gewinner dürfen verlieren (schadenfreude), verlierer dürfen nicht noch mehr verlieren (mitgefühl) - der mensch hat schon ein komisches wertegerüst, sobald status und sozialer gruppendruck dazu kommen..

      07.12.2009, 15:38 von Kocmonabt
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    Wie in jedem größeren bunt zusammengewürfelten Haufen Menschenfleisch gibt es immer ein paar, die (extrem) unangenehm auffallen müssen, das ist im Fußball nicht anders als auf einer Party oder bei NEON. Also ein durchaus normales Phänomen. Ob das so in Ordnung geht und wie weit man durchgreift, ist eine andere Frage. Fan sein ist ja keine Pflichtveranstaltung. Es gibt nicht "die" verlogenen Fans. Allenfalls ein paar verlogene. Wie sehr, das hängt von der eigenen [...] ab.
    zz.

    07.12.2009, 11:34 von zzebra
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      @[Benutzer gelöscht] ich glaube, das schaffst du selbst.

      07.12.2009, 11:25 von Jakob_Schrenk
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      @Jakob_Schrenk damit meine ich natürlich soislbagge

      07.12.2009, 11:26 von Jakob_Schrenk
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