Utze-99 31.03.2004, 17:13 Uhr 6 0

Erste Zweifel - riesen Spaß

Es ging sehr schnell, es tat nicht weh aber die Unterschenkel waren ab.

Es geschah 1995. Ich bin mit Rollerblades in Hannover unter eine U-Bahn gefallen und eben diese riss mir beide Unterschenkel ab. Als mir die Ärzte im Krankenhaus damals sagten, dass ich Glück hatte noch am Leben zu sein, war es mir egal. Ich wollte nur sterben. Ich wusste oder besser dachte, dass ich niemals wieder Sport treiben könnte.

Mir wurde gesagt, dass ich mit zwei Prothesen versorgt werden würde, was mir übel aufstieß und ich mich damit überhaupt nicht abfinden könnte. Nachdem der Pförtner aus dem Krankenhaus in mein Zimmer kam, es war die dritte Woche nach meinem Unfall, erzählte er mir, dass er ebenfalls zwei Unterschenkelprothesen tragen würde. Ich war sofort begeistert, weil man nicht sehen konnte, dass er mit Holzbeinen durchs Leben lief. Er machte den Gürtel seiner Jeans auf, ließ diese Fallen und ich sah zwei künstliche Beine. Ab dem Augenblick wollte ich leben. Ich hatte keine Sorge mehr, dass ich nicht wieder auf die Beine kommen würde und der Gedanke, dass ich auch bald so toll laufen könne, machte mir Mut. Von da an ging es mir psychisch so gut, dass ich schnellst möglich in eine Rehaklinik und meine High-Tech-Beine anschnallen wollte. Mir wurde in der Reha gesagt, dass es mindestens 3-5 Monate dauern würde, bis ich etwas laufen könnte - Es dauerte 3 Wochen.

Ich unterschrieb eine Einverständniserklärung, dass ich auf eigenen Wunsch die Klinik verlasse und ging am selben Abend mit Freunden in eine Disco und feierte. Nach 6 Monaten hat meine Freundin mir damals die Krücken weggeschlossen und für mich war es das erste Mal, dass ich auf meinen Prothesen durchs Leben lief. Dann lernte ich Gerd kennen. Gerd war ebenfalls Unterschenkelamputiert und spielte Sledge-Eishockey. Vor meinem Unfall spielte ich 14 Jahre Handball und machte jeden Sport, den man sich vorstellen kann. Ich ging das erste Mal zum Sledge-Eishockey und wurde sofort in die Mannschaft integriert. Ich durfte mich auf einen Schlitten setzen, mit dem man über das Eis rutscht, bekam 2 Schläger, mit denen man den Puck spielt und war begeistert. Ein harter Sport, Gleichgesinnte und jede Menge Spaß.

Heute bin ich in der Nationalmannschaft und in 4 Jahren 4-mal deutscher Meister geworden. Ich bin jedes Mal der Torschützenkönig geworden und darf jetzt im April zur WM nach Schweden. Es kann passieren was will, das Leben ist zu schön, um es wegzuwerfen. Ich fühle mich nicht behindert. Behindert wird man von der Öffentlichkeit gemacht."Wichtige Links zu diesem Text"
Slege-Eishockey was ist das?

6 Antworten

Kommentare

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    also erstmal: respekt!!
    aber wie funktioniert das? werden muskelfasern an die prothesen "angeschlossen"? sonst könnte man doch nicht grade darauf gehen...

    28.03.2006, 15:48 von grissel
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    Nein, wer es kann, so wie ich, der eiert damit nicht rum. Man sieht es nicht, wenn ich durch´s Leben laufe.

    Gruss und Danke

    Udo

    25.10.2005, 10:36 von Utze-99
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    * Riesen-Applaus für Dich*

    09.02.2005, 13:58 von CaptainMadame
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    ich kenn auch rolli-basketballer und einen rolli-tennis-profi. schoen, dass es bei dir mit den prothesen so gut klappt. bist du immer auf ihnen unterwegs?

    28.10.2004, 02:18 von octopussy
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      @octopussy ja, eigentlich trage ich die high-tech-gogo-gadjetto-beine täglich. (nachts wohl eher nicht) :)

      wenn ich beim Sport bin, dann nutze ich schonmal den rolli, oder wenn wir besoffen mit der mannschaft durch fremde städte torkeln.

      gruss Udo

      06.01.2005, 10:40 von Utze-99
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      @Utze-99 und doofe frage: wie geht es so? ich meine mit den dingern. laeuft man da normal oder eiert man?

      06.01.2005, 17:46 von octopussy
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    Hallo,

    wenn ihr Freunde oder Bekannte habt, die ebenfalls Probleme haben und hatten, sich mit ihrer körperlichen Einschränkung auseinaderzusetzen, dann meldet euch bei mir.
    Sport baut auf :)

    08.04.2004, 23:48 von Utze-99
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      @Utze-99 Hallo Utze,
      ich bin zwar Fußgänger, kenne aber Menschen, die Rollstuhl-Basketball spielen. Bin auch gegen ein paar Roller Marathon gelaufen ( natürlich chancenlos:-)
      Und wie auch bei dir bewundere ich die Tapferkeit, mit der das Leben angegangen wird.
      Bin ehemaliger Schwimmer und Motorradfahrer und hab mich oft gefragt, was ich wohl täte, wenn mich die Leit(d)planke damals erwischt hätte. Menschen wie dich bräuchte ich dann!
      Weiter so!!
      Viele Grüße vom Querkopf

      12.04.2004, 16:04 von Quergedacht
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      @Quergedacht Danke dir :)
      War auch Motorradfahrer und da genauso erfolgreich (Kniescheibenbruch, Armbruch) Vollcrosser halt :)

      Fahr vorsichtig ;)

      Gruss

      18.05.2004, 12:23 von Utze-99
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      @Utze-99 Ach du je, ein Crosser.
      Ich hab seinerzeit lasende Leisschüsseln bevorzugt:-)
      Werd ich vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft wieder fahren...

      Ich hab von der WM in Schweden nichts mitbekommen, mußte aber bei der Eishockey WM an deinen Beitrag denken.
      Wie habt ihr abgeschnitten??

      Gruß
      Q.

      18.05.2004, 18:49 von Quergedacht
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      @Quergedacht :)
      naja, war nicht ganz so erfolgreich. dafür, dass es die erste WM für uns war. 7. platz von 8 :(
      Aber wir sind das 7. beste Team der Welt, das ist ok ;)

      Gruss

      24.05.2004, 12:49 von Utze-99
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      @Utze-99 Großartiger Artikel!
      Behinderungen oder Erkrankungen sind immernoch irgendwie ein Tabuthame heutzutage, vermutlich, weil die meisten nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Schön, daß sich jemand so offen und positiv (zu einer/seiner Behinderung und) zu sich selbst äussert.
      Viel Spaß und Erfolg weiterhin immer, überall und bei allem! ;o)

      09.10.2004, 12:10 von Justus
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